Innovatives Bauprojekt

In Freiburg-Weingarten entsteht Deutschlands höchstes reines Holzhaus

Jelka Louisa Beule

Das Grundgerüst steht: Im Stadtteil Weingarten ist die Außenhülle des höchsten reinen Holzhauses in Deutschland fertig. Bezogen werden soll es nach und nach ab Sommer.

Pro Woche ist eine Etage des Achtstöckers Bugginger Straße 52 aus dem Boden gewachsen. Denn die Firma "Holzbau Bruno Kaiser" habe ganze Bauteile in ihrem Werk in Bernau komplett vorgefertigt und die bis zu 3,5 Tonnen schweren Stücke erst danach nach Freiburg transportiert, erläuterte der technische Geschäftsführer, Herbert Duttlinger, am Montag bei einer Online-Pressekonferenz. Obwohl es jetzt so schnell ging: Bis das 11-Millionen-Euro-Projekt ganz abgeschlossen ist, dauert es noch. Der Supermarkt im Erdgeschoss werde im Sommer kommenden Jahres eröffnet, die Kindertagesstätte im ersten Obergeschoss im Herbst 2021, und die darüber liegenden rund 30 Mietwohnungen seien Ende 2021 bezugsfertig, sagte Willi Sutter von der IG Klösterle als Bauherr.

Bis auf Erd- und Untergeschoss besteht das Gebäude komplett aus Holz – das gab es bislang in dieser Höhe nicht. Ein Gebäude in Heilbronn, das ebenfalls als "höchstes Holzhaus Deutschlands" beworben wird, hat zwar sogar zehn Stockwerke, aber ein Stahlbetontreppenhaus.

Als erstes Gebäude in Deutschland bekomme der Achtstöcker zudem eine Zertifizierung des "Forest Stewardship Council" (FSC), erläuterte Duttlinger: als Zeichen für nachhaltige Waldwirtschaft. Das Holz stamme weitestgehend aus der Region und zum Teil sogar aus dem Freiburger Stadtwald. Einziger Wermutstropfen im Vorzeigeprojekt: Die ursprünglich vorgesehenen ökologischen Dämmstoffe durften die Bauherren nicht einsetzen – aus Brandschutzgründen. Auch sonst sei der Genehmigungsprozess alles andere als einfach gewesen, berichteten alle Beteiligten. Neben der IG Klösterle und der "Holzbau Bruno Kaiser" gehören das Architekturbüro Weissenrieder und das Ingenieurbüro "Die Holzbauingenieure" zum Bauteam. Denn: "Wir haben in vielen Punkten absolutes Neuland betreten", sagte Willi Sutter. Brandschutz, Statik, Schallschutz: All dies waren Knackpunkte. Für das neue Gebäude am Else-Liefmann-Platz ist ein Pavillon abgerissen worden, in dem ein Rewe-Supermarkt untergebracht war.