Liebe in Zeiten von Corona: Dieses Paar feiert nun zweimal Hochzeitstag

Viola Priss

Martina und Lukas freuten sich über ein Jahr auf ihren großen Tag. Alles war vorbereitet, von Trauringen bis zur Tischdeko. Wie Corona die ursprünglichen Pläne zwar zerstörte, bessere aber erst ermöglichte, erzählt Martina auf fudder.

Seit Januar 2018 liefen die Vorbereitung für den Tag, der ihr großer Tag werden sollte. Der 2. Mai sollte es sein. Von dem Tag an würde in Martinas (27) und Lucas (31) Ausweis derselbe Nachname stehen. An diesem Tag wären sämtliche Freunde und Verwandte der beiden angereist, um zu feiern, was zusammengehört.


"Eigentlich konnte es gerade nicht besser laufen: Wir hatten die Vorbereitungen für unsere Hochzeit im Mai so gut wie abgeschlossen", beschreibt die 27-Jährige die Situation im März diesen Jahres. "Deko gebastelt, mit DJ und Fotograf alles abgesprochen, die Torte ausgesucht … und wir freuten uns einfach, dass wir ganz entspannt in die letzten Wochen vor dem großen Tag blicken konnten."
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Dann ging es für Martina auf den Junggesellinnenabschied. Ins Elsass, das damals einfach nur das Elsass war und nicht wenige Wochen später der Hotspot einer weltweiten Pandemie. "Eine Vorstellung, die heute schier undenkbar scheint", so beschreibt Martina die Situation. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Martina durfte nicht mehr arbeiten, das Elsass wurde zur Sperrzone erklärt. "Gut, dachte ich, dann eben Home Office, bis die zwei Wochen rum sind."

Die Quarantäne hatte sogar sein gutes, denn die beiden Lehrer, die sich während ihres Studiums in Freiburg kennengelernt haben, führen größtenteils eine Wochenendbeziehung. Lucas lebt und arbeitet in Freiburg, während Martina in Karlsruhe wohnt, in der Nähe ihres Arbeitsplatzes.

Aus Wochen werden Monate

Langsam sickerte aber die Ungewissheit durch, nicht nur die Medien, auch die Gäste wurden laut und vermehrt erreichten die beiden Nachfragen: "Klappt das überhaupt?" Ende März noch zuversichtlich, schwand dieses Gefühl mit jedem neuen Öffnen der Zeitung, bei jeder neuen Ansprache der Kanzlerin. Zwar blieb Lucas eisern zuversichtlich, zumindest Martina plagten aber zunehmend Fragen: "Was, wenn wir doch alles verschieben müssten? Würde es überhaupt noch freie Termine geben, an denen unsere Dienstleister und Gäste auch Zeit haben würden? Würden zusätzliche Kosten auf uns zukommen? Würde die ganze Vorfreude, die ganzen Vorbereitungen umsonst gewesen sein?" Aus beruflichen Gründen hatten die beide die Hochzeit ohnehin schon um ein Jahr verschoben. "Und nun das!", so Martina.
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"Als der Tag dann immer näher kam, wurde uns immer bewusster, dass die Hochzeit wahrscheinlich nur unter Einschränkungen stattfinden können würde. Aus anderen Bundesländern hörten wir, dass zum Beispiel Gästelisten ans Gesundheitsamt abgegeben werden sollten oder dass alle Masken tragen sollten – die Fotos wären so bestimmt lustig geworden." Damit hätte sich die junge Lehrerin womöglich noch angefreundet.

Wirklich zu schaffen machte ihr hingegen die permanente Ungewissheit, der Tag, auf den sie so lange hingefiebert hatte, könne platzen. Immerhin: Das Band der Beiden hielt auch diese Zeit der emotionalen Achterbahn auf engstem Raum aus. Und wurde dadurch noch fester. "Als endlich fest stand, dass es keine Hochzeit geben würde, war das fast eine Erleichterung." Einen Tag vor der standesamtlichen Hochzeit am 16. April wurde alles abgesagt. DJ, Torte, Gäste. "Und tatsächlich sind uns keine Extrakosten entstanden", erzählt Martina begeistert. "Sogar die geplanten Flitterwochen ließen sich verschieben."

So schlimm sie waren, waren die letzten zwei Monate für die beiden auch "eine tolle Zeit", wie sie sagen. Martina schwärmt: "Im kommenden Jahr werden wir sogar unmittelbar nach der Hochzeit nach Griechenland aufbrechen können", die allermeisten Gäste haben auch das Hochzeitsdatum für 2021 schon fest gebucht und genug Zeit frei zu
halten. "Und sowieso war am 2. Mai schlechtes Wetter", sagt Martina lachend.

Der Tag ihrer standesamtlichen Trauung wird den beiden ganz besonders im Gedächtnis bleiben. In ganz reduziertem Kreis der Brautzeugen und engsten Familie, auf Distanz und mit Mundschutz gaben sich die beiden in dieser verrückten Zeit das Ja-Wort. An ein anschließendes oppulentes Essen war nicht zu denken, dennoch lag ein ganz eigener Zauber über diesem Tag.

"Als wir das Standesamt verließen, trafen wir so viele Leute, die uns zujubelten!" Von Glückwünschen aus vorbeifahrenden Autos, einem spontanen Klingel-Rad-Corso einer Ausflugs-Radlergruppe bis hin zu Polizeibeamten, die die junge Braut anstrahlten und ihr zuriefen: "Endlich mal keine Hiobsbotschaft", sei einiges dabei gewesen.

Das Brautkleid wartet nun in seinem Studio, die Deko ist sicher auf dem Speicher verstaut. Die große zweite Hochzeit kann kommen, wenn die Welt wieder ruhiger geworden ist. Der zweite Mai steht nach wie vor eingraviert in ihren Ringen. "Wir hatten kurz überlegt, ob wir das ändern lassen sollen", räumt Martina ein, "aber dann haben wir es gelassen. Denn so haben wir streng genommen eben einfach zwei Hochzeitstage. Und ein ganzes Jahr voller Vorfreude."