Yufkakrieg am Hauptbahnhof

Felix Lüttge

Neues aus Absurdistan: Ein 26-Jähriger Imbissbetreiber am Hauptbahnhof hat Stress mit seinen Nachbarn. Laut Mietvertrag darf er keinen Döner verkaufen. Daran hält er sich. Aber jetzt soll auch noch der Text auf seinen Werbetafeln zensiert werden. Felix sprach mit dem Wirt Mustafa Yarayan, den SC-Insider kennen dürften.



Vom Strafraum in den Schankraum

Vier Jahre lang hat Mustafa Yarayan für die Amateure des SC Freiburg in der Oberliga gekickt, unter Trainer Karsten Neitzel; trotz Profivertrag, den er mit 16 unterschrieben hatte. Dann wechselte er zum türkischen Verein Gaziantepspor. Nach zwei Knieverletzungen bekamen er und seine Frau Heimweh nach Deutschland. In Müllheim ist Yarayan aufgewachsen.

Im April dieses Jahres hat er am Hauptbahnhof einen Dönerladen eröffnet. Halt! Ein Dönerladen ist es nämlich genau nicht. Mustafa darf in seinem Laden, den er als Untermieter unterhält, laut Mitvertrag kein Fleisch vom Drehspieß verkaufen. Es ist alles nicht ganz einfach, vor allem aber ist es absurd.



Die Drehspießklausel

Die Räumlichkeiten für sein Restaurant hat Mustafa (Untermieter) von einer Bäckerei (Zwischenmieter) gemietet, die diesen Raum wiederum vom Eigentümer (Vermieter) des Gebäudekomplexes gemietet hat. Schon verwirrt? Das waren wir auch und haben nachgefragt.

Mustafa mietet den Raum für seinen Laden von einer Bäckerei. Im Mietvertrag zwischen Mustafa und der Bäckerei steht, dass Mustafa dort kein Fleisch vom Drehspieß verkaufen darf. Also auch keinen Döner. Mustafa verkauft deshalb Pommes Frites, Würstchen, Frikadellen und so weiter. Frikadelle heißt auf Türkisch „Köfte“ und weil Mustafa türkischer Herkunft ist, möchte er es gern als „Köfte“ anpreisen. Auf einem Schild vor seinem Laden konnte man daher lesen: „Köfte im Yufka“.

Der Bäcker, der den Laden ja auch nur mietet, hat einen Mietvertrag mit dem Vermieter des gesamten Gebäudekomplexes. In diesem Vertrag steht, dass in den Restauranträumen von Mustafa neben Fleisch am Drehspieß auch keine türkischen Speisen verkauft werden dürfen. Mustafa selbst ist aber nur an den Vertrag gebunden, den er auch unterschrieben hat. Und von türkischen Speisen ist in diesem Vertrag nicht die Rede.


Yarayans Neologismus "Orienta"

Köfte als Konkurrenzfaktor

Wegen des Wortes „Köfte“ hat Mustafa jetzt jedenfalls Ärger gehabt. Köfte sei eine türkische Speise, meint die Rechtsvertretung der Gesellschaft, die die Gebäude verwaltet. Und die dürfte in Mustafas Laden nicht verkauft werden. Die Frikadellen im Blätterteig sind bei Mustafa so lange eine nicht-türkische Speise, wie sie nicht "Köfte im Yufka" heißen. Benutzt Mustafa aber das türkische anstatt des deutschen Vokabulars, verschiebt sich die Herkunft seiner Gerichte um einige tausend Kilometer nach Südost.

„Köfte“ heißt bei Mustafa jetzt „Orienta“. Das ist ein Kunstwort und das Problem somit vom Tisch. Könnte man meinen. Denn jetzt stören sich die Rechtsanwälte am Wort „Yufka“. Das aber will Mustafa nun nicht mehr ändern: „Wenn wir jetzt nicht mehr Yufka, sondern Blätterteig auf die Tafeln schreiben, werden die nächste Woche irgend etwas anderes finden“, glaubt er.

Warum all das?


Yarayans Nachbar darf auf sein Werbeschild schreiben, was er will.

Angst vor Kundenverlust

Der Zufall will es, dass in den Gebäuden seit etwa fünf Jahren ein zweiter Fast Food-Anbieter ein Restaurant betreibt, in dem türkische Gerichte verkauft werden. Ob der ähnliche Probleme hat oder etwas von Mustafas Sorgen weiß, haben wir ihn gefragt. Er wollte sich dazu nicht äußern, es hieß lediglich: „Wir haben unsere Preise, unsere Öffnungszeiten. Wir haben kein Problem.“

Ob Köfte, Orienta oder Frikadelle: am Geschmack hat es bei Mustafa nichts geändert. Das Auge, sagt man, isst mit. Vom Ohr war da nie die Rede.