Nightlife-Guru: Michi Beck von den Fantastischen Vier im Waldsee

Nightlife-Guru

Wenn Michi Beck im Waldsee ist, gibt's Action - auch für unseren Nightlife-Guru! Er trifft eine einstige Beinahe-Affäre, wundert sich über Schwaben an der Bar und wird auf dem Rückweg von Jugendlichen angepöbelt:

 

Die Jungs an der Tür...

...kenne ich nicht, habe ich noch nie gesehen. Umgekehrt haben sie mich auch noch nie gesehen und kennen mich nicht. Deshalb macht es auch keinen Sinn, ihnen etwas von Gästeliste kraft Gewohnheitsrecht und dergleichen zu erzählen. Ich zahle acht Euro und bin drin.

Inneneinrichtung und Deko

"Heute keine Deko". Ein Beamer wirft diesen Satz auf die Wand am Eingang des Tanzsaals. Ein zweiter Beamer wirft diesen Satz auf den Vorhang, der den Barbereich von der Tanzfläche trennt. Nee. Kann nicht sein. Dieser Vorhang fehlte doch am Samstagabend. Oder hing er doch, und ich kann mich einfach nicht mehr erinnern? Nach dem Rave der Hirnschaden? Bloß nicht ins Grübeln kommen. Das macht es nur noch schlimmer. Deko im Waldsee machen Owald und Ernesto, seit es die Root Down gibt. Und das ist mittlerweile länger, als manch ein Partygänger alt ist.

Wer war da?

Ebensolche 18 Jahre alten Jungs und Mädels, und dann ist der Zeitstrahl nach oben offen. Im Fastdunkel des Raums erkenne ich den einen oder anderen Disc Jockey, der mal bei tageins, im Drifter's oder in der Jackson Pollock Bar aufgelegt hat. An der Bar treffe ich eine einstige Beinahe-Affäre. Wir sind beide nie konkret geworden, können uns aber heute noch in die Augen sehen. Dann: Gäste aus dem Elsass, der Ortenau und dem Dreiland. Was macht die Schweiz-Connection? Ist sicher auch da.



Draußen habe ich Autos mit merkwürdigen Kennzeichen gesehen. Kyffhäuser-Saale-Unstrut-Kreis, Nordlausitz-Spreewald-Kreis, Eifelkreis Bitburg-Prüm oder so. Von so weit reisen die Leute zu Rainer Trüby und Michi Beck an? Wieso eigentlich nicht. Ich fahre ja auch ins Robert Johnson nach Offenbach. Aus Stuttgart, der einstigen Heimat Trübys und Becks, sind sicher auch ein paar Gäste gekommen. An der Bar wird Schwäbisch g'schwätzt.

Party-Atmosphäre und Klangwaren-TÜV

Alice Smith, Love Endeavour, Maurice Fulton Remix. The RAH Band, Messages From The Stars. Chemise, She Can't Love You. Irgendein Edit. Twelve Inch Extended Bumpy Version oder so. Rainer Trüby steht am Mischpult, spielt Discoboogiecosmicfunk, seine Lieblingssongs, und achtet erstmal nicht auf Tanzflächenfunktionalität. A propos Tanzflächenfunktionalität: Wer dieses Wort erfunden hat, gehört hart bestraft. Ein guter Disc Jockey bringt die Crowd auch mit japanischem Fusionjazz oder experimentellen Electronica-Skizzen zum Ausrasten. Der Rest arrangiert Tech House-Loops. Dixons 99 Prozent.

Irgendwann, ich habe gerade ein neues Bier geholt, ist das Waldsee voll. Beck's Michi steht noch nicht an den Decks, und auf der Tanzfläche geht nur noch Engtanz. Dieser, bekannt auch als Deejot Hausmarke, spielt zunächst HipHop-Klassiker der Golden Era, aufgelockert mit ein wenig Boogiefunk der Achtzigerjahre und Beatbastlerkram von Kaytranada und dergleichen. Er trägt Baggy Pants, Sneakers und Snapback Cap. Er nimmt den Groove mit seinem Körper ab und verschmilzt mit Laptop, CDJs und Mischpult zu einer bouncenden Einheit. 46 - still going strong. Das will ich auch!



An der Bar

Ganter, Urtrunk, feine Sache das. Es läuft. Nur das mit der Bedienung läuft nicht ganz so rund. Man merkt einfach sofort, wenn Frank fehlt.

Aufheiterle

Es ist schon spät, als ich das Waldsee verlasse. Wie's so kommt, bekomme ich eine Taxifahrt nach Hause ausgegeben - und eine Einführung in die Freiburger Jazzgeschichte gibt's obendrein.

Aufregerle

Der Hinweg. Am Bertoldsbrunnen werde ich von Jugendlichen angepöbelt. Nachdem sie mit mir fertig sind, ziehen sie zu einer Gruppe junger Frauen und machen diese dumm an. Aus einer Gasse kommen weitere Kids, die - Überschwang oder Dummheit - ihre mitgebrachten Glasflaschen auf das Kopfsteinpflaster knallen. Nachtleben ohne Sperrzeiten, mit Drogen und Rumgehure - alles super. Aber diese Flaschenschmeißerkids sind unerträglich. Der KOD tut mir jetzt schon leid.

Auf dem Klo

Irgendwie kann ich heute nicht.

Fazit

Vor sechs Jahren habe ich einen der ersten Nachtberichte für fudder geschrieben. Damals spielte Richard Dorfmeister im Waldsee. Viele Partyreihen und -konzepte haben seither ihr Eintagsfliegenleben gelebt. Die Root Down gibt es immer noch. Ein, zwei Disc Jockeys, gute Musik, mehr braucht's doch nicht.

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Fotogalerie: Jakob Walter

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