ZMF 2010: "Die andern müssen Angst vor uns haben"

Gina Kutkat

Das ZMF-Prgramm 2010: Zwischen ein paar Hochkarätern und einigen Enttäuschungen finden sich vor allem viele alte Bekannte. Ist dies genug angesichts der harten Konkurrenz in diesem Jahr? Eine kritische Betrachtung.



„Die anderen müssen vor uns Angst haben, nicht anders herum,“ antwortet Marc Oßwald auf die Frage, wie die ZMF-Leitung in diesem Jahr mit Konkurrenzveranstaltungen umgeht. Ein selbstbewusstes Statement, wenn man bedenkt, dass mit der Sea of Love (unter anderem Die Fantastischen Vier, Paul Kalkbrenner, 2Many DJs etc) am Tunisee in Freiburg und dem Schlossplatz Open Air in Emmendingen (a-ha, ein weiterer Act wird nächste Woche bekannt gegeben) ernstzunehmende Festivals mit hochkarätigem Line-Up an den Start gehen. Doch – so sind es die ZMFler schon aus den vergangenen 28 Jahren Festivalorganisation gewohnt - „Konkurrenz hat es immer gegeben und wird es immer geben.“


Und sowieso: Die Programmverantwortlichen Dieter Bös und Alexander Heisler sind mit ihrem Programm rundum zufrieden. Doch wird man den Eindruck nicht los, das ZMF buche dieselben Künstler wie der große Bruder vom Stimmen-Festival – bloß ein Jahr später. Beispiele in diesem Jahr: James Morrison, Gilberto Gil und Stefan Gwildis. Alle drei spielten schon in Lörrach und kommen jetzt nochmal zum ZMF. Gilberto Gil war sogar schon „wiederholte Male bei uns,“ wie Alexander Heisler anmerkt. Was James Morrison angeht, glaubt Dieter Bös, warum auch immer, dass sein Konzert „als erstes ausverkauft sein wird.“



Was Schlager-Föhnwelle Dieter Thomas Kuhn, die (zu) oft gehörten Tok Tok Tok, die Blödel-Kabarettisten Oropax oder die mysteriöse Night of The Gypsies angeht, so scheinen diese Acts seit ein paar Jahren ins Programm festgenagelt zu sein. Den Vorwurf von früher, zu wenig neue Bands ins Programm zu holen, will sich Dieter Bös (rechts im Bild neben Alex Heisler) heuer nicht gefallen lassen. Deswegen hat er gleich drei „neue Bands“ - The Sounds, Maximo Park und Gogol Bordello – ins Boot geholt. Was an diesen Bands so „neu“ sein soll, bleibt fraglich.

Als um 14 Uhr demonstrativ die bunte Kuckucksuhr des Offenburger Künstlers Stefan Strumbel kuckuckt, wird das Gespräch auf parallel laufende Aktionen gelenkt. So wird es - passend zum Ambiente der Pressekonferenz im Coucou- einen Street-Art-Tag mit Stefan Strumbel und anderen Künstlern geben. Man darf sich laut Alexander Heisler auf eine "Gesamtinstallation" freuen. Außerdem werden die WM-Spiele übertragen, Nachwuchsbands können sich auf der Actionbühne präsentieren, Slam-Poet Sebastian 23 bringt Jugendlichen die Kunst des Poetry-Slams bei und Culcha Candela laden zum CD-Cover-Wettbewerb ein.

Wie viele zahlende Zuschauer das ZMF, das sich als nicht-kommerzielles Festival versteht, in diesem Jahr braucht, will Geschäftsführer Marc Oßwald zunächst nicht so recht sagen. "Ich weiß immer erst hinterher, wieviele Zuschauer wir gebraucht hätten." Dann doch: 35.000 zahlende Zuschauer brauche das ZMF, 50 000 lägen außerhalb der Erwartungen.

Drei ZMF-Konzerttermine sind noch offen, wir hoffen auf positive Überraschungen.

Mehr dazu:

fudder: ZMF-Programm 2010
fudder: ZMF-Programm 2009
ZMF: Website