Wahlkreis 281 (Freiburg)

Claudia Raffelhüschen (FDP) will pragmatisch vorgehen – ohne "moralische Vorbildattitüden"

Peter Disch

Claudia Raffelhüschen ist die FDP-Kandidatin im Wahlkreis Freiburg bei der Bundestagswahl. Für die BZ hat sie die aus ihrer Sicht sieben größten Herausforderungen und mögliche Lösungen benannt.

Claudia Raffelhüschen (53)

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel arbeitete Claudia Raffelhüschen in München und Stuttgart als Beraterin im Fuhrparkmanagement. Nach ihrer Heirat – ihr Mann ist Bernd Raffelhüschen, Professor der Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – und der Geburt des ersten Kindes stand die Familie im Vordergrund. Heute unterrichtet die FDP-Politikerin an der Verwaltungsakademie Freiburg Sozialpolitik und ist Mutter dreier erwachsener Kinder. Raffelhüschen kandidiert im Wahlkreis Freiburg. Auf der Landesliste der FDP steht sie auf Platz 16.

E-Mail: bundestagswahl@fdp-freiburg.de

Sieben Dinge, die wir jetzt angehen müssen und meine Vorschläge dazu:

  • Zur Energiewende sollten wir unseren Beitrag leisten, aber nicht vergessen, dass das Problem nur international und kooperativ zu lösen ist. Mit nationalen Verboten und moralischen Vorbildattitüden kommen wir da nicht weiter.
  • Die Energiewende muss in allen Technologien zu Ende gedacht werden. Dieses wichtige Thema wird oft zu ideologisch angegangen. Es gibt nicht nur Windkraft und Photovoltaik. Konkrete Vorschläge müssen von Experten technologieoffen erarbeitet werden.

  • Die Haushaltspolitik ist nicht nachhaltig. Coronabedingt haben wir die Schuldenbremse ausgesetzt und Schulden ohne Ende angehäuft. So kann es aber mit den Staatsfinanzen nicht weitergehen.
  • In der Haushaltspolitik muss die Schuldenbremse wieder für eine Haushaltskonsolidierung sorgen. Niemand will doch seinen Kindern ein Erbe hinterlassen, das mehr Schulden als Vermögen beinhaltet.

  • Um bei der Rentenversicherung die jungen Beitrags- und Steuerzahler nicht zu überfordern, brauchen wir eine stärkere Kapitaldeckung und mehr betriebliche und private Altersvorsorge.
  • Die Rentenversicherung braucht mehr Generationengerechtigkeit. Und die jüngere Generation muss sich darauf verlassen können, dass die Beiträge stabil bleiben.

  • Bildung muss effizienter gefördert werden. Neben der Digitalisierung und der Stärkung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) brauchen wir aber auch und gerade eine solide Stärkung der frühkindlichen Förderung und der handwerklichen Aus- und Weiterbildung.
  • Bildung soll im Kindergarten beginnen. Das würde gerade auch bildungsferneren Familien helfen. Die nicht-akademische darf nicht zu Gunsten der akademischen Bildung zu kurz kommen. Deutschland lebt von seinem Mittelstand und der wiederum von gut ausgebildeten Fachkräften.

  • Die gesetzliche Krankenversicherung muss dringend reformiert werden. Momentan gibt es keine Anreize verantwortungsvoll mit dem Versorgungssystem umzugehen.
  • In der gesetzlichen Krankenversicherung wären freiwillige Eigenbeiträge sinnvoll, die den Beitrag senken. Damit würde gesundes Verhalten belohnt.

  • Die steuerliche Belastung der Bürgerinnen und Bürger ist so hoch, wie sie noch nie zuvor in unserer Geschichte gewesen ist – und auch mit der derzeitigen Einkommenssteuer werden die Wirtschaft und die Bürgerinnen und Bürger zu stark belastet.
  • Die Steuern für Unternehmen müssen auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden. Auch der Spitzensteuersatz sollte nicht schon bei mittleren Einkommen fällig werden. Und selbstverständlich muss der verfassungswidrige Solidaritätsbeitrag weg – und zwar für alle.

  • Die Bürokratie lähmt die Wirtschaft und kostet im Alltag viel Zeit, Nerven und Geld. Ein Bauantrag darf doch nicht länger dauern als der Bau. Der Deutschland-Achter liegt mit zu vielen Steuerleuten und zu wenigen Ruderern abgeschlagen auf den letzten Plätzen.
  • Die Bürokratie muss abgebaut werden und das geht nur, indem öffentliche Stellen gekürzt werden. Immer neue Beamte und öffentlich Angestellte schaffen mehr und nicht weniger Bürokratie. Ein gezielter Einstellungsstopp kann hier ein erster Schritt sein.

    Claudia Raffelhüschen im BZ-Fragenwirbel


    So kam ich zur Politik

    Als in Freiburg die Kundgebungen von Fridays For Future begannen, haben wir in der Familie viel mit unseren drei Kindern diskutiert. Ich beschäftige mich beruflich mit der Finanzierung der Sozialversicherungssysteme und dachte: "Leute, wenn ihr wüsstet, wie auf eure Kosten gewirtschaftet wird und wie wenig in Zukunft von eurem Einkommen übrig bleiben wird, dann würdet ihr jeden Tag demonstrieren." Für die Kinder, Jugendlichen und zukünftigen Generationen erhebt bei uns ja überhaupt keiner die Stimme. Das war für mich der Impuls, der FDP beizutreten und mich politisch für sie stark zu machen.

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