Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung

Zwei weitere Angeklagte im Hans-Bunte-Prozess kommen wohl frei

Joachim Röderer

Im Fall der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung gibt es bald wohl nur noch acht Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft hat gegen zwei weitere Männer den Vergewaltigungsvorwurf fallen gelassen.

Die Große Strafkammer des Jugendgerichts hat am Mittwoch im Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung beim Freiburger Hans-Bunte-Areal wie erwartet den Haftbefehl gegen einen 25-jährigen Syrer aufgehoben.


Die Staatsanwaltschaft hat auch gegen zwei weitere Angeklagte, einen 19 und einen 21 Jahre alten Syrer, den Vorwurf der Vergewaltigung fallengelassen. Ihre Verteidiger haben die Freilassung aus der U-Haft beantragt. Das Gericht will in den nächsten Tagen entscheiden.

"Sie sind ein freier Mann, die Fußfesseln können abgenommen werden", sagte Richter Stefan Bürgelin zu Kosay Al H., für den in diesem Moment die elfmonatige U-Haft zu Ende ging. Sein Verteidiger Robert Phleps hatte am Montag beantragt, den Haftbefehl aufzuheben, die Staatsanwaltschaft hatte zugestimmt. Verantworten muss sich der 25-Jährige jedoch weiter wegen unterlassener Hilfeleistung.

Das Gefängnis verlassen können in den nächsten Tagen wohl auch die Angeklagten Ayham Al R. (21) und Mohanad M. (19). Die Verteidiger Stephan Kröger und Jan-Georg Wennekers haben beantragt, die Haftbefehle für ihre Mandanten ebenfalls aufzuheben. Sie waren im Zuge der Ermittlungen vom Mitangeklagten Timo P. belastet worden, der sich jedoch bei seiner Aussage vor Gericht in viele Widersprüche verstrickte.

"Es ist ein dynamisches Verfahren." Staatsanwalt Thorsten Krapp
Von Ayham Al R. konnten die Ermittler keine DNA-Spuren finden. Von Mohanad M. gibt es zwar eine Hautmischspur an der Kleidung des Opfers. Diese lässt sich aber erklären: M. war es, der nach dem Geschehen im Wäldchen dem Opfer geholfen hat, sich wieder anzuziehen. Die Frau und ihre Freundin haben später auch im Zimmer des 19-Jährigen in einer Flüchtlingsunterkunft übernachtet.

Verteidiger Wennekers hatte schon am ersten Prozesstag auf fehlende Beweise für eine Beteiligung von Mohanad M. hingewiesen. Nun hat auch die Staatsanwaltschaft keine Einwände gegen die Aufhebung des Haftbefehls. "Es ist ein dynamisches Verfahren", so Staatsanwalt Thorsten Krapp. Er wies aber darauf hin, dass bei M. nach der Festnahme Kratzspuren am Rücken festgestellt worden waren.

Das Wort "Vergewaltigung" in der Übersetzungs-App

Am Mittwoch sagte eine Freundin des nun freigelassenen Kosay Al H. aus. Der 25-Jährige soll ihr wenige Tage nach der Tat berichtet haben, dass eine "große Scheiße" passiert sei, Freunde von ihm hätten in jener Disconacht ein Mädchen "gefickt". Er habe aber nach einem anderen Wort gesucht und einen arabischen Ausdruck in ein Übersetzungsprogramm im Smartphone eingegeben: Auf dem Display stand das Wort Vergewaltigung. Dies bestätigte sie nun auch vor Gericht. Die zwei Angeklagten, die bisher vor Gericht ausgesagt haben, hatten von einvernehmlichen Sex gesprochen.

Die Zeugin, die aus der Region stammt, berichtete von Drohungen, die sie über soziale Netzwerke erhalten habe. Kritik übte sie an der Polizei. Bei ihrer letzten Vernehmung sei sie stark unter Druck gesetzt worden. Der Prozess wird am 14. Oktober fortgesetzt.

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