Wohnungsbetrug in Freiburg: Die Traumwohnung, die es nicht gibt

Fabienne Hurst

Wohnungssuche in Freiburg, das heißt viele Wohnungsbesichtigungen, hohe Konkurrenz, unzählige Vorsprechen in WGs und schwindelerregende Mietpreise. Und dann ist da plötzlich auf einem Immobilienportal ein Wahnsinns-Angebot: 80qm, 3 Zimmer, 420€ Kaltmiete, Vauban, sofort beziehbar. Die Fotos zeigen große, helle Räume, alles in bestem Zustand. "Es gibt doch einen Gott!" denkt man und "Das ist zu schön um wahr zu sein!" Ist es auch. Denn hinter der Traumwohnung verbirgt sich ein Wohnungs-Scam.

Scam - das englische Wort für Betrug beschreibt eine Vielzahl von organisierten Betrügereien im Internet. Haben die Täter, die meist aus Westafrika und den Staaten der ehemaligen UdSSR stammen, ihre Betrugsversuche vor einigen Jahren primär über eMails gestartet ("Hello, my name is XYZ and you have inherited 500.000 Dollars!"), sind sie nun an vielen Orten im Netz unterwegs: in Sozialen-Netzwerken, auf Dating-Websites und auch auf Immobilienportalen. Das Ziel: den arglosen Internetnutzer dazu zu bewegen, über einen Geldtransferdienst Geld zu überweisen. Man nennt das Vorschuss-Betrug.


Beim Sonderfall des Wohnungs-Scams werden auf Immobilienportalen zu unschlagbaren Preisen Traumwohnungen angeboten. Der angebliche Vermieter lebt im Ausland und bietet seine Wohnung in Deutschland zur Miete an. Antwortet man auf die Anzeige, schreiben die Betrüger eine extrem freundliche und „persönliche“ Mail. In der zweiten Mail wird man dann dazu aufgefordert, die Kaution zu überweisen. Erst dann könne die Wohnung bezogen werden. In der Mail, die der angebliche Vermieter der Traumwohnung im Vauban heißt es in etwa “Thank you for your reply but the matter is that I'm in London / UK already. Like I have informed you before, the price you shall pay for one month of rent will be 420 EUR + 420 security deposit - kaution = (840 euro), with no extra taxes to pay. I must have one month rent + security deposit from you.”

Fotos und Angaben über die Wohnung werden fiktiv zusammengestellt oder einfach aus seriösen Anzeigen übernommen. Die Daten der Vauban-Wohnung stammen aus einer Anzeige von Susanne und Barbara Höß aus Freiburg. „Uns hat eines Tages eine Frau angerufen, der die Anzeige aufgefallen war. Sie hatte recherchiert und uns des Betrugs verdächtigt. Wir wussten erst gar nicht, wovon sie redet, wir wollten doch nur unsere Wohnung zur Zwischenmiete anbieten“, sagt Susanne Höß.

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(Die Fake-Anzeige der Vauban-Wohnung mit den Bildern und Daten der Wohnung von Susanne und Barbara Höß - Zum Vergrößern bitte klicken)

Oft wird eine Kopie des Ausweises, Bankdaten, ein unterschriebener Mietvertrag verschickt – alles gefälscht. Außerdem wird auf Zahlungsdienstleister wie „Western Union“ oder  „Moneybookers“ verwiesen, die sich um alles kümmert. „The solution is provided by a company called MoneyBookers which, which will handle both payment and delivery of the Keys”, so die Mail.

Birgit Schweikart von Immonet.de kennt diese Masche allzu gut. „Diese Art des Immobilienbetrugs existiert schon länger und kommt vor allem in Großstädten mit wenig Wohnraum vor. Dieses Jahr haben die Betrügereien massiv zugenommen“, erklärt sie. Mittlerweile sind nicht mehr nur Großstädte betroffen, denn das Netz der Betrüger wird immer feiner gesponnen und gelangt auch in kleinere Städte wie Freiburg.

Die Anbieter nehmen das Problem ernst: „Wir haben einige automatische Prüfungen in unser System eingebaut, zum Beispiel laufen Suchagenten täglich über alle Angebote in Großstädten. Sie zeigen an, wenn Größe und Preis bei einem Objekt nicht zusammenpassen. Zudem überprüft unser Sicherheitsteam die Datenbank regelmäßig nach Auffälligkeiten. Erhärtet sich der Betrugsverdacht, werden diese Angebote gelöscht und der Einsteller per Email informiert, dass er unter Betrugsverdacht steht. Auch die User, die eine Anfrage gestellt haben, bekommen eine Mail mit der Warnung, auf keinen Fall in Vorkasse zu gehen.“

Bei fast einer Million Anzeigen eine schwere Aufgabe. Deswegen rufen die Portale zur Mithilfe auf: Wer eine zweifelhafte Anzeige entdeckt, soll sich umgehend melden.

Da die Betrüger fiktive Emailadressen und falsche Namen benutzen, ist es nur schwer möglich, sie strafrechtlich zu verfolgen. „Wir möchten unseren Nutzern größtmögliche Sicherheit bieten, können jedoch nicht jeden potentiellen Betrug sofort identifizieren bzw. dafür garantieren, dass das Objekt nicht wieder eingestellt wird. Wird es bei der nächsten Überprüfung erneut gefunden, löschen wir es natürlich wieder“, sagt Birgit Schweikart. Relativ einfach kann man sich dagegen schützen, indem man ihren dringenden Rat befolgt: „Niemals in Vorkasse gehen!“

 

Tipps

 
  • Skeptisch sein: Ist das Angebot wirklich realistisch?
  • Hingehen: Das Objekt vor Ort zu besuchen, dort ruhig einmal klingeln oder bei Nachbarn etwas über die Wohnung in Erfahrung bringen.
  • Geld immer erst bei Schlüsselübergabe zahlen!
  • Melden: Wer einen Verdacht hat, mit einem Betrüger in Kontakt zu stehen, sollte sich unbedingt an das Immobilien-Portal wenden - und wer einem Betrüger auf den Leim gegangen ist, und Geld gezahlt hat, auch an die Polizei.
 

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[Bild: Symbolbild, © Günter Menzl - Fotolia.com; Screenshot: http://forum.autosec4u.info/]