Die Ermittlungs-Highlights der Geschmackspolizei

Carolin Buchheim

Vergangenen Freitag stellte die Geschmackspolizei Freiburg in der Mensa Bar aktuelle Ermittlungsergebnisse aus dem Bereich des Geschmacksverbrechens vor. Als WarmUp hielt der Bamberger Autor und Künstler Frank Apunkt Schneider zuvor einen erhellenden Vortrag zum Thema Sakropop. fudder-Autorin Caro war dabei und hat Euch eine kleine Galerie der besten Sakropop-Cover mitgebracht und die GeschmPoErmittlungs-Highlights für Euch notiert. Musik, so schrecklich, dass man nicht glauben mag, dass für sie Vinyl verschwendet wurde.



Karl & Kärlchen: Ich muß Pipi, Papa!

Ein Song, bei dem man sich für Kärlchen fremdschämt, denn der Titel ist Programm.
Vater Karl singt darüber, dass Freizeitaktivitäten mit seinem Sohn Kärlchen durch dessen ständigen Harndrang beeinträchtigt werden. Kärlchen, heuer sicher lange erwachsen, ist sicher immer noch Bettnässser, weil er nie darüber hinweg gekommen ist, dass seine Uriniergewohnheiten von seinem Vater derart in die Öffentichkeit gezogen wurden. "Was dabei rausgelassen wird, ist zwar nicht Scheisse, aber…." kommentierte die Geschmackspolizei diesen Track. Zu recht.



Hübi: Schwarz, Rot, Blond und schnuckelig

Die Entstehung eines Genres. Des Liebeslied an den Wehrdienst-Genres.

"Liebes Deutschland, ich steh' auf Dich, ich geh' 1 ½ Jahr mit Dir, bitte sei nicht so grob mit mir!"

Ein Genre, so grausig, dass es sprachlos macht. Vollständige Lyrics

Beatle Barkers: Love me Do

Man sollte denken, dass Beatles Songs nur mit großem Aufwand so richtig schrecklich entstellt werden könnten. Aber: Falsch gedacht! Man lasse ihn einfach von Hunden und Schafen Bellen beziehungsweise blöken, und: fertig. Die Beatle Barkers tun das angeblich regelmäßig. Da wird selbst der gutmütigste Veganer zum Tierfeind. Weblink & Hörsamples

Doktor Ammondt: The Legend Lives Forever in Latin

Doktor Ammondt ist ein Sprachwissenschaftler an der Universität von Jyväskylä, Finnland. Dort scheint es noch keinen Leistungsdruck im modernen Bildungsbetrieb zu geben. Der Herr Doktor scheint von seinem Beruf nicht ausreichend in Anspruch genommen zu werden, denn er verfügt über genügend Freizeit, um moderne Musik ins Lateinische und Sumerische (!) zu übertragen.
Mittlerweile hat er diverse CDs dieser Art aufgenommen, und posiert auf deren Covern entweder als nachdenklicher Intellektueller oder halbnackt in Toga. In seinem Gesamtwerk findet sich auch eine CD mit Elvis-Songs auf Latein. Die Welt brauchte nun mal ganz dringend Tracks wie 'Tedere me ama' und 'Nunc hic aut numquam'!
Aber: Lateinkenntnisse können sich auch lohnen! Geschmackspolizei-Zuschauer Thomas identifizierte im Rahmen des Elvis-Quiz  den Song 'Cor ligneaum' und ist seitdem stolzer Besitzer eines Brunner & Brunner Puzzles mit 500 Teilen. Website

Kurt Dehn: En echter Pfälzer racht ken Hasch

Kurt Dehn aus Bad Dürkheim ist ein notorischer Wiederholungstäter diverser Geschmacksverbrechen und dieser Track ist ein Klassiker der geschmackspolizeilichen Ermittlungen. Trotz der Eingangsermahnungen, dass von Applaus, Schunkeln und Mitsingen auf Grund der Ernsthaftigkeit des Themas abzusehen sei, wurde bei diesem letzten Track nicht nur gelacht, sondern auch mitgesungen.Wikipedia &
 


Der Journalist (Intro, testcard) und Künstler (monochrom) Frank Apunkt Schneider aus Bamberg hielt zuvor einen Vortrag zum Thema Sakropop: ""Bei der Verwendung einer Beatband auf die Gemeinde und die Lautstärke Rücksicht nehmen! - Eine kleine Kaffeefahrt durch den deutschen Sakropop unter fachlich-seelsorgerischer Begleitung."

Sakropop? Sakropop! Dieser Fachterminus bezeichnet nicht etwa den religiös angehauchten Pop von Xavier Naidoo, Daniel Benjamin und Konsorten, sondern den herrlich verkrampften Wannabe-Beat-Rock-Sonstwas-Pop, der innerhalb der Amtskirchen von den späten 50ern bis weit in die 80er Jahre entstand.

"Danke für diesen guten Morgen, Danke für jeden neuen Tag, Danke, dass ich all' meine Sorgen auf Dich werfen mag" - Den Track Danke, dessen Text und Musik aus der Feder des Freiburgers Martin Gotthard Schneider stammt und den der Botho Lucas-Chor interpretiert hat, kennt so ziemlich jeder, der in den 80er Jahren einmal eine Kirche betreten hat, und dieser Song ist Sakropop. Harmloser Sakropop zwar, aber ja, Sakropop.

Frank Apunkt Schneider ist ein echter Fan dieses zu Unrecht völlig vernachlässigten Genres. "Ich kauf' die Platten auf dem Flohmarkt, und die sind alle ungehört! Ich bin der Erste, der sie wirklich zu schätzen weiß!" erklärte er.

Und er hatte sie alle dabei, die wahren Knaller des Sakropop. Angefangen beim harmlosen Pater-Chanson über Avantgarde-Rock mit Jesus-Themen und Wüsten-Bildern bis hin zum wunderbaren, beinah sozialistischen Beat-Track 'Die Löterin'.
Absolutes Highlight war der Song 'Die Party' von Pater Jansen, der schildert, dass Jesus eine Party mit Sperrmüllmöbeln, Wein, Bier, Hasch und 'anderen scharfen Sachen' veranstaltet.
Sakropop: Musik im Spannungsfeld zwischen Uncoolness und religiösem Dogma.

Insgesamt: Ein unterhaltsamer Abend!

 

Mehr dazu:


fm4 Grenzfurthner:
Das Genre Sakropop
Wikipedia: Sakropop
Monochrom: Sakropop Sampler mit Online Hörbeispielen