KG IV

Der Fachschafts-Kaffee darf nicht sterben!

Maria-Xenia Hardt

Solange die meisten denken können, gab es im KG IV Kaffee und Kekse, Klatsch umsonst dazu und niederschwellige Hilfe, doch jetzt soll der Fachschaftskaffee eingestellt werden, weil die Theke nicht brandschutz-konform ist. Das geht nicht! Eine nostalgische Polemik.

Es ist kurz nach eins, der Bauch mit Mensa-Essen gut gefüllt, und bis zum nächsten Seminar um 14.15 Uhr bleibt noch reichlich Zeit. Ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, wird im Automatik-Modus den Kaffee-Ausschank im KG IV angesteuert. Hier gibt es den stärksten und billigsten Kaffee der Stadt, 50 Cent die Tasse, dazu einen veganen Doppelkeks. Mit etwas Glück ist eines der schwarzen Sofas noch frei, oder es ist draußen schön.


Diese Szene hat sich während meines Studiums hundert- und tausendfach abgespielt. Bei einer Tasse Kaffee – oder auch zwei – haben wir aktuellen Gossip ebenso besprochen wie Ideen für Hausarbeiten. Hier wurden meine Freundschaften erst so richtig in Stein gemeißelt. Auch Flyer für Fachschafs-Partys gab es hier und, einmal im zweiten Semester, einen Flyer zu einem Info-Abend fürs Auslandsstudium, ohne den ich die Deadline für ein lukratives Stipendium garantiert verpasst hätte.
"Irgendwo hatten die Fachschaften wohl ein Waschbecken."

Damals, in meinem ersten Jahr an der Uni 2010-11 (ja, jetzt kommt der Teil dieses Texts, in dem Oma vom Krieg erzählt), da gab es die dunkelrote Theke mit all ihren Annehmlichkeiten – zum Beispiel einen Anschluss mit fließendem Wasser und ein Spülbecken – noch gar nicht. Damals wurden benutzte Tassen in bunten Plastik-Spülschüsseln sonst wohin abtransportiert, irgendwo hatten die Fachschaften wohl ein Waschbecken. Wasser für die Kaffeemaschinen, die an ein Gewirr an Mehrfachsteckdosen angeschlossen waren, kamen auch aus einer unbekannten Quelle. Es waren abenteuerliche Zeiten und der Kabelsalat damals, ja, das sehe ich ein, der war brandschutztechnisch garantiert nicht optimal.

Es geht nicht nur um Kaffee

Aber die hochmoderne Theke – eine Sonderanfertigung, die 2011 für mehrere tausend Euro angeschafft wurde – da fällt es mir schwer nachzuvollziehen, was genau da das Problem ist.
Natürlich halte ich es mit der Fachschaft Politik, die auf ihrer Facebookseite schreibt: "Wir sind sicherlich keine Baubehörde und nur oberflächlich mit der Materie um Brandschutz, Bauverordnungen etc. vertraut." ABER: Es geht einfach nicht an, dass dieser riesige Teil des alltäglichen Studi-Lebens einfach so eingestampft wird, schon gar nicht inmitten einer Pandemie, sodass es ja nicht zu viele mitbekommen und die Organisation eines Protests schwierig bis unmöglich ist. Ich bin nicht mehr an der Uni, und mein letzter Fachschafts-Kaffee ist schon ein paar Jährchen her, aber mein Herz blutet, wenn ich lesen muss, dass so ein wichtiger Pfeiler der studentischen Selbstverwaltung ersatzlos (!) zerstört werden soll. Vielleicht denken jetzt einige: "Es ist doch nur Kaffee." Aber das ist es eben nicht. An den Kaffeetassen haben wir uns festgehalten in den stürmischen Zeiten unserer Zwanziger, und der Inhalt hat uns durch den restlichen Tag gebracht.

In einem alten fudder-Artikel, den anno dazumal ein Kollege zur Eröffnung der Theke geschrieben hat, wird über eine sagenumwobene Protest-Aktion berichtet, die zu einer Zeit stattfand, zu der sogar ich noch im Kindergarten war: "Gerüchten zu Folge parierte die Fachschaft Politik einen Verbotsversuch in den neunziger Jahren mit einem Nacktkaffeeverkauf – und siegte."

Ich will ja niemanden zu unzüchtigem Verhalten aufrufen, aber vielleicht ist es mal wieder an der Zeit für einen Guerilla-Kaffee-Verkauf. Ich würde vorbeikommen, auf eine Tasse und einen Doppelkeks. Und ich merke an dieser Stelle sicherheitshalber gleich noch an, dass ein Nacktverkauf natürlich nicht in Frage kommt, denn: Maskenpflicht!

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