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Der Busreisen-Knigge: So verhält man sich im Reisebus richtig

Ulrike Ott

Busreisen sind unkompliziert und machen Spaß. Aber auch im und am Bus gibt es Regeln zu beachten, damit die Leichtigkeit des Reisens nicht auf der Strecke bleibt. Eine Knigge-Fachfrau gibt Tipps.

BZ: Höflichkeit zeigt sich schon beim Einsteigen. Wie viel Drängelei ist erlaubt?
Elisabeth Bonneau: Gar keine. Und das nicht nur wegen der pandemiebedingten Abstandsregeln. Sie haben eine Reise gebucht, Sie kommen schon mit. Keine Panik.

BZ: Beim Drängeln geht es auch um die besten Plätze. Was auf Mallorca das Handtuch zum Reservieren ist, ist im Bus der Rucksack...
Bonneau: So wie viele Hotels inzwischen solche Reservierungen unterbinden, könnten Busunternehmen das auch tun, zum Beispiel mit der Regel: Ein Platz ist nur für einen oder einen halben Tag reservierbar. Bei manchen Reisen wird der feste Platz gleich mitgebucht.
Elisabeth Bonneau (70), wohnt in Freiburg, ist Kommunikationstrainerin und Coach

BZ: Es gibt Paare, die besetzen gleich zwei Fensterplätze hintereinander. Darf man die dann darauf ansprechen, wenn es einen stört?
Bonneau: Ich habe sogar beobachtet, dass Paare Fensterplätze auf beiden Seiten des Busses belegen, um garantiert alle Sehenswürdigkeiten bestens mitzubekommen. Es ist unsozial, sich auf Kosten anderer Leute die Rosinen aus dem Kuchen zu picken. Ausnahme, natürlich, wenn der Bus nur spärlich belegt ist. Die Leute darauf anzusprechen, ist einen Versuch wert, bitte aber in freundlichem Ton und ohne Vorwürfe. Manche Menschen sind ja nicht böse, sondern einfach nur... sagen wir wenig umsichtig.

"Bei mehrtägigen Fahrten finde ich es angebracht, sich mit seinem Namen und eventuell dem Wohnort vorzustellen, zum Beispiel "Ich bin Maurice Bunk aus Kirchzarten"."
BZ: Die vorderen Plätze im Bus sind schon alle besetzt und hinten wird einem schlecht? Was tun?
Bonneau: Das rechtzeitig sagen. Und zwar den Personen auf den vorderen Plätzen direkt, notfalls bitten Sie den Busfahrer um Unterstützung. Er wird Ihnen helfen, auch weil er ein persönliches Interesse daran hat, dass Sie sich in seinem Bus nicht übergeben.

BZ: Wie funktioniert eine höfliche und unverbindliche Kommunikation bei der ersten Begegnung?
Bonneau: Bei einer Tagesfahrt reicht es, freundlich zu grüßen und seiner Freude auf den Ausflug Ausdruck zu verleihen. Bei mehrtägigen Fahrten finde ich es angebracht, sich mit seinem Namen und eventuell dem Wohnort vorzustellen, zum Beispiel "Ich bin Maurice Bunk aus Kirchzarten". Ihre Heldentaten heben Sie sich für den Lauf der Reise auf – wenn Sie wirklich nicht inkognito bleiben wollen. Und fragen Sie die Mitreisenden nicht aus.

BZ: Unterhaltung ist schön, aber darf man auch mal’ sagen, wenn es einem zu viel wird?
Bonneau: Klar, wie möglichst immer alles, freundlich: So, und jetzt konzentriere ich mich mal auf die Landschaft, die Zeitung oder meine Meditationsübung. Hilft das nicht, bitten Sie um Verständnis: Nehmen Sie es nicht persönlich, ich will einfach mal’ abschalten.

