Zwei Freiburger Projekte für Geflüchtete für Deutschen Integrationspreis ausgewählt

Brigitte Rohm

Bike Bridge und Stadtpiraten: Ab heute kannst du diese zwei Projekte für Geflüchtete in Freiburg beim Crowdfunding-Contest unterstützen. Die 20 besten Initiativen bekommen dann eine extra Finanzspritze und haben gute Chancen auf die Endrunde beim Deutschen Integrationspreis.

Mit dem Deutschen Integrationspreis fördert die Hertie-Stiftung Projekte, die den Austausch zwischen Deutschen und Geflüchteten fördern und Geflüchtete aktiv einbinden. Der Preis besteht aus zwei Teilen: Ab dem 21. März startet ein Crowdfunding-Contest auf Startnext. Die 20 Teilnehmer, die in den ersten drei Wochen die meisten Unterstützer haben, bekommen eine zusätzliche Finanzspritze von bis zu 15.000 Euro. Dann geht das Rennen um den Integrationspreis weiter: Eine Jury verleiht im Oktober den mit insgesamt 100.000 Euro dotieren Preis an die von ihnen auserwählten, erfolgreich finanzierten Projekte.


Eines der Projekte im Wettbewerb ist Bike Bridge Freiburg. Das Projekt bietet Fahrradkurse für geflüchtete Frauen an. Dahinter stecken die drei Sportwissenschaftlerinnen Lena Pawelke, Shahrzad Mohammadi und Clara Speidel. Mohammadi hatte die Idee für die Initiative: "Sie kommt aus dem Iran und hat selbst die Erfahrung gemacht, dass sie vom Fahrrad absteigen musste, weil das für Frauen und Mädchen nicht üblich sei", erklärt Speidel. "Als sie dann nach Deutschland kam, hat sie gesehen, dass alle Fahrrad fahren – für sie war das eine ganz große Befreiung."

Fahrradfahren bringt Freiheit, Unabhängigkeit und Selbständigkeit

Bike Bridge Freiburg stellen ihr Projekt im Video vor



Fahrradfahren bringt Freiheit, Unabhängigkeit und Selbständigkeit: Dieses Gefühl möchten die drei den geflüchteten Frauen und Mädchen vermitteln. "Es gibt sehr wenige geeignete Sportangebote für diese Zielgruppe", sagt Speidel. "Die stellen sich nicht auf den Fußballplatz und kicken los." Ihr Angebot geht über einen Fahrradkurs hinaus: Es gibt gemeinsame Ausflüge, Fahrradtouren und Reparaturworkshops. Zehn Teilnehmerinnen werden dabei von zehn Trainerinnen betreut. "Es ist immer eine große, bunt gemischte Truppe. Wir picknicken gemeinsam, es wird ganz viel gelacht, gespielt und wir tauschen uns aus", so Speidel. "Das soll den interkulturellen Dialog fördern und Geflüchtete und Freiburgerinnen und Freiburger zusammenbringen."

Dass dieses Konzept aufgeht, beweist die große Nachfrage. Nach der Pilotphase im vergangenen Jahr sind jetzt für April und Mai 2017 vier Kurse geplant. Dafür braucht Bike Bridge jede Menge neue Trainerinnen – vierzig statt bisher zehn – und hat sie Dank des Aufrufs bei fudder auch gefunden: "Unser Postfach ist übergelaufen", sagt Speidel glücklich. Trotzdem freuen sich die drei jederzeit über neue Helfer, auch in anderen Bereichen wie der Öffentlichkeitsarbeit oder der Pflege der neuen Homepage.

Mit dem Geld aus der Kampagne würden sie auch andere Aktivitäten wie Schwimmen und Aerobic anbieten und, wenn der Bedarf in allen Freiburger Unterkünften gedeckt ist, auch Fahrradkurse in anderen Städten. Außerdem würden sie einen Satz fixer Trainingsräder kaufen. "Wir möchten 2018 natürlich auch weitermachen und haben noch große Pläne" sagt Speidel. Die schönste Belohnung für ihre Arbeit ist, wenn sie eine der Teilnehmerinnen in der Stadt lachend auf dem Fahrrad trifft.

Ein "Puzzlestück", das die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtert

Auch die Stadtpiraten haben schon sehr viele Menschen glücklich gemacht. Bereits seit 2009 hat es sich der gemeinnützige Verein zur Aufgabe gemacht, insbesondere Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien zu unterstützen und zu begleiten. "Wir sind mit einem wöchentlichen Kinderprogramm gestartet", erzählt Stadtpirat David Rösch. "Heute haben wir rund 80 Mitarbeiter und bis zu sechzehn Projekte parallel pro Woche, darunter einen Familientreff, Feriencamps und Workshops."

Das Projekt, mit dem sie jetzt beim Crowdfunding ins Rennen gehen, heißt puzzle³ und ist etwas ganz Neues bei den Piraten: "Der Grundgedanke war unser Wunsch, dass wir mal was für die Eltern machen, die es zum Teil richtig schwer haben, wenn sie hier ankommen", so Rösch. Bei diesem Projekt werden Geflüchtete bei einem Schreinermeister in Theorie und Praxis geschult und intensiv betreut. Das soll dabei helfen, sie später in Betriebe weiterzuvermitteln. Die Maßnahme stellt ein Verbindungsstück, also ein "Puzzlestück" dar, das Geflüchteten die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtert.

Die Stadtpiraten stellen das Projekt puzzle³ im Video vor



"Unser Wunsch ist, von den bisherigen acht auf sechzehn Teilnehmer hochzugehen und das Projekt für andere Fachbereiche weiterzuentwickeln", sagt Rösch. Als Dankeschön für die Unterstützung bei der Kampagne gibt es Hübsches aus Holz wie Schneidebretter oder – passend für Piraten – eine Schatztruhe.

Das wichtigste für die Stadtpiraten wie auch für Bike Bridge ist jetzt, möglichst schnell viele Unterstützer zu bekommen, um am 11. April die ersehnte Finanzspritze zu erhalten – die Höhe des Betrags ist dabei nicht wichtig, spenden kann man bereits ab fünf Euro. Wenn sie dieses Ziel erreichen, dürfen sich bald noch mehr Geflüchtete über die tollen Projekte freuen.