Hass

Bye-bye Glutamat: Wie schön, dass die Mensa zu hatte

Maria-Xenia Hardt

Nicht nur Vorlesungen und Seminare hat Corona lahmgelegt, auch die Mensa war zu. Was für ein Glück, findet fudder-Autorin Maria-Xenia Hardt. Sie hat die heimische Küche lieben gelernt und die Mensa nicht wirklich vermisst.

Ach, Mensa, ich will gar nicht böse mit dir sein, du hast mich gut durch viele Jahre Studium gebracht, nicht nur mit günstigem Mittagessen, sondern auch als ein Raum, um Freunde zu treffen und viel länger rumzuhängen, als es der schnelle Teller wirklich erfordert. Wenn einem schon beim Verlassen der KGs der wohlbekannte Geruch von Rotkraut und Glutamat entgegenschlug, dann wusste man – heute Essen 2, ohne dafür auf den Speiseplan schauen zu müssen. Du hast mir das Konzept von "Spätzle mit Linsen" nähergebracht, mich gelehrt, dass man nichts essen sollte, was neon-pink ist und an besonders guten Tagen habe ich in der mediterranen Paella sogar eine kleine Garnele gefunden. Im Gegenzug habe ich dich verteidigt, wenn andere Studierende nicht zufrieden waren mit dem, was da so für knapp drei Euro auf dem Teller landete. Aber du weißt ja, wie es ist, auch in den innigsten aller Beziehungen: manchmal tut etwas Abstand einfach gut.

Liebe

Die Mensa in der Freiburger Rempartstraße ist wieder geöffnet. Seit vergangener Woche geht dort Essen 1 und 2 über die Theke. fudder-Autorin Sarah Rondot hat die Mensa schrecklich vermisst und schreibt ihr einen Liebesbrief.

So ging es mir in den vergangenen Wochen und Monaten, in denen die Freiburger Mensen einsam und verlassen dalagen und es nach nichts roch, wenn man durch die Rempartstraße oder den Institutscampus lief – was sowieso selten genug vorkam, weil das Home plötzlich auch Office, Kino und Restaurant in einem war. Und so stellte sich in meinen vier Wänden eine neue Routine ein, die nicht nur gutes Frühstück beinhaltete (mein morgendliches Müsli habe ich schon lange perfektioniert), sondern auch Mittag- und Abendessen, für deren Bereitstellung mehr als eine Uni-Card, oft gar mehr als ein Messer, Brot und Käse zum Einsatz kommen mussten.

Ich habe fröhlich Dinge ausprobiert

Es ist ja bei Nichten so, dass ich nicht kochen kann, oder keine Freude daran habe. Im Gegenteil: Der Geruch von frischen Kräutern, das Experimentieren mit Gewürzkombinationen und der Geschmack von frisch zubereitetem Essen lassen mein Herz höherschlagen. Ich besitze das eine oder andere Kochbuch und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Maschine Körper immer nur so gut läuft wie das Benzin, das man reinkippt. Und gutes "Benzin" muss weder teuer sein, noch übermäßig kompliziert in der Zubereitung.

In den vergangenen Wochen habe ich fröhlich Dinge ausprobiert, im Supermarkt Zutaten gekauft, auf die ich Lust hatte und dann zu Hause nach Gutdünken kombiniert. Um mittags nie länger als 20 oder 30 Minuten in der Küche zu stehen war eine Grundlage für die Gerichte immer schon startbereit – zum Beispiel eine Box mit gekochten Nudeln oder Reis, Brot oder auch Linsen in allen Formen und Farben. Und dann habe ich mittags einen Blick in den Kühlschrank und ein paar leckere Sachen in Topf oder Schüssel zusammen geworfen. Zum Beispiel: Brokkoli und Hähnchen in Olivenöl dünsten, Nudeln dazu, Salz, Pfeffer und ein paar Kräuter. Oder: tiefrote, duftende Tomaten mit etwas Olivenöl einkochen, kurz vor Schluss frisches Basilikum rein, das alles über Nudeln kippen und ein bisschen Räucherlachs on the side. Oder: Gurke, Tomate, Feta kleinschneiden, Belugalinsen dazu, Essig, Öl, Salz und Pfeffer drüber, fertig (Minze drin wäre vielleicht noch geil gewesen).

Gutes Essen muss nicht kompliziert sein

Auch aus meinen Kochbüchern habe ich endlich mal das eine oder andere Rezept ausprobiert, das schon ewig mit einem Post-It markiert war. So gab es eines Abends Tomaten-Kokos-Reis mit Avocado, Halloumi und Sprossen. Gewürzt war das Ganze lediglich mit Salz, Pfeffer und Kreuzkümmel, eine Zwiebel war drin, und eine rote Chili, und es schmeckte einfach nur traumhaft, aufregend und rund zugleich. Gutes Essen muss nicht kompliziert sein, geschweige denn ewig lange Zutatenlisten haben mit lauter Dingen, die man im Supermarkt nicht findet. Und jedes neue Rezept gibt mir wieder Ideen für eigene Kompositionen beim nächsten mittäglichen Blick in den Kühlschrank.

Für den Moment geht meine Motivation in die Mensa zurück zu kehren gegen Null. Da sich auch meine Tage an der Uni dem Ende zuneigen, hat Corona vielleicht einfach nur einen notwendigen Abschied etwas beschleunigt: bye-bye Glutamat. Vielleicht mach ich mir morgen mal selbst Spätzle mit Linsen.