Interview

Am Samstag findet das Locartista Festival zum dritten Mal statt

Maya Schulz

Das Locartista Festival will Künstlerinnen aus Freiburg und Region eine Bühne geben und ihre Präsenz stärken. Am Samstag geht das Festival in die dritte Runde – kleiner und corona-konform. fudder hat mit Mitveranstalterin und Künstlerin Ella Kugler darüber gesprochen.

Was wird auf dem "Mini"-Festival dieses Jahr angeboten?

Während wir in den vergangenen beiden Jahren schon im Januar zusammensaßen, um Künstlerinnen* zu buchen und das Festival zu organisieren, mussten wir uns dieses Jahr überlegen, wie wir unsere Veranstaltung in einem kleineren Rahmen stattfinden lassen können. Wir haben etwa im Mai mit der Planung des Festivals angefangen, als man schon mehr über die Hygieneregeln wusste und wie man sie umsetzen kann.

Dieses Jahr finden im Rahmen des Festivals zwei haptische Modellage-Workshops rund um Ton- und Gipskunst statt. Was für Objekte entstehen, bleibt der Intuition der Teilnehmerinnen* überlassen. Auf Wunsch gibt es Hilfestellungen. Die Arbeiten können direkt mit nach Hause genommen und nach dem Trocknen bemalt werden. Die Freiburger Künstlerin Marleen Thüringer hat die Workshops entwickelt und wird sie zusammen mit Ute Hoffmann, Multicore-Vorstand und Locartista Mitorganisatorin, anleiten. Marleen ist bekannt für ihre Malerei, Mixed Media, Streetart, Druckkunst und Keramikarbeiten. Ihre Kunstwerke können auch beim diesjährigen Festival bei der dazugehörigen Ausstellung "Female*-Art" bewundert werden. Die Ausstellung umfasst ebenfalls die Kunstwerke von Sasart, einer weiteren Freiburger Künstlerin und Designerin, die ihre Kunst in grellen Farben auf Leinwänden, Alltagskleidung und sonstigen Gegenständen verewigt. Die Vernissage für die Ausstellung findet von 19 bis 21 Uhr statt.
Hinweis: Durch die Kennzeichnung "*" von gegenderten Begriffen schließt Locartista immer auch nicht-binäre Personen mit ein.

Was ist das Konzept hinter Locartista?

Grundsätzlich geht es uns darum, Frauen* mehr Gelegenheit zu bieten, ihre Kunst öffentlich zu zeigen oder damit aufzutreten. Wir verstehen uns als queer-feministisch und wollen Künstlerinnen* mehr Raum und Sichtbarkeit für ihre Kunst ermöglichen. Bei unseren Workshops ist jede*r willkommen, wegen der begrenzten Ticketanzahl bevorzugen wir aber weiblich sozialisierte Personen. Auf diese Weise ist uns in den letzten Jahren eine stärkere Vernetzung von Freiburger Künstlerinnen* gelungen, von denen manche schon Erfahrungen auf der Bühne gesammelt haben und andere es zum ersten Mal ausprobieren. Der Erhalt von Kultur und der Austausch darüber ist sehr wichtig für unsere seelische Gesundheit, was durch die Pandemie deutlich geworden ist.

Wie setzt ihr die Hygienemaßnahmen um?

Dieses Jahr mussten wir die Anzahl unserer Eintrittskarten leider stark begrenzen. Wenn das Wetter mitspielt, wollen wir die Workshops draußen stattfinden lassen und bei Regen mit weit geöffneten Fenstern und unter Einhaltung der Abstandsregeln drinnen arbeiten. Das Arbeitsmaterial werden wir vorher so portionieren und abpacken, dass es kein gemeinsames "Gewühle" in der Tonmasse gibt. Für den Einlass und den Besuch der Ausstellung gilt die Maskenpflicht und die Anzahl der BesucherInnen* soll entzerrt werden, indem unsere Workshop-Teilnehmerinnen* die Ausstellung schon während der Workshops besuchen können.

Siehst du schon eine Veränderung?

Nach meiner Einschätzung ist der Pool an Freiburger Künstlerinnen*, die sich als solche identifizieren, in den vergangenen drei Jahren größer geworden. Dadurch, dass wir die Vernetzung von erfahrenen und noch unerfahrenen Künstlerinnen* fördern und sie auf die Bühne holen, wandert die Kunst in einen professionellen Raum, wodurch mehr Frauen* sich als Künstlerin* empfinden und sich trauen, ihre Kunst zu zeigen. Ich erlebe häufig, dass Frauen* sehr unsicher in Bezug auf ihre Kunst sind und sich mit Demo-Material bei uns vorstellen wollen. Aber ich brauche solche Beweise gar nicht. Jede Kunst, die nicht rassistisch oder sexistisch ist, ist gute Kunst und qualitativ habe ich bisher nur tolle Erfahrungen gemacht. Viele wissen gar nicht, dass sie bereits Kunst erschaffen, dass dafür kein Stempel von außen erforderlich ist und erhalten durch unser Festival und unsere Treffen Unterstützung und Motivation. Langfristig sorgt die Bezahlung von Kunst für ein größeres Selbstbewusstsein der Künstlerinnen*, die im Rahmen unseres Festivals auftreten.

Wie kann man euch unterstützen?

Ein großer Teil unserer Einnahmen geht an das Jo’s Fritz, daher wäre es toll, wenn möglichst viele an den Workshops teilnehmen und die Ausstellung besuchen, damit die Veranstaltung finanziert werden kann. Wer zukünftig bei unserem Festival mitwirken oder Künstlerinnen* aus Freiburg und Umgebung empfehlen will, kann sich gerne bei uns melden. Wir führen seit einiger Zeit eine Datenbank, die mittlerweile über 50 Freiburger Künstlerinnen* umfasst. Gerne nehmen wir neue Künstlerinnen* auch per E-Mail-Anschreiben in die Datenbank auf.
Außerdem veranstalten wir regelmäßige Treffen zur Vernetzung und zum Austausch über unsere Kunst an jedem letzten Donnerstag im Monat im Jo"s Fritz Café. Interessierte sind herzlich willkommen! Das nächste Treffen findet am 26.11. um 18 Uhr statt. Wir bitten allerdings um eine Voranmeldung über locartista@riseup.net.
Was: Locartista Festival Mini-Festival 2020
Wann: Samstag, 17. Oktober, 13 bis 21 Uhr, 13 bis 15 Uhr: Tonkunst (1. Gruppe), Gipskunst (1.Gruppe), 15 bis 17 Uhr: Tonkunst (2. Gruppe), Gipskunst (2. Gruppe), 19 bis 21 Uhr: Vernissage zur Ausstellung Female*Art
Wo: Jo’s Fritz, Wilhelmstraße 15/1
Eintritt: 5 Euro, die Anzahl der Workshop-Teilnehmerinnen* ist auf fünf Personen pro Gruppe beschränkt.

Infos: Facebook & Web & Tickets