Ich mach den Job

Arta Berisha ist eine der gesuchten Schulkindbetreuerinnen in Freiburg

Manuel Fritsch

Arta Berisha arbeitet als Schulkindbetreuerin an der Deutsch-Französischen Grundschule in Haslach. Sie liebt ihren Job – und wird sich dennoch einen neuen suchen. Denn es gibt ein Problem.

Arta Berisha liebt ihren Beruf. Und dennoch wird sie ihn demnächst aufgeben. Denn wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen gibt es ein Problem: Schulkindbetreuung findet in der Regel nur nachmittags statt, Vollzeitjobs gibt es kaum. Eine Lösung des Problems ist nicht absehbar.

Morgens Vorlesung, nachmittags Kinderbetreuung

Während ihres Studiums der Kindheitspädagogik hat Arta Berisha angefangen, als Schulkindbetreuerin zu arbeiten. "Das war perfekt, weil ich hier gleich die Theorie aus dem Studium anwenden konnte", erzählt die 32-Jährige. "Viele Inhalte des Studiums konnte ich hier umsetzen und ausprobieren – so machte dann auch Hausarbeiten Schreiben Spaß." Außerdem war es zeitlich praktisch: morgens Vorlesung, nachmittags an die Schule.

Berisha arbeitet seit zwei Jahren an der Deutsch-Französischen Grundschule in Haslach, vorher war sie ein Jahr an der Emil-Thoma-Realschule. Vor ihrem Studium hatte sie eine Ausbildung als Restaurantfachfrau gemacht, in Baden-Baden im Dorint Hotel gearbeitet. Auf Dauer sei ihr der Job im Gastro-Bereich zu zehrend gewesen, daher habe sie sich auf einen Studienplatz beworben.
Job-Steckbrief

Berufsbezeichnung: Schulkindbetreuer/in
Ausbildung: pädagogische Qualifikation oder abgeschlossene Ausbildung und mindestens ein Jahr Erfahrung in der Kinderbetreuung.
Verdienstmöglichkeit: nach Tarif, je nach persönlichen Voraussetzungen bis zu 3979 Euro monatlich.
Offene Stellen: allein bei der Stadt Freiburg derzeit 18 offene Stellen mit unterschiedlichem Umfang.

"Schon im Hotel habe ich immer auf die Kinder aufgepasst", erzählt sie. Ein Praktikum im Kindergarten gab ihr obendrein die Sicherheit, dass die Kinderbetreuung der richtige Platz für sie sei.

Die Schulkindbetreuung, erzählt Berisha, sei besonders reizvoll. Die Kinder sind schon etwas älter und der enge Austausch mit den Lehrern sei spannend. In Haslach kommt hinzu, dass die Kinder mindestens zweisprachig sind, und auch die Betreuer arbeiten in einem bilingualen Team – einer spricht Französisch, einer Deutsch. Die Nachmittagsbetreuung geht dabei weit über Hilfe mit den Hausaufgaben hinaus. Berisha organisiert mit ihrer Klasse Theaterprojekte, Kinderyoga oder macht gemeinsam mit den Kindern eine Bestandsaufnahme der Fauna im Schulhof.

Attraktiv für Studierende, schwierig für viele andere

Im vergangenen Wintersemester hat Berisha ihr Studium abgeschlossen und steht nun vor dem Problem, das viele ihrer Kollegen früher oder später haben: Schulkindbetreuung ist nachmittags – daher gibt es quasi nur Halbtagesstellen. "Das ist Fluch und Segen zugleich", sagt Petra Schempp, Bereichsleitung Jugendhilfe an Schulen der Evangelischen Jugendhilfe Freiburg, die die Schulkindbetreuung an der Schule stellt. "Für Studierende ist das sehr attraktiv, für viele andere macht es das schwierig." Sie erzählt von einer Kollegin, die kündigen musste, da sie zu den Zeiten, zu denen sie Schulkinder hätte betreuen müssen, keine Betreuung für ihr eigenes Kind gefunden hat. "Meistens arbeiten also Menschen bei uns, die familiär nicht so eingebunden sind", so Schempp. Zwar hätten andere Träger manchmal ein breiteres Angebot und könnten auch mal 60- oder 70-Prozent-Stellen anbieten, doch großen Spielraum gebe es auch dort meist nicht.

Und so schaut sich auch Arta Berisha perspektivisch nach einer neuen Stelle um. "Ich gehe sehr ungern, denn hier passt einfach alles", sagt sie. Aber auch: "Ich hätte einfach gerne eine 100-Prozent-Stelle."

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