Workeer: Die erste Jobbörse für Flüchtlinge – auch Freiburger Firmen sind dabei

Gina Kutkat

Zwei Berliner Studenten haben Deutschlands erste Jobbörse für Flüchtlinge ins Leben gerufen: Workeer heißt das Projekt, das sich zu einem Volltreffer zu entpuppen scheint. Auch Freiburger Firmen sind dabei.

 



„Wir möchten mit workeer Arbeitssuchenden den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern“, sagt der 24-jährige David Jacob. Zusammen mit seinem Kommilitonen Philipp Kühn, 25, steckt er hinter dem Konzept von workeer. Die Jobbörse ist im Rahmen ihres BA Kommunikationsdesignstudiums an der HTW Berlin im Sommer 2015 entstanden und bringt Flüchtlinge mit potentiellen Arbeitgebern zusammen. Seit Juli ist eine Beta-Version online - Nutzer können in den kommenden Monaten ihr Feedback abgeben. Ende das Jahres soll dann die offizielle Version an den Start gehen.


Das Thema Flüchtlinge ist momentan überpräsent, deswegen haben die beiden Studenten mit ihrer Erfindung einen Volltreffer gelandet. Die Resonanz auf ihre Plattform ist groß. Auch aus Freiburg haben sich schon Firmen registriert. Zum Beispiel Kultwerk, die Freiburger Agentur für Corporate Design, Werbung und Digitale Lösungen. „Von workeer haben wir durch Facebook und einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung erfahren“, sagt Geschäftsführer Stefan Vomstein.

Ausgeschrieben ist eine Stelle zum Web-Entwickler. Die Motivation war Vomstein und seinem Co-Inhaber Jens Vogel sofort klar: "Jedes Projekt, das deutlich macht, dass dieses Land nicht mehrheitlich aus xenophoben Vollidoten besteht und ganz im Gegenteil viele Menschen hier Flüchtlinge willkommen heißen, ist es wert unterstützt zu werden." Noch seien keine Bewerbungen eingetroffen, und ob in absehbarer Zeit was kommt, ist er sich nicht sicher. „Aber wenn was kommt, umso besser.“

Workeer soll als Raum verstanden werden, der die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Flüchtlinge berücksichtigt. Sie können sich registrieren, ein Profil anlegen und nach Tätigkeit oder Städten suchen. Allerdings nur, wenn sie Deutsch sprechen - denn bisher ist die Seite nur in einer Sprache verfügbar.

210 Geflüchtete haben sich bisher angemeldet, es sind Zahnärzte, Computertechniker oder Kellner dabei. Die meisten sprechen mehrere Sprachen und schreiben konkret, nach welche Art von Beschäfitgung sie suchen. Problem: Wie es weitergeht, wenn Arbeitgeber und Flüchtling zusammengefunden haben, können auch die Betreiber nicht voraussagen. Von arbeitsrechtlichen Fragen distanziert sich die Seite.

Die Arbeitsagentur begrüßt das Engagement grundsätzlich sehr, rät den Arbeitgebern jedoch, auf jeden Fall einen Spezialisten hinzuzuziehen, wenn ein passender Bewerber gefunden ist. "Vor allem Fragen zum Aufenthaltsrecht und zum Arbeitsrecht müssen geklärt werden", sagt Theresia Denzer-Urschel, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Freiburg. Manchmal reiche ein Anruf, es könne aber auch komplizierter werden. Asylbewerber dürfen seit neuestem bereits nach drei Monaten arbeiten, "zum Glück ist uns die Politik da entgegengekommen."    

189 Arbeitgeber
aus ganz Deutschland sind aktuell mit 227 Jobs registriert, Tendenz stetig steigend. Die unterschiedlichsten Branchen sind vertreten: Von Architektur über Marketing bis hin zu Tourismus sind einige Angebote dabei. Die Gefahr, dass Flüchtlinge ausgenutzt werden könnten, ist den Machern bewusst: „ Wir haben keinen Einfluss darauf, welche Art von Beschäftigung beziehungsweise Bezahlung Arbeitgeber auf workeer inserieren.“

Auch die Virtual Minds AG aus Freiburg ist mit zwei Anzeigen bei workeer gestartet. "Bereits in der ersten Woche haben uns Anfragen und Bewerbungen erreicht", sagt Christian Winkler, Head of Human Resources. Diese befänden sich zwar noch in einem frühen Bewerbungsstadium, sie bestätitgen aber seine Erwartungen: "Alles qualifizierte und hoch motivierte Menschen".

Das mittelständische IT-und Softwareunternehmen ist seit der Gründung vor 15 Jahren mit einem Fachkräftemangel konfrontiert. "Wir experimentieren ständig mit neuen Medien und Plattformen. Dabei sind wir kürzlich auf das Projekt workeer gestoßen, das wir aus vielerlei Sicht interessant und unterstützenswert finden", sagt Gründer Andreas Kleiser.

Workeer ist erst seit Ende Juli online und hat trotzdem schon hohe Wellen geschlagen. In den sozialen Netzwerken findet es viel Zuspruch. "Ein Projekt, das aktuell relevanter ist denn je", schreibt ein Nutzer. Das findet auch Jennifer Wägerle, die für das Diakonische Werk Freiburg Flüchtlinge berät: "Ich halte das Projekt für sehr sinnvoll und sehr wichtig."

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[Fotos: dpa, kultwerk, virtual minds]