Single-Release

Die Freiburger Rapperin Julia Mikulec startet ihr erstes Soloprojekt "Juweel"

Anna Castro Kösel

Die 25-jährige Julia Mikulec ist Sängerin und Rapperin. Am heutigen Freitag erscheint die erste Single der gebürtigen Französin. fudder hat mit ihr über ihre Musik und die Höhen und Tiefen einer vielbeschäftigten Rapperin gesprochen.

Julia, was ist das für ein Gefühl, die erste eigene Single herauszubringen?

Sehr spannend. Ich habe auch eine Band "Liner Notes" – mit der haben wir letztes Jahr zusammen ein Album herausgebracht. Jetzt alles zu organisieren, als Solo-Künstlerin, ist für mich ein großer Traum.

In deinem Song "C’est fini" geht es um eine toxische Beziehung, die zu Ende ist. Du singst auf Französisch, dein Feature P. dasoul auf Deutsch. Warum dieses Thema?

Durch den Song konnte ich meine Gefühle verarbeiten. Meiner Meinung nach ist Musik dazu da, seine Gefühle raus zu lassen. Der Song ist aber auch ironisch gepolt. Es geht nicht darum, dem anderen die Schuld am Scheitern der Beziehung zu geben und zu sagen: "Oh mein Gott, die Beziehung war so schlimm", sondern zu feiern, dass man jetzt mehr Zeit für sich und seine Bedürfnisse hat. Es geht darum, positiv an die Sache heran zu gehen und dem anderen sogar zu danken, dass die Person einem gezeigt hat, wie es nicht sein sollte, es aber wichtig war, diese Erfahrung zu machen.

Die Rapszene ist noch sehr männlich dominiert. Wie findest du dich als Rapperin darin zu recht?

Es ist mal positiv, mal negativ. Dadurch, dass es immer noch sehr viele Rapper gibt, traut man sich als Frau unterbewusst weniger. Im April werde ich aber die Battle-Rap-Veranstaltung Rap Anker im Artik zusammen mit P.dasoul eröffnen. Davor habe ich sehr viel Respekt, aber ich freue mich total darauf.

Gibt es positive Entwicklungen, was die weibliche Rapszene angeht?

Ja, auf jeden Fall! Zur Zeit bewegt sich international sowie lokal sehr viel. Gerade werden es immer mehr Frauen in der Rapszene. Auch dank neuen Vorbildern wie Cardi B ist es wieder cool, als Frau Rap zu machen. Durch das Festival "Rap Fatal" in Freiburg, das für Frauen organisiert wird, sieht es auch hier gerade gut aus, was mich sehr freut.

"Dadurch, dass es immer noch sehr viele Rapper gibt, traut man sich als Frau unterbewusst weniger."

Du arbeitest nebenher als Gesangslehrerin, machst Projekte an Schulen, promotest deine Single und gründest nebenbei mit Freundinnen noch ein Plattenlabel. Wie schaffst du es, alles unter einen Hut zu bringen?

Gute Frage (lacht). Natürlich habe ich sehr viel zu tun, aber das ist nicht schlimm für mich, weil ich ja das tue, was mir Spaß macht und mir wichtig ist. Ich schreibe gerade zum Beispiel mit einer Klasse am Deutsch-Französischen Gymnasium einen Song über Nachhaltigkeit und sehe darin eine Möglichkeit, etwas in meinem Bereich zu bewegen. Es macht mir nichts aus, noch um zwei Uhr nachts neue Songs zu schreiben.

"Für mich persönlich ist Angst das schlimmste Wort."

Im Mai möchtest du nach Berlin ziehen. Wieso?

Zuerst dachte ich, ich bleibe in Freiburg. Aber als ich letztes Jahr in Berlin war, habe ich spontan entschieden, dass ich es in Berlin versuchen will. Ich dachte mir, wenn ich es jetzt nicht mache, werde ich es irgendwann bereuen. Es kann sein, dass es in Berlin schwieriger wird, gesehen zu werden, andererseits hat man auch eine richtige Szene, wo man sich ausleben kann. Das fehlt mir in Freiburg.

Als Rapperin braucht es immer wieder Mut, sich zu zeigen und Herausforderungen zu stellen. Was gehst du damit um?

Für mich persönlich ist Angst das schlimmste Wort. Denken ist gut, aber einfach machen ist besser. Für mich ist der Sinn des Lebens, Dinge zu tun, die einem wichtig sind. Angst hält einen nur davon ab, etwas zu bewegen.

Julia Mikulec ist 25 Jahre alt und in Frankreich, nahe Genf, geboren. Seit 2013 lebt sie in Freiburg und hat letztes Jahr an der Macromedia Freiburg ihr Musikstudium erfolgreich abgeschlossen. Jetzt arbeitet sie als Gesangslehrerin und leitet soziale und musikalische Projekte an Freiburger Schulen, wie dem Deutsch-Französichen Gymnasium und der Albert Schweizer Schule II. Mit zwei Freundinnen baut sie derzeit eine neue Plattenfirma auf und singt und rappt außerdem in der Band "Liner Notes". 2019 brachten sie ihr erstes Album "The Struggle and the Love heraus.

Im Mai möchte Julia nach Berlin ziehen und sich dort voll und ganz ihrer Musikkarriere widmen. Ihrer Single soll eine kleine EP folgen.