Interview

Band "Randale und Liebe" liefert ihr Best-of der vergangenen Jahre

Thomas Kubina

Die sechsköpfige Folk-Musik-Crew "Randale und Liebe" hat ihr zweites Studioalbum veröffentlicht: "Bis die Mandoline bricht". Frontsänger Julian Schärdel spricht im Interview über handgemachte Sounds, Selbstansprüche und die Liebe.

fudder: Wie wenig Randale und wie viel Liebe verbringt sich hinter eurem Bandnamen?
Schärdel: Es verbirgt sich mehr Liebe dahinter. Wenn wir allerdings auf der Bühne stehen, darf auch ein bisschen mehr Randale dabei sein. Wir sind eine Band, die mit sehr viel Gefühlen arbeitet und deshalb können die Gefühle auch positiv wild ausfallen.


fudder: Seit wann gibt es "Randale und Liebe" und wie habt ihr zusammengefunden?
Schärdel: Es fing alles mit Bandprojekten in der Schulzeit an. Seit ungefähr 20 Jahren spielen wir schon zusammen. Uns verbindet nicht nur die Musik, sondern auch Freundschaften. Der Bandname ist quasi das Produkt aus unserer gemeinsamen Zeit und soll zeigen, was sich hinter unserer musikalischen Idee versteckt. Wir sind nämlich eine Mischung aus tanzbarer Musik und gefühlvollen Songs. Also Randale und Liebe. Auf Konzerten sind wir eben beides. Wenn die Leute Arm in Arm zur Musik wippen, dann wissen wir, dass die Randale der Liebe "zuliebe" gewichen ist.
Julian Schärdel ist 34 Jahre alt, Politikwissenschaftler und der Frontsänger der Band

fudder: Im neusten Album "Bis die Mandoline bricht" schimmern einige Sehnsüchte an eine Zeit vor Corona durch. War Corona gleichsam ein kreativer Stachel für euch?
Schärdel: Mit dieser Frage wurden wir bereits öfters konfrontiert. Ich kann aber sagen, dass die Songs größtenteils vor Corona entstanden sind. Das ist ein Album, an dem wir seit geraumer Zeit geschraubt haben. Unser letztes Album kam 2016 raus. Deshalb kann man sagen, dass das Album gleichsam ein Best-of aus den letzten Jahren ist. Natürlich gibt es auch Songs, die sich auf die Corona-Zeit beziehen können- was ich auch schön finde. Trotzdem sollen diese Lieder einen überdauernden Charakter haben. Auch in anderen schweren Zeiten sollen die Texte Halt ausdrücken. Was natürlich stimmt: Wir sehnen uns nach der Zeit vor der Pandemie, es ist die Sehnsucht wieder auf der Bühne zu stehen und auf Tour zu gehen.
Die Band-Mitglieder
Jonny König - Drums (Mannheim)
Jonathan Schwenzer - Gitarre (Mannheim)
Peter Blaurock - Gitarre (München)
Julius Heinzmann - Mandoline (Mannheim)
Bastian Breiner - Bass (Freiburg)
Julian Schärdel - Mainvocals (Freiburg)

fudder: Haben sich autobiographische Spuren in euren Texten niedergeschlagen?
Schärdel: Das ist in gewisser Weise bei jedem Künstler so. Wir versuchen in unseren Songs verschiedene Sachen und Erlebnisse aufzugreifen, die uns beschäftigen. Nicht alles, was wir schreiben, ist autobiographisch. Es geht vielmehr um unsere Gefühle, die sich dahinter verbergen und Ausdruck in den Texten zu finden versuchen. Sie sind aber keineswegs deckungsgleich mit unseren persönlichen Erfahrungen. Schön finde ich, dass sich die Songtitel zwischen den Gefühlspolen Feiern und Sehnsucht bewegen.

fudder: Viele Texte nuancieren Liebe als erstrebenswerten aber auch als gefährlichen Zustand. Gibt es Gründe, warum sie so einen großen Stellenwert bei euch hat?
Schärdel: Die Liebe ist eines der wichtigsten menschlichen Gefühle. Das zeigt sich nicht in ihrer Beständigkeit, sondern in ihrer Varietät. So geht es beispielsweise im Song "Aus der Nähe" um eine sehr langjährige Vertrautheit zur Partnerin oder zum Partner, während der Song "Droge" die stark euphorischen und gefährlichen Momente des Gefühlsrausches beschreibt.



fudder: Ihr bezeichnet euren Musikstil als Neue Deutsche Folk-Musik, was zeichnet euch aus?
Schärdel: Es ist unser handgemachter Sound. Wir haben Folk-Elemente, Instrumente wie Mandoline und Akkordeon darin. Diese Instrumente sind vielleicht etwas untypisch. Dass wir deutschsprachige Folk-Musik machen, ist auch etwas untypisches und zugleich seltenes. Gerade auf dem neuen Album zeigt sich eine Weiterentwicklung unserer Arbeit. So haben wir beispielsweise elektronische Elemente mit E-Gitarren-Part darin. Das Wichtigste ist, dass alles handgemacht klingt. Es sollte auf jeden Fall eine Live-Atmosphäre beim Zuhören entstehen!



fudder: Wann bricht die Mandoline auf der Bühne in Zukunft wieder? Wird es ein Online-Konzert geben?
Schärdel: Das ist die große Frage. Wir haben lange über Online-Konzerte nachgedacht, weil so viel abgesagt wurde dieses Jahr. Wir haben uns dennoch dagegen entschieden, weil wir einfach gesehen haben, dass Online-Konzerte nicht dieselbe Stimmung aufbringen können wie ein Live-Konzert.

fudder: Zum Abschluss: Mit mehr Liebe oder Randale durch die Corona-Zeit?
Schärdel: Da plädieren wir natürlich sehr stark für die Liebe, Randale heben wir uns für die Bühne auf!

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