Digitalkameraverweigerer stellen in Freiburg ihre Fotos aus

Daniel Laufer

Für manche sind sie Nostalgiker, für andere Fortschrittsfeinde: Menschen, die heute noch mit Analogkameras fotografieren. Als Vereinigung für Digitalkameraverweigerer stellen sie ihre Werke ab Freitag in Freiburg aus. Worum es ihnen geht, erzählt Organisatorin Federica Degay im Interview:


[Foto: "Langer Schatten" von Volkmar Schelle]

Was ist der Vorteil der analogen Fotografie gegenüber der digitalen?

Federica Degay: Einen objektiven Vorteil gibt es nicht. Viele Analogfotografen haben einfach Spaß an diesen alten Kameras und der wunderbaren Technik, die da drinsteckt. Auch das Entwickeln macht Spaß, die Erfahrung in der Dunkelkammer. Wenn man sieht, wie in der Entwicklungsschale auf Papier ein Bild entsteht, wenn man merkt, dass man das das stoppen kann, wenn man will und dass man verschiedene Effekte erzielen kann... Das ist ein magischer Moment.

Bei der Analogfotografie findet eine Entschleunigung statt. Man geht anders ran, man überlegt lange, bevor man ein Foto macht, lässt sich Zeit und kommt dann vielleicht zu einer anderen Tageszeit noch mal zum Motiv zurück, wenn das Licht besser ist. Man versucht, es gleich perfekt hinzukriegen – in dem Moment, in dem man abdrückt.

Warum fotografieren Sie selbst nur mit einer Analogkamera?

Das, was ich ausdrücken will, kann ich nur mit der analogen Technik ausdrücken. Ich habe zwar auch digitaler Fotografie ausprobiert, aber ich finde die Aufnahmen zu hart. Die analoge Fotografie hat eine subtilere Ausstrahlung und für das, was ich mache, brauche ich die. Das Ergebnis ist dann nicht so scharf, vielleicht auch nicht so perfekt – aber es ist wärmer.

Bekommt man das alles aber nicht auch mit digitaler Fotografie hin? Es gibt ja schließlich Bildbearbeitungsprogramme.

Das will ich nicht ganz ausschließen, weil ich nicht alles versucht habe. Für das, was ich ausdrücken will, brauche ich aber echten Film.

Was wollen Sie denn ausdrücken?

Ich will Momente und Stimmungen festhalten. Abstrakte Fotografie oder Architektur sind zum Beispiel nicht mein Ding. Mich interessiert die Darstellung von Menschen in der Landschaft oder einem bestimmten Rahmen. Das können auch Details sein – vielleicht eine Hand oder ein Bild von hinten.

Die analogen Kameras haben sich mit der Zeit stark verbessert. Sind Digitalkameras da nicht einfach der nächste Schritt?

Digitalkameraverweigerer heißt ja nicht Digitaltechnikverweigerer. Es gibt auch Bilder, die auf Film aufgenommen wurden, bei denen die Abzüge aber ohne Laborschale entstanden sind. Das ist dann ja auch Digitaltechnik.

Was genau ist die Vereinigung für Digitalkameraverweigerer?

Sie ist ein Versuch, diese analogen Kameras weiterleben zu lassen. Die Vereinigung gibt es seit 2006. Das war die Zeit, in der die Digitalfotografie im Siegeszug war. Man hatte damals den Eindruck, die analoge Fotografie würde verschwinden. Die Vereinigung haben Leute gegründet, die der Meinung waren, dass die analoge Fotografie noch eine Zukunft hat.

Wie hat die Öffentlichkeit auf Sie reagiert?

In der Anfangszeit griff man uns im Netz an. Man kennt ja zum Beispiel Kriegsdienstverweigerer, aber Digitalkameraverweigerer? Das klang wie ein Witz. Natürlich ist der Name eine Provokation – das war so gewollt. Inzwischen hat sich die Sache entspannt. Viele, die digital fotografiert haben, entdecken die analoge Fotografie jetzt wieder. Auch viele unserer Leute wiederum fotografieren inzwischen digital.

Unsere Ausstellung ist ja keine Kampfansage an die Digitalfotografie. Wir wollen zeigen, was man mit analoger Fotografie machen kann.

Was erwartet die Besucher der Ausstellung?

Wir werden Bilder ausstellen, die mit sehr unterschiedlichen Kameras gemacht wurden, nicht nur mit klassischen Kleinbild- oder Mittelformatkameras, sondern auch mit einer Lochkamera, einer Panoramakamera und einer chinesischen Plastikkamera. Diese Fotos sind dann sehr speziell.

Manche davon sind außerdem in speziellen Verfahren gedruckt, das nennt man dann Edeldruckverfahren. Möglicherweise kann man diesen Effekt auch mit Photoshop hinkriegen. Wir haben das aber alles handgemacht.

17 Fotografen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich angekündigt, manche mit zwei, andere mit fünf Fotos – es werden jedenfalls eine ganze Menge sein. Die jüngste Künstlerin ist 21, der älteste 68 Jahre alt.

Zur Person

Federica Degay fotografiert seit 2003. Vor fünf Jahren ist sie der Vereinigung für Digitalkameraverweigerer beigetreten. Sie lebt in Freiburg und organisiert in diesem Jahr die Ausstellung.

Was: Jahresausstellung der Vereinigung für Digitalkameraverweigerer
Wann: 12. September 2014, 20 Uhr (Vernissage)
Wo: Glashaus, Maria-von-Rudloff-Platz 2, Rieselfeld
Eintritt: kostenlos

Öffnungszeiten

14. September bis 17. Oktober 2014

Dienstag bis Freitag: 9.00 bis 18.00 Uhr
Sonntag, 14. September: von 14.00 bis 18.00 Uhr
Sonntag, 21. September: von 14.00 bis 18.00 Uhr

Mehr dazu:

 
Foto-Galerie: Federica Degay, Jana Dillo, Hanspeter Gasser, Volkmar Schelle

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.