Zwischen Egotrip und Größenwahn: Zois Lasalles Album "Absolut"

Manuel Lorenz

Was wir noch nicht wussten: Mädels reden an einem Mädelsabend nur und ausschließlich über den Gundelfinger Rapper Zois Lasalle. Woher wir's wissen: von Lasalle selbst. Der zieht auf seinem neuen Album "Absolut" wieder die übliche Show ab, verirrt sich dabei aber manchmal ins Wirkliche.



Zois Lasalle ist bekannt dafür, ein Narziss und Großmaul zu sein. Und daran ändert sich auch auf seinem neuen Mixtape "Absolut" absolut nichts. Schon im März hatte der Gundelfinger Rapper das Tape mit großen Worten angekündigt: "Es wird für sich sprechen und auf jeden Fall das Freshste sein, was unser verschlafenes Freiburg bisher raptechnisch auf die Ohren bekommen hat."


Ob das stimmt oder nicht, ist eigentlich egal. Denn: Bei Zois Lasalle kommt es immer eher auf die absurde Behauptung an. Das ist natürlich ein billiger Trick. Zois Lasalle sagt gleichsam: Schaut her! Hier bin ich! Reagiert irgendwie auf mich! Sagt irgendwas! Und so fällt es schwer, ihm gleichgültig gegenüber zu stehen. Entweder man liebt ihn - auf eine gewisse Art und Weise -, oder man hasst ihn. "Polarisieren" heißt das entsprechende Verb.

Also: Ja. Zois Lasalle hält sich immer noch für den Besten. Der King, der Rapgott, der Erste und der Letzte, Tupac und Biggie Smalls in Weiß. Im Refrain von "Der junge Gott" heißt es: "Ich bin kein Rapper, ich bin mer als das, der, von dem du lernen kannst, ich bin der, der mit den Sternen tanzt, ich bin der Maßstab, das Nonplusultra, der Typ von Nebenan, der aus Songs wieder Kunst macht." Is' klar. Und is' im Rap-Business ja auch normal. Masturbation aufs eigene Spiegelbild gehört da ja seit jeher zum Standardrepertoir. Das Besondere bei Lasalle: Seine Handflächen werden langsam wund. Und unsere Ohren taub.



Allerdings: Die Geschichten sind besser geworden. Zwischen Egotrip und Größenwahn blitzt immer wieder so etwas wie Wirklichkeit auf. In "Still The Same" erfahren wir, dass er schon "damals", in der Schule, eine große Klappe und keinen Respekt vor den Großen hatte. Aus folgenden Stichwörtern kann man sich dann den Rest zusammenschustern: Hitzkopf, erstes Bier, erste Kippe, erster Joint, erster lupenreine Filmriss, erste Liebe, Macho mit Engelsblick, Bolzplatz.

An anderer Stelle ("Zurück In Die Zukunft") erzählt er uns, wer beziehungsweise was ihn musikalisch beeinflusst hat: der Stuttgarter Rapper Max Herre, sein Onkel, der Backstage-Handshake mit den Fantastischen Vier, die CDs seines Vaters - vor allem die von Grönemeyer und Müller-Westernhagen. In "Karma" wird Lasalle geradezu deep und legt dar, woran er glaubt: Gott, die wahre Liebe, das Gute, die Zukunft der Jugend, Kultur, Familie, harte Arbeit, Gerechtigkeit, eine bessere Welt - und daran, dass er einen Vertrag bekommt und sein Album "Nummer eins geht in den Plattenläden".

Wenn er abstrakte Begriffe wie gute Zeiten, schlechte Zeiten, Höhen, Tiefen, Leben und Zeit ("Götterdämmerung") auflösen, wenn er konkret werden und die Dinge beim Namen nennen würde, bekäme seine Kunstfigur sogar richtig Fleisch auf die Rippen. Und: Es müssen endlich eigene oder von Kollegen gebastelte Beats her. Sonst bleibt der Rap-Jury nichts anderes übrig, als bei der Haltungsnote erneut Punkte abzuziehen. Eigentlich unnötig, gibt es in der Region doch genügend potente Klangtüftler.

Anhören und Herunterladen könnt ihr das Album hier:

 

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[Fotos: Promo]