RTL-Kuppel-Show

"Fame und dann Adios Muchachos": Was Kandidatinnen dazu bewegt, beim "Bachelor" mitzumachen

Peter Disch

RTL hat die erste Folge der neuen Staffel der Kuppelshow "Bachelor" gezeigt – und die Freiburger Kandidatin Vanessa Guida hat gleich klar gemacht, warum sie dabei ist. Um die Liebe geht es dabei weniger.

Ach, die ewige Liebe. Von vielen ersehnt und doch so schwer zu finden. Wer früher niemanden in der Tanzstunde oder am Arbeitsplatz kennenlernte, gab eine Kleinanzeige auf oder schaltete einen Heiratsvermittler ein. Heute gibt es Apps wie Tinder, internetbasierte Partnervermittlungen oder Fernseh-Datingshows wie den "Bachelor" und seine Ableger.


RTL zeigt die zehnte Staffel der deutschen Ausgabe seit Mittwoch. Das in den USA entwickelte Format ist simpel: In einer edlen Villa an einem möglichst sonnenverwöhnten Fernreiseziel werden einem möglichst gut gebauten Junggesellen 22 Frauen zugeführt, die dem traditionellen Schönheitsideal entsprechen – Busen, Beine, Bikinifigur –, als hätte es #MeToo nie gegeben.

Die Sendezeit wird mit mehr, meistens minder ergiebigen Gesprächen und amourösen Treffen vor Postkarten-Kulissen gefüllt. Am Ende einer jeden Episode verteilt der Hahn im Korb rote Rosen. Wer keine erhält, ist raus. Wer in der finalen Folge noch dabei ist und die letzte Langstielige in Empfang nehmen darf, kann mit dem Hahn im Korb den Rest seines Lebens verbringen. Meist bleibt es bei einem Bruchteil desselben. Aber die Liebe ist kein Wunschkonzert. Und eine Fernsehshow nicht das wahre Leben.

"Ich hoffe, ich kann hier noch einfach ein, zwei Wochen chillen. Dann kann ich mich ,fame‘ machen und dann ,Adios Muchachos‘." Vanessa Guida
Womit wir bei Vanessa Guida wären. Die 26-Jährige ist eine von zwei der aktuellen Kandidatinnen, die aus Freiburg stammen. Blöd, dass es vor der Haustür, sagt sie im Interview mit der Badischen Zeitung, "keine guten Männer" gibt. Offenbar ist München auch nicht besser. Von dort stammt der aktuelle Bachelor Sebastian Preuss. Der ist 29, Kickbox-Weltmeister und Maler mit eigenem Betrieb. Oder wie es die Kandidatin Diana, Journalistik-Studentin aus Köln, nach dem Kennenlernen vor dem Luxusdomizil in Mexiko mit Verweis auf ihr Beuteschema formuliert: groß, blond, deutsch, Babyface.

Vanessa Guida dagegen ist nicht so beeindruckt. "Er isch schön. Aber nicht geil. Er isch nicht interessant." Kurz davor ist der Satz gefallen, der viel darüber aussagt, warum es nicht an Kandidatinnen und Kandidaten für die Kuppel- und Realityshows mangelt, mit denen die kommerziellen Sender ihr Programm füllen. In schönstem Handynutzer-Pidgin-Denglisch erklärt Guida der anderen Freiburgerin, der volltätowierten Jenny Schneider, ihre weitere Taktik: "Ich hoffe, der will auch gar kein Date mit mir. Ich hoffe, ich kann hier noch einfach ein, zwei Wochen chillen. Dann kann ich mich ,fame‘ machen und dann ,Adios Muchachos‘. Das wäre mein Dream. Ich mache keinen Scherz, ich bin echt nicht traurig drum, wenn ich gehe. Überhaupt gar nicht. Ich will nur in der Villa für Einschaltquoten bleiben, das ist genau mein Ding."

Die Freiburgerin hat ehrlich gesagt, dass sie durch die Sendung Karriere machen will

Noch am Abend der Ausstrahlung der Premierenfolge prangert die Bild-Zeitung die "Liebeslüge beim Bachelor" an. Dabei hat die Freiburgerin vor laufenden Kameras einfach nur ehrlich gesagt, dass ein beträchtlicher Teil ihrer Motivation aus der Hoffnung resultiert, als Influencer oder Internet-Personality Karriere zu machen – und damit dürfte sie nicht alleine sein.



Bevorzugte Plattform für dieses Geschäftsmodell ist der Onlinedienst Instagram. Dort lassen sich Fotos und Videos teilen – und damit auch Werbung. Je mehr Menschen erreicht werden können, desto besser zahlen Unternehmen. Als Faustformel des Preises für einen Instagram-Post nennt die Fachzeitschrift Werben & Verkaufen zwei bis zehn Euro pro 1000 Abonnenten. Bei sechsstelligen Followerzahlen und entsprechender Frequenz kommen da monatlich Summen zusammen, die je nach Marktwert und Veranstaltungsgeschick schnell fünfstellig werden können.

Ein Stück des Kuchens abbekommen, der beim Influencer-Marketing verteilt wird

Realityshows wie der "Bachelor" und sind ein Sprungbrett, um ein Stück des Kuchens abzubekommen, der beim Influencer-Marketing verteilt wird. Vorjahres-Bachelor Andrej Mangold steigerte seine Followerzahlen nach Angaben des Branchenblatts Horizont im Januar 2019 um 160 Prozent. Heute hat er 321.000 Follower. Ihnen empfahl er in den vergangenen Woche Schallzahnbürsten, nahm für eine Krankenkasse ein Fitnessvideo auf und zeigte die "DIY Würfelleuchte", die er beim Event einer Baumarktkette fürs Weihnachtswichteln gebastelt hat – alles selbstverständlich gegen Bezahlung. Seine beim "Bachelor" gekürte Partnerin Jennifer Lange steigerte ihre Abonnentenzahl nach dem Finale um 402 Prozent und steht derzeit bei 310.000 Followern.

Dieses Traumpaar der Datingshows dürfte es finanziell erst mal geschafft haben. Ob es Vanessa Guida auch so weit schafft? Stand Donnerstag, 19 Uhr, folgten ihr auf Instagram 1390 Menschen. Damit liegt sie unter der Wahrnehmungsgrenze der im Netz Werbenden. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Neun weitere Folgen lang.