Wulf Piazolo über Big Brother

Anita Reiter

Das deutsche Big Brother Haus bewohnt dieser Tage zum zweiten Mal ein Breisgauer: Andy, 25, aus Ehrenkirchen. Vor einer Woche begann die neunte Staffel und Andy war der Erste, der in die TV-WG einzog. Sein Vorgänger war Wulf Piazolo, der als erster Freiburger vor acht Jahren BB-Bewohner wurde. Fudder sprach mit ihm über seine Erinnerungen und fragte ihn nach Tipps für Andy.



Wulf ist heute 34 Jahre alt und betreibt die Freiburger Cohibar. Er kann kaum glauben, dass schon fast acht Jahre vergangen sind seit seinem Einzug in Deutschlands berühmteste TV-WG. Die dritte Staffel lief vom 27. Januar bis zum 12. Mai 2001 und Wulf verbrachte die gesamten 106 Tage im Big Brother Haus.


Erst in der großen Finalshow verließ er das Haus und wurde Dritter. Dies bezeichnet er als seinen schönsten Big Brother Moment: „Wenn man es geschafft hat, 106 Tage drin zu bleiben, in der Finalshow auf dem roten Teppich rausgeht und dann seine Freiheit wieder hat, das ist ein tolles Gefühl.“

Er habe alles erlebt, was man bei Big Brother erleben kann, erinnert sich Wulf. Auch nominiert wurde er einmal. Bereut hat er den Schritt in die TV-WG nie: „Ich möchte es nicht missen. Es war eine tolle Erfahrung und ich stehe zu allem, was ich in meinem Leben gemacht habe, auch zu Big Brother.“



Andy, den jetzigen Big Brother Bewohner aus Ehrenkirchen, kennt Wulf vom Sehen, denn er ist vor seinem Einzug ab und zu Gast in der Cohibar gewesen. Andy werde vor allem an Erfahrung gewinnen, ist sich Wulf sicher; im Positiven wie im Negativen. Wulf selbst hat gelernt, die Medienwelt kritischer zu sehen. „Big Brother hat Unmengen an Filmmaterial und das können sie hinschneiden, wie sie wollen“, sagt Wulf. Auch Stimmungsmache gegen einzelne Kandidaten sei möglich: „Bei mir war das nicht so das Problem. Aber es gab wirklich welche, die anders dargestellt wurden, als sie im wahren Leben eigentlich sind.“

Wulf fallen Unterschiede zwischen seiner dritten Staffel und der jetzigen neunten Staffel auf: „Die Tage waren bei uns eher langweilig und zogen sich ganz schön in die Länge. Bei uns gab es ja nur einen Hausbereich und daher keine Wechselmatches. Das führte dazu, dass ich mit meinem Mitbewohner Medy die Aufschriften auf Saftpackungen auswendig lernte und wir uns gegenseitig abfragten“, erinnert sich Wulf lachend. Einmal bastelten sich Wulf und Medy ein Schachspiel.

Das mussten sie aber am nächsten Tag bei Big Brother abgeben, weil sie nur noch spielten und nicht mehr viel redeten. Als Big Brother einmal als Strafe einen Drill Instructor ins Haus schickte, reagierten einige Bewohner eher froh, da sie endlich mal was zu tun hatten und Sport treiben konnten.



Wulf ist immer auf dem Boden geblieben und auch Andy würde er raten, das ganze Projekt realistisch zu sehen. Den großen Durchbruch im Big Brother Haus schaffen zu wollen, sei eine Illusion. „Man muss das alles ein bisschen reduzieren und es vor allem als Spiel sehen. Mehr ist es ja nicht“, sagt Wulf. Auch seine Leistung im Haus sieht er nüchtern: „Man ist über einen gewissen Zeitraum im Fernsehen präsent, aber man macht ja nichts Besonderes. Man ist kein Star und so fühle ich mich auch nicht.“

Nach der Zeit im Big Brother Haus konnte Wulf ungefähr ein Jahr lang von Medienauftritten und ähnlichem leben. Nach dem Auszug ist man erst einmal in einem fünfjährigen Promotion-Vertrag gebunden. Über die Inhalte darf Wulf nach wie vor nicht reden. „Es muss aber ganz klar sein, dass der Erfolg nichts Langfristiges ist und sich der Rummel irgendwann legt“, sagt Wulf.

Ansonsten kann der erste Badener im Big Brother Haus dem zweiten nur eines raten: „Man sollte sich normal verhalten, so wie man draußen auch ist. Man sollte nicht aufgesetzt und überdreht sein. Man sollte nichts tun, was man im wahren Leben nicht auch tun würde, nur damit man im Fernsehen gut rüber kommt.“

Wulfs Survival Tipps fürs Big Brother Haus

  • Sei realistisch. Big Brother ist nicht der große Durchbruch und der Starrummel ist zeitlich begrenzt.
  • Sieh das Ganze als Spiel und nimm es nicht zu Ernst.
  • Gib der Langeweile im Haus keine Chance. Sei kreativ und such dir Beschäftigung.
  • Sei so, wie du bist. Verstell dich nicht, nur um anderen zu gefallen.
  • Steh zu deiner Zeit im Big Brother Haus.