Bachelor of Science

In Freiburg kann man bald Hebammenwissenschaft studieren

Marcia Hapig

Hebammen in Freiburger Hörsälen, das gibt es ab dem kommenden Wintersemester. Dann startet der Bachelor-Studiengang "Hebammenwissenschaft" an der Uni. Von fachschulisch zu hochschulisch, funktioniert das?

"Es ist nicht egal, wie wir geboren werden." Mit diesem Satz tritt Michel Odent, französischer Arzt und Geburtshelfer, in den 80er Jahren die Revolution gegen die bisherigen Umstände an, unter denen Kinder auf die Welt gebracht werden. Weg von Brutalität und Respektlosigkeit, hin zu einer "sanften Geburt".

Vergleichbare "Pionierarbeit" in diesem Bereich will ab dem kommenden Wintersemester die Universität Freiburg in enger Kooperation mit der Uniklinik Freiburg leisten – der duale Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft geht an den Start.

Steigerung der Qualität wird angestrebt

In Deutschland sind etwa 25.000 Geburtshelfer beschäftigt (Stand 2018), im Vergleich zu rund 400.000 Ärzten und 1,7 Millionen Pflegekräften. Wie ungemein wichtig die Arbeit der Hebammen vor, während und nach der Geburt für Kind und Mutter ist, bleibt oft unterschätzt. "Die Hebammenausbildung als Studium macht den Beruf attraktiver. Mit dem Ausbau der Studienplätze der Hebammenwissenschaft leisten wir daher einen entscheidenden Beitrag, um auch langfristig eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe im ganzen Land sicherzustellen", so Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Sie sieht in der engen Verbindung von Forschung und Lehre die Möglichkeit, die Qualität von Ausbildung und Praxis im Hebammenberuf deutlich zu steigern.

"Forschung für Schwangere statt über Schwangere." Christiane Kugler, Direktorin des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Freiburg
Insgesamt 35 Studienanfänger steht demnach ein Platz an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg offen, um in 7 Semestern Regelstudienzeit reflektiertes, geburtshilfliches Handeln auf wissenschaftlichem Niveau in der individuellen Versorgung von Schwangeren, Gebärenden, Wöchnerinnen und Neugeborenen zu erlernen. "Es geht darum, aktuelle Forschungsergebnisse in die Praxis implementieren zu können, sowie um Präventionsarbeit, also Mutter und Kind von Anfang an gesund zu erhalten", sagt Luise Lengler. Sie ist Lehrerin im Hebammenwesen und seit 2017 an der Uniklinik Freiburg beschäftigt.

Gleichzeitig soll das Berufsbild entwicklungsfähig werden und durch die wissenschaftliche Ausrichtung neue Perspektiven für Hebammen eröffnen. So beschreibt Christiane Kugler, Direktorin des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Freiburg den neuen Studiengang als "Forschung für Schwangere statt über Schwangere", indem die Geburtshilfe nicht länger als Teilbereich der Medizin angesehen wird, sondern ein eigenes Profil in der Forschung einnimmt.

Auch bereits ausgebildete Hebammen sollen zukünftig mehr Chancen auf Weiterbildung erhalten. So ist der Master Pflegewissenschaften in Freiburg bereits für Ausgebildete geöffnet.

Tübingen gilt als Vorreiter

Als Vorreiter hat die Medizinische Fakultät der Universität Tübingen den dualprimärqualifizierenden Bachelorstudiengang der Hebammenwissenschaft bereits im Wintersemester 2018/2019 eingeführt und voriges Jahr reformiert. Mittlerweile können dort 60 Studierende aufgenommen, und auf die komplexen Veränderungen in Behandlung, Versorgung und Therapieform vorbereitet werden.
"Die Medizin der Zukunft ist interprofessionell", so Prof. Dr. med. Ingo B. Autenrieth, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen, die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe sei längst überfällig – nicht zuletzt, um mehr junge und ambitionierte Abiturienten mit großem Interesse an gesundheitlichen, medizinischen und pflegerischen Themen für den Berufszweig zu gewinnen.

Obwohl die Geburtshilfe in Deutschland in Bezug auf die Kinder- und Müttersterblichkeit bereits zu den sichersten der Welt zählt, gilt es, sich fortwährend weiter zu entwickeln, an neue Anforderungen anzupassen und bereits bekannte Vorgänge zu optimieren. Wissenschaftsministerin Bauer begrüßt die Etablierung der Studiengänge Hebammenwissenschaft vor allem auf Grundlage der zwischenmenschlichen Bedeutung dieses Berufes: "Sowohl in der Pflege als auch im Hebammenwesen geht es darum, Menschen in Situationen zu begleiten, in denen sie häufig außergewöhnliche und tiefgreifende Erfahrungen machen. Es sind Momente, in denen Menschen bewusst wird, dass es Situationen gibt, in denen man sich auf andere verlassen muss."
Wer mehr über das neue Studienangebot erfahren möchte, wendet sich am besten an Frau Larissa Forster (larissa.forster@uniklinik-freiburg.de).

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