Kommunikationskultur

Wofür steht die Emoji-Aubergine?

Dora Volke

Kommunikation ohne Emojis ist sicher möglich – aber deutlich weniger unterhaltsam. Lustig wird’s immer dann, wenn man merkt: Oh! diese Person meint das Emoji ganz anders als ich.

Tatsächlich haben manche Emojis ursprünglich ganz andere Bedeutungen als heute. Er ist fast schon inflationär, der Gebrauch der kleinen Gesichter und Bildchen. Aber eine SMS oder Whatsapp-Nachricht ohne Emoji wirkt inzwischen richtig kalt. Dabei sind die Emoticons eigentlich aus einem ganz praktischen Gedanken entstanden: um ernst gemeinte von ironischen Nachrichten unterscheiden zu können. Aus diesem Grund erschuf der US-amerikanische Informatik-Professor Scott Fahlman 1982 den allseits bekannten Doppelpunkt mit Bindestrich und Klammer.


90 Prozent aller Nutzer verwenden Emoji

Bei dem einfachen Lachsmiley blieb es nicht, schnell entwickelten sich weitere Bildchen. Seit 2000 steht der Begriff Emoticon, "Emotion" und "Icon" zusammengesetzt, im Duden und bezeichnet ein digitales Gesicht, das ein Gefühl ausdrückt. Das Wort Emoji ist da allgemeiner: Emojis können auch symbolhaft Ideen oder Konzepte darstellen, wie das Wetter oder Tätigkeiten. Die kleinen Bildzeichen sind Ende der 1990er Jahre in Japan entstanden – daher der Name, japanisch für "Bild" und "Buchstabe".

Benutzt werden die Piktogramme von den meisten Chattern: Eine internationale Studie von Dezember 2017, die gut 85 000 Facebook-Nutzer umfasst, zeigt, dass etwa 90 Prozent der User Emoticons gebraucht. Die beliebtesten 15 Emojis haben dabei einen Anteil von 99,6 Prozent.

Spitzenreiter unter den gelben Bildchen ist nach wie vor das lachende Gesicht – außer bei den Franzosen, da sind die Herzchen auf Nummer eins. Das belegt eine Studie des britischen Software-Unternehmens SwiftKey von 2015. Die Studie zeigt außerdem, dass Russen besonders gern romantische Symbole verschicken, arabisch-sprachige Nutzer Blumen und Pflanzen, Spanier Party-Bildchen und Italiener Bananen.

Jetzt mal ehrlich: Wer von Euch benutzt die Maus?

Bei uns Deutschen hingegen ist im internationalen Vergleich die Maus der absolute Emoji-Renner. Nicht so gerne werden in Deutschland Fast-Food-Symbole oder Bildchen, die Gewalt, Geld oder Technologie darstellen, verwendet. Doch nicht alle Emojis haben eine klare Bedeutung, manchmal können sie verwirren.



"I love you" in Zeichensprache: Auf den ersten Blick zeigt diese Hand ein ganz klares "Rock on!" Doch hier gilt ein genauer Blick, der Daumen ist nämlich draußen und somit bedeutet diese Geste in amerikanischer Zeichensprache "I love you" – wie rock-mantisch!



Verrutschte Träne: Er wird zwar gern gebraucht, aber so richtig sicher ist sich niemand, warum diese Lachträne aus der Stirn kommt. Es könnte daran liegen, dass die Träne eigentlich ein Schweißtropfen ist, der einer ungemütlichen Situation entspringt.



Der Kackhaufen! Der gute alte Kackhaufen darf natürlich in keiner kultivierten Konversation fehlen. In seiner Form erinnert er ein wenig an ein Softeis – und in Japan, der Heimat der Emojis, bedeutet er sinnigerweise Glück.



Oh nein! Die Klausur nicht bestanden, das Lieblingsmüsli leer, der Schwarm antwortet nicht: Anlässe für digitale Verzweiflung gibt es viele. Nur dass dieses Gesicht nicht verzweifelt, sondern müde oder erschöpft dreinblicken soll.



Der Auberginen-Penis: Eine Aubergine im ersten Traum des neuen Jahres