Zwischen/wege: Das Festival für Junge Literatur im Pausenraum

Alicja Schindler

"Kompromiss? Definitiv vielleicht." steht auf dem Plakat. Wer bitte denkt sich so einen Schwachsinn aus? Das sind Frederik, Clara, Mascha und Daria. Im neuen Café Pausenraum findet am Freitag und Samstag ihr "Zwischen/wege" Festival für junge Literatur statt. Fudder-Autorin Alicja Schindler hat zwei der Studenten bei den Vorbereitungen besucht.


Da sitzen sie und essen Erdbeerkuchen. Clara Kopfermann und Frederik Skorzinski stecken mitten in der heißen Phase. Schon nächstes Wochenende sollen das Café und der Außenbereich des Pausenraums in Zähringen umgestaltet sein: „Einerseits gibt es die Lesungen, das Theater und viel Raum zum Diskutieren, aber es wird insgesamt eine gemütliche Atmosphäre mit ganz viel Drumherum zum Entdecken geben – oder man kann einfach auf dem Sofa oder in den Hängematten entspannen. Wie bei einem Festival eben.“

„Kompromisse“ sind das Thema, um welches sich alle Veranstaltungen an den beiden Festivaltagen drehen. „Wir saßen auf Frederiks Dachterrasse“, beginnt Clara als ich sie frage warum sie sich gerade für die ungeliebten Dazwischen-Lösungen als Gedanken für ein ganzes Festival entschieden haben. „Das sind irgendwie diese Alltagszwänge, die wir alle ab und zu gespürt haben.“ Das sagt sie, lächelt und spießt ein Stück Erdbeerkuchen auf ihre Gabel.

Es geht also um uns. Um die vielen Möglichkeiten und die Orientierung, die wir alle schonmal verloren haben. Wer alles will – das passendste Studium, den besten Job, die entspannteste Freizeit und die nettesten Freunde – der kommt schonmal ins Rudern. Und wer will das nicht? Wir wollen Bestätigung aber auch Spaß. Die Suche nach der Balance zwischen Leistung und Leichtigkeit beginnt. „Im Alltag rutscht man immer wieder rein in die Kompromisse, eben weil es so viele Möglichkeiten gibt und man sich dann den Zwischenweg aussucht.“ Wann lohnt es sich also auch einfach mal kompromisslos zu sein?

Organsieren als Leidenschaft

Die vier sind das beste Beispiel dafür. Das Festival ist lange nicht die einzige Veranstaltung, die die Studenten organisieren. Seit zwei Jahren sind sie, plus Julian Burkhardt, das Team, das regelmäßig die „Zwischen/miete“-Lesungen in Freiburger WGs organisiert. Junge Autoren, die zwar professionell, aber noch nicht allzu bekannt sind, lesen in Räumen, in denen sich sonst der Alltag irgendeiner Freiburger Studenten-WG abspielt.

Zwischen beklebten Wänden mit Zeitungsartikeln und Fotos, am Küchentisch zwischen Teeregal und Zwiebelbrett, auf dem Perserteppich sitzend, angelehnt an ein fremdes Bett kann man so den Geschichten und Romanen junger Schreibender lauschen. Das Team recherchiert Autoren, setzt Anfragen auf, kümmert sich um Werbung, neue WGs und schließlich auch die Moderation am Abend selbst. „Und dabei soll man einfach auch mal die sogenannten dummen Fragen stellen können.“ fügt Frederik hinzu.

Irgendwie kompromisslos, obwohl man noch mitten im Studium steckt, „Europäische Literaturen und Kulturen“ oder „Interdisziplinäre Anthropologie“ wie Clara und Frederik studiert und trotzdem mal eben eine Literaturreihe oder ein Festival auf die Beine stellt. „Es gibt mir so viel Energie mit den unterschiedlichsten Leuten in Kontakt zu sein und zu merken wie man mit vielen Freiburgern zusammen etwas organisiert bekommt. Am Anfang war da dieses weiße Blatt Papier, das wir angefangen haben, mit Ideen zu füllen und jetzt soll das alles wirklich stattfinden.“

Tatsache. Der Freitagabend beginnt mit einem literarischen Streifzug entlang der Kompromisse, gesprochen von ehemaligen Mitgliedern von „Laut & Lyrik“ und endet mit minimalistischem Synthie-Pop von „Yes I’m Very Tired Now“ aus St. Gallen. Am Samstag kann man ab 10 Uhr bei einem Frühstück in der Schreibwerkstatt selbst aktiv werden.

Kompromisslos

Danach kommen Katharina Schultens mit Lyrik und Heike Geißler mit ihrem häufig besprochenen und gelobten Buch „Saisonarbeit“, indem sie ziemlich kompromisslos ihre Arbeit beim Versandhaus amazon beschreibt. Bei der Eröffnung einer Ausstellung von Christoph Miler kann man erfahren warum Kompromisse eigentlich ein „Luxusgut“ sind. Neben einer Graphic Novel Lesung gibt es Theater, Performance und ab 22.30 zielloses Tanzen mit DJ Klangreiter. Für den „faulen Kompromiss“ ist auch gesorgt. Es soll Sofas und Hängematten, Nudeln und Limos, Kaffee und Kuchen geben.

Claras Kuchen ist inzwischen aufgegessen, sie klappt Terminkalender und Laptop zu. Beides voller petrolfarbener Aufkleber mit dem Logo der „zwischen/wege“. Ziemlich kompromisslos.

Mehr dazu:

Was: „Zwischen/wege“ Festival für junge Literatur 
Wann: Freitag, 17. Juli ab 20 Uhr und Samstag, 18. Juli 2015 ab 10 Uhr den ganzen Tag
Wo: Im und um den Pausenraum, Burgdorfer Weg 19, Freiburg
Tickets: Für einen Tag: 7 bis 12 Euro; für beide Tage: 12 bis 20 Euro
Es gibt einen Spar,- Kompromiss- und einen Idealpreis.

Offizielle Website: Literaturbüro Freiburg Offizielle Website: „zwischen/wege“ Festival Facebook: „zwischen/wege“ Festival
Foto-Galerie: Alicja Schindler

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