Wovon ein Rennfahrer nie genug haben kann

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was den Österreicher Niki Lauda von allen anderen Formel 1-Weltmeistern unterscheidet? Wenn man ihn anschaut, sieht man sehr deutlich die Spuren von dem entsetzlichen Unfall, den er selbst als "sein Barbecue" bezeichnet. Doch nicht nur die sichtbaren Verbrennungen sind ihm geblieben, auch im Inneren hat er sich sehr verändert.

Bei dem tragischen Unfall am 1. August 1976 auf der Nordschleife des Nürburgringes blieb Lauda zunächst in seinem brennenden Ferrari mitten auf der Strecke liegen. Der vollgetankte Bolide stand schon über eine halbe Minute in Flammen, als mehrere Fahrerkollegen, die teilweise in Laudas Auto hineingefahren waren, ihn aus dem Wrack zogen.


Bei dem Zusammenprall mit einer Mauer, wofür wahrscheinlich ein Fehler in der Radaufhängung verantwortlich war, riss es Niki Lauda auch den Helm mitsamt der feuersicheren Schutzhaube vom Kopf. Deswegen sieht man heute noch die schweren Brandnarben in seinem Gesichtsbereich.

Als er in das Krankenhaus eingeliefert wurde, stellten die Ärzte schnell fest, dass nicht etwa die äußerlichen Verbrennungen das Schlimmste waren, sondern die Lungenverätzungen, die durch das Einatmen des giftigen Rauches der brennenden Kunststoffkarosserie entstanden waren. Und im Gegensatz zu den äußeren Verletzungen bedurften diese auch eines deutlich höheren Heilungsaufwandes.

Zwar saß er schon 42 Tage nach dem Unfall wieder am Steuer, doch musste er über Jahrzehnte Medikamente nehmen, die auch ihre Nebenwirkungen hatten: Nach und nach wurde seine Nierenfunktion immer schwächer; er brauchte Nierenspender. Die fand er auch, und zwar 1997 in seinem Bruder Florian und acht Jahre später in seiner Lebensgefährtin Birgit.

Doch die alten Organe, die ja noch ein bisschen funktionierten, ließen die Ärzte in ihm drin. Dadurch ist Niki Lauda heute einer der sehr wenigen Menschen auf der Welt, in dem vier Nieren von drei verschiedenen Leuten arbeiten.