BZ: Wie viel Lautstärke – unabhängig vom Gespräch – ist überhaupt erlaubt?
Bonneau: Bekanntlich hört das Terrain des Einzelnen da auf, wo das der Anderen beginnt. Das gilt auch für Geräusche. Also: Individuelle Musik im Bus nur über Kopfhörer und leise; Klingelton am Smartphone lautlos; Telefonieren nur im äußersten Notfall, kurz und hinter vorgehaltener Hand.

BZ: Busreisende machen es sich gerne bequem. Manche stützen sich mit Schuhen auf dem Sitz ab. Wegschauen oder nicht?
Bonneau: Für die Sauberkeit im Bus ist zwar der Fahrer verantwortlich, dennoch würde ich nicht petzen gehen, sondern selbst etwas sagen, wenn jemand sich mit Schuhen auf dem Sitz abstützt. Eine Ich-Botschaft ist immer eleganter als ein Vorwurf. Also eher: Weil da mal jemand anders sitzen wird, fände ich es hygienisch, wenn Sie Ihre Schuhe auf dem Boden lassen. Zieht die Person nun die Schuhe aus und die Füße verströmen keinen Duft, geht es "nur" noch um ein ästhetisches Problem, und da haben Sie schlechte Karten. Weggucken!
"Verzichten Sie auf Vorwürfe wie "Jetzt rücken Sie mir schon wieder auf die Pelle." Lieber: "Denken Sie netterweise daran, auch mir gegenüber die Abstandsregel einzuhalten?"
BZ: Essen und Trinken im Bus – was ist dabei überhaupt zu beachten?
Bonneau: Sauberkeit ist eine Zier. Meist geben Busfahrer die Regeln bekannt: Wasser aus der Flasche ja, Kaffee aus dem Becher – Kleckergefahr! – nein. Stinkt zum Beispiel das mitgebrachte Münsterkäsebrot zu sehr, würde ich es besser in der Fahrpause draußen essen.

BZ: In Pandemiezeiten ist Abstand und Hygiene wichtig. Das vergessen die Menschen manchmal. Was ist zu tun, wenn die Mitreisenden unangenehm zu nahe kommen?
Bonneau: Sie darauf hinweisen. Freche Bemerkungen sollten jedoch unter Ihrer Würde sein. Verzichten Sie auf Vorwürfe wie "Jetzt rücken Sie mir schon wieder auf die Pelle." Lieber: "Denken Sie netterweise daran, auch mir gegenüber die Abstandsregel einzuhalten?"

BZ: Was ist, wenn der Gegenüber seine Mund-Nasen-Maske gar nicht oder komplett falsch trägt?
Bonneau: Sie dürfen sich selbst und andere Mitreisende schützen. Sie brauchen dabei nicht den Hilfssheriff zu spielen. Also, freundlich, doch bestimmt: "Würden Sie bitte die Mund-Nase-Maske wieder komplett aufsetzen?"

BZ: Endlich da! Wie rücksichtsvoll sollte Aussteigen sein?
Bonneau: Keine Panik. Keine Drängelei. Helfen Sie lieber Mitreisenden, die weniger mobil sind als Sie, beim Aussteigen. Es kann auch nicht schaden, wenn Sie dem Busfahrer beim Ausladen von Reisegepäck zur Hand gehen.

BZ: Trinkgeld für den Reiseleiter und den Fahrer. Was ist angebracht?
Bonneau: Wenn die Begleitenden nur spröde ihr Pflichtprogramm absolvieren, dürfen diese weniger erwarten, als wenn sie sich auch mit Zusatzdiensten ins Zeug legen. Man sagte früher: Geben Sie fünf Euro pro Tag für jeden der beiden. Heute geben viele Reisende eher weniger. Leider. Natürlich hängt das Trinkgeld vom Reisepreis und vom Budget ab. Eine pensionierte Oberstudienrätin darf da schon tiefer in die Tasche greifen als ein Student, der mit seinem Stipendium gerade so über die Runden kommt.