Club der Freunde

Selbstversuch

Oben ohne an der Dreisam entlang – denn Männer können das ja auch

Maryline Boudot findet es ungerecht, dass sie ihre Brust in der Öffentlichkeit nicht zeigen soll – Männer tun das im Sommer schließlich selbstverständlich. Deshalb ist sie oben ohne die Dreisam abgefahren.

Soll ich das wirklich machen? Will ich mich vor aller Augen entblößen? Am Abend vor meinem Selbstversuch überkommen mich große Zweifel. Allein die Vorstellung lässt mein Herz rasen, innerlich werde ich immer unruhiger. Und ich male mir bereits die sexistischen Äußerungen aus, denen ich mich ausliefere. Alles nur, weil ich etwas machen möchte, was für Männer selbstverständlich und für Frauen immer noch ein Tabu ist: Oben ohne Fahrrad fahren.
"Oh krass, hast du die gesehen!" Der nächste Tag zeigt sich unverschämt sonnig. Es ist Muttertag und erstmals heiß in diesem Jahr. Um 13 Uhr stehe ich auf der Brücke beim E-Werk, dem Startpunkt meines Experiments. Nur die Fahrradrampe trennt mich noch davon, Freiburgs bekannteste Radfahrerin zu werden. Ohne viel nachzudenken, ziehe ich mein T-Shirt aus, stopfe es in meine Fahrradtasche und radle los. Vor diesem Moment hatte ich mich zuvor am meisten gefürchtet.
Mein Antrieb, die Menschen mit dem Tabu meiner wackelnden Brüste auf dem Fahrrad zu konfrontieren, hat meine Sorgen letztlich übertroffen. Trotzdem behalte ich meine Sonnenbrille während der Fahrt auf, denn ich fühle mich damit sicherer und geschützter vor den Blicken. Außerdem begleitet mich meine Freundin Ruth. Sie fährt ein Stück hinter mir, um den Kommentaren und Unterhaltungen der Freiburgerinnen und Freiburger zu lauschen.
Die Blicke bleiben auf den ersten Metern jedenfalls aus. Auf dieser Höhe der Dreisam gehen wenige Menschen spazieren, der Weg ist eng. Daher bleiben auch die Radfahrerinnen und Radfahrer mit den Augen auf der Strecke. Doch keine große Sache als Frau oben ohne Rad zu fahren? Ich sollte mich täuschen.
Als wir uns der Innenstadt nähern, öffnet sich der Dreisam-Ufer-Weg, auf den Wiesen tummeln sich viele Grüppchen, die es sich auf ihren Decken bequem gemacht haben. Durch das Schutzschild meiner Sonnenbrille mustere ich die Menschen und beobachte, dass mich immer mehr ...

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