Wolfgang D. Schrempp: Ein Freiburger in Australien

Frederik Baumann

Freiburger Bobbele verschlägt es in die ganze Welt: Wolfgang D. Schrempp ist einer von ihnen. Nach Aufenthalten in München und Rom lebt er mittlerweile in Australien. Dort arbeitet er als Chef von Mercedes für den asiatisch-pazifischen Markt. Frederik hat Wolfgang D. Schrempp in Melbourne getroffen.



Es ist Anfang März. 5/9 meines Weltreisekuchens sind bereits verschlungen. “In Melbourne musst du unbedingt Wolfgang D. Schrempp treffen, er war vor langer Zeit Chef von Mercedes Freiburg!" Gesagt, getan und die Chefetage von Mercedes Melbourne mit Anrufen vom frisch erworbenen australischen Mobiltelefon belästigt. Der viel beschäftigte Spitzenmanager ist zur Zeit in Sydney und melde sich bei mir, beizeiten. Mit begrabener Hoffnung befinde ich mich beim Grillen im Garten einer australischen Studentenbude, da brüllt mein Handy in die Tasche. Wolfgang D. Schrempp, höchstpersönlich, wäre nur noch bis Mitte nächster Woche im Lande. Da auch ich plane, meine Melbourner Zelte bald abzubauen, stellt dies nicht das geringste Problem dar. "Morgen Abend? Belgisches Biercafe im Central Business  District, sagen wir 19:30 Uhr?"


Wolfgang Schrempp ist seit 18 Monaten verantwortlich für Mercedes-Benz Australia/Pacific, von Tahiti bis Perth und Tasmanien bis Cairns, es ist der gesamte Kontinent. Das war dann aber auch alles was ich vorbereitend in der travel-üblichen, kurzen (Internetcafé-) Zeit herausfinden konnte. „Sind Sie Herr Heisler?“ "Wenn Sie Herr Schrempp sind? Es ist zwanzig nach sieben. Auf seine Initiative hin gehen wir vorerst an die Bar, an der es hervorragendes offenes Bier gäbe. Sehr angenehmer Start für ein „Interview“. In Freiburg geboren hat Wolfgang D. Schrempp unter anderem Lehramt und Ingenieurwissenschaften studiert. Da es seine Fächerkombination in Freiburg nicht zu studieren gab, kehrte er dem Breisgau das erste Mal den Rücken und zog nach Berlin – an die technische Universität. Nach vollendetem Studium (Fahrzeugbau, Politische Wissenschaften, Pädagogik und Psychologie) ging es zurück nach Baden an die Berufsschule in Freiburg.

Das war ganz schön als Lehrer. An schlechten Tagen korrigiert man und an guten geht man einfach raus. Oder man hatte beispielsweise die ersten drei Stunden bis zehn Uhr morgens und danach geht’s gemütlich in die Stadt. Nach einem „Viertele Roten“ zurück um daraufhin gegen 13 Uhr die nächsten Stunden zu geben.

Er ist offensichtlich auch ein Genießer. Ein gut organisierter, sehr strukturierter Genießer; geschliffene Gläser ohne Rand auf der Nase und die Krawatte sitzt, der Anzug ebenso. Schließlich auch wir, und wir bestellen etwas zu essen – „Das Steak ist sehr zu empfehlen“.

Seine Karriere verlief nach der Lehrerlaufbahn in Freiburg wie folgt: Erst verantwortlich für das weltweite NFZ-Vertriebstraining, dann Niederlassungsleiter in Freiburg und München, anschließend Präsident und CEO der DaimlerChrysler Italia in Rom und nun also in gleicher Position – Australien und Melbourne. Er könnte sich sehr gut vorstellen dort zu bleiben, „es ist ein tolles Land“. Viel Platz, das steht fest, aber was ist zum Beispiel mit einem amtlichem Brot, nicht dem typisch australischen Kaugummi ähnelnden Qietsch-Weißbrot? Das müsse er doch vermissen, oder? „Nun gut, man muss eben die richtigen Orte wissen, wo es was genau gibt – aber dann kann man das auch hier haben.“ Wurst jedoch ist etwas, das Schrempp sehr vermisst, vor allem die bekannte Bratwurst früh am Samstagmorgen auf dem Münsterplatz. Mit Zwiebeln. Wie in aller Welt kann man denn dann diesen Würsten den Rücken zukehren? „Die Stadt ist nicht mehr ganz, wie sie einmal war“, so der gebürtige Freiburger. Die vielen wunderschönen Sträßchen seien mittlerweile gespickt mit Läden, die man überall in allen Städten findet. Mainstream so zu sagen. „Außerdem ist Freiburg inzwischen – nach München, Rom und Melbourne – etwas klein geworden.“ Nicht nur bezüglich der Einwohnerzahl, sondern „auch in der Struktur.“ Melbourne im Vergleich habe so vieles zu bieten, „nicht so viele alte Steine zwar wie Freiburg und Rom, aber wenn man sich umsieht, gibt es zig Möglichkeiten Sehenswertes zu entdecken, besonders in der Natur.“ Wenn noch einmal Deutschland, dann könnte er sich ein Leben in München vorstellen. Dort hat Wolfgang D. Schrempp eine kleine Wohnung hat, seine Tochter studiert dort Jura. Der Unterschied zwischen den Einwohnern von Melbourne und einem Freiburger sei indes nicht allzu groß. Er komme pünktlich und gehe aber auch sehr pünktlich. „Verständlich, wenn am nächsten Tag die Termine warten.“ Sehr zuverlässig sei er auch. Was an Australiern auch zu beobachten sei, sei das erfrischend Unorthodoxe und Spontane. „Wenn bei einer Vorstellung eines Geländewagens auf Fraser Island die Pressevertreter zurück zum Airport gebracht werden sollen, dann sperrt man drei Kilometer Strand einfach ab und die Journalisten werden mit Kleinflugzeugen, die am Strand landen, ausgeflogen.“ Komplett undenkbar in Deutschland, wo erst einmal alles geprüft werden müsse.



Nichtsdestotrotz wird die Heimspielkarte „Baden“ mit Stolz und Freude schon das ein oder andere Mal ausgespielt. Zu diesem oder jenem Kunden- und Händlertreffen geht es dann nach Rastatt zum Werk, in dem die A-Klasse produziert wird, und danach nach Baden-Baden in einen klassischen Weinkeller. Selbstverständlich zum Abschluss des Meetings noch in den Europa-Park, wo man sich im SilverStar seiner Nervenstärke bewusst werden könne. Kultur, wie in Freiburg zu seiner Zeit das ZMF, wird auch in Australien unter Schrempp weiterhin unterstützt. So darf sich das Melbourne Symphony Orchestra, das Australian Ballet, sowie einige Ausstellungen in und um Melbourne des Sponsors Mercedes sicher sein. Gesehen auch bei der Formel 1, anderthalb Wochen vor dem Treffen, bei der 700 geladene Gäste in den obersten zwei Stockwerken des Eureka Towers „die Post haben abgehen lassen“, bis spät in die Nacht.

Spät geworden ist es auch heute. Melbourne ist immer noch hell. Der Business District befindet sich im Zentrum Melbournes, hier und da gibt es etwas Funkelndes und Schillerndes zu entdecken. So beispielsweise auch die schwarze Mercedes S-Klasse, in der Schrempp nach unserem Dinner-Interview und den drei Bier – natürlich nicht selbst – davonfährt.