Freiburg-Weingarten

Rentnerrunde schwimmt auch im Winter nackt im kalten Dietenbachsee

Julia Littmann

Eine Gruppe Kalt-Wasser-Enthusiasten ist seit Mitte Januar wieder im kühlen Nass des Dietenbachsees. Sie eröffneten ihre Saison deutlich früher als die Sportstudierenden in der Dreisam.

Als dieser Tage mit viel Medienöffentlichkeit Freiburger Studierende ihr "Anbaden" in der Dreisam feierten, konnten die winterharten Schwimmerinnen und Schwimmer vom Dietenbachsee nur müde lächeln. Unbemerkt von den Medien hatte dort eine kleine wackere Rentnerrunde schon am 16. Januar die Saison angebadet – bei frischen 6,5 Grad Wassertemperatur und molligen 14 Grad an der Luft. Geschätzter Altersdurchschnitt der hartgesottenen etwa acht aktiven Nacktbader: fast 70 Jahre.


Erst unter fünf Grad Wassertemperatur wird nicht gebadet

Ernst Kretschmann, zum Beispiel, ist mit seinen 77 Jahren einer der rührigsten unter den wetterfesten Sportlerinnen und Sportlern vom FKK-Strand. Allen gemeinsam ist eine gewisse Unerschrockenheit, eine gute Kondition und Sportlichkeit – und der fürsorgliche, ehrenamtliche Einsatz für den See übers ganze Jahr. Wenn im Winter das kühle Nass kälter wird als fünf Grad, wird abgebadet, sobald die Temperatur drüber geht, telefoniert man sich zum Anbaden zusammen, dieses Jahr also Mitte Januar.

Und bis dann im April, Mai die Temperaturen auch für Warmduscher verträglich werden, bleibt man am Nordstrand des hübschen Natursees weitgehend unter sich, erzählt Kretschmann. So oft es geht, verabrede sich der kleine Kreis, gut ausgestattet mit Glühwein und Leckereien, die gekocht oder gebacken wurden. Und dann werde – sehr erfahren und vorsichtig, oft mehrmals – geschwommen. Nicht nur kurz und bibbernd eingetaucht, betont er gutlaunig: "Wir tummeln uns richtig ordnungsgemäß im Wasser, schwimmen aber nur so 20 Meter raus, damit uns nicht vor lauter Wohligkeit doch unbemerkt die Unterkühlung packt."

Seit zehn Jahren gibt es das informelle Team am See – jeder von ihnen sei an bis zu 300 Tagen im Jahr dort, sagt Ernst Kretschmann, obschon nicht alle von ihnen in der Nähe wohnen. Gemeinsam hege und pflege man das Ufer und den liebgewonnenen See, der inzwischen fast ganzjährig "beschwimmbar" ist: Am 19. Dezember war bei 6,5 Grad im Wasser und 13 Grad an der Luft Abbaden angesagt.

"Wir sind einfach immer vor Ort und bekommen alles mit." Ernst Kretschmann
Als einstiger Banker war Ernst Kretschmann bei seinem See-Einsatz – eigentlich naheliegend – immer auch Bank-Hüter: Die Bänke werden bei Bedarf gemeinschaftlich aufgemöbelt, auch mit eingeworbenen Spendengeldern aufgestockt. Kretschmann hat als ehrenamtlicher Kümmerer einen kurzen Draht zum Garten- und Tiefbauamt: "Wir sind einfach immer vor Ort und bekommen alles mit." Gemeinsam kümmert man sich um alle Problemlagen, von den winzigen, lästigen Hochsommerzerkarien über die nervigen Nilgänse bis zu im See versenkten Schrottrollern und Quadrennen auf den Spazierwegen ringsherum: "Wir schwimmen nicht nur, sondern kümmern uns das ganze Jahr und tragen dazu bei, dass das hier ein kleines Paradies bleibt." Von See-Leuten wird Kretschmann auch scherzhaft "Bademeister" genannt. Er selbst findet übrigens 15 Grad seine Komforttemperatur, aber "auch fünf Grad sind gut!"