Zwischen Wok und E-Bass: Acoustic Slam in der MensaBar

Miriam Helbig

Mittwochabend fand in der MensaBar der vorletzte Acoustic Slam statt. Unter dem Motto "Lied.Gut" fanden sich fünf Musiker und Bands zusammen, um sich in die Herzen des Publikums zu musizieren. Miriam war dabei und freute sich besonders über die Kombination von Tommelpauke und Triangel.



Darauf, dass der Gewinner des Abends ohne Gesang atmosphärische, experimentelle Musik irgendwo zwischen Tomas Dvorak und A Red Season Shade machen würde, hätt' ich keinen roten Heller gegeben. Auch nicht darauf, dass mich diese Mischung plätten würde. Accent Grave aus Freiburg, ein begnadetes Quartett bestehend aus einem Keyboarder, einem Percussionisten, einer Cellistin und einem Hang-Spieler, schaffen es binnen Sekunden, das bis dahin leicht gelangweilte MensaBar-Publikum in ihren Bann zu ziehen. Was war noch mal ein Hang? Ein neumodisches Instrument, das Moderator Hardi treffend als zwei zusammengeschweißte Woks beschreibt.


Ich bin ohne eine genaue Vorstellung zum Acoustic Slam gegangen. Die Idee hinter dem Slam ist, dass jeder Musiker oder jede Band fünf Minuten Aufbau- und fünfzehn Minuten Spielzeit hat, um somit mehr oder weniger unplugged die Zuschauer zu begeistern. Fünf Künstler treten nun gegeneinander an und die Stimmung ist gut, als die Freiburger Band Kopfsteinpflaster als erste die Herausforderung annimmt.



Dass diese mit zwei Violinistinnen aufwarten, die neben zwei Gitarren und einem Cajón den Sound speziell machen, trifft meinen Nerv. Leider nützt die Band dies nur unzureichend aus, denn außer dem zweiten, einem längeren sehr lyrischen Stück, in Kategorie des "Mariner’s Revenge Song" von The Decemberists passend, spielen Kopfsteinpflaster belanglosen deutsch-sprachigen Akustikgitarrenpop, immer schön in Moll mit einem Hauch Depression und Weltschmerz.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Pablo Paolo, der mit ein bisschen mehr Zeit und funktionierendem Equipment sicher besser wäre, und Richy B Goode. Ersterer beeindruckt mich zwar durch hervorragende Gitarren-Skills und eine gute Stimm, setzt aber leider großteils auf Cover, obwohl das einzige Stück aus eigener Feder das beste Lied seines Repertoires darstellt.



Ebenso Richiy B Goode. Das Duo aus klassischem Singer-Songwriter und E-Bassisten lässt mich zuerst hoffen, als der Basser den Soundcheck mit fetter Distortion absolviert und durchschimmert, dass er zu der seltenen Gattung exzellenter Bassisten gehört. Was folgt, ist enttäuschend. Wieder Cover und beliebiger Gitarrenpop in Moll, nur das letzte Stück, eine lautstarke Hymne auf Whiskey, Gin und Guinness, lässt Pubstimmung aufkommen und entschädigt. Der angekündigte derb verzerrte Bass ist bis irgendwo verschütt gegangen.

Der Preis für den skurrilsten Auftritt geht aber zweifellos an Pulsando. Drei Musiker, dem Studentenalter weit entwachsen, bieten einen in der Theorie sehr interessanten Mix aus badischen und brasilianischen Klängen, nehmen die Vorgabe „unplugged“ jedoch zu ernst und spielen gänzlich ohne technische Unterstützung. Somit fehlt es nicht nur an Lautstärke, Fülle und Emotion, sondern es springt auch kein Funke über, und einige der Besucher finden sich an der Theke mit einem Bier in der Hand oder im Gespräch mit dem Nachbarn wieder. Sehr schade, denn der Mix aus 12-Saiter, einer großen Trommelpauke – für die es bestimmt ein Fachwort gibt – und Triangel (!) gepaart mit dreistimmigem Gesang würde unter anderen Umständen sicher richtig zünden. So bleibt er in mehrfacher Hinsicht exotisch.

Am Ende gewinnt die einzige wirklich innovative Band mehr als verdient den Slam und darf am 22. Juli im Mensagarten zusammen mit den anderen Gewinnern ihre Musik vor größerem Publikum präsentieren – in der Hoffnung, dass dann beliebige Liedermacher die Minderheit darstellen werden.



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[Fotos: Studentenwerk Freiburg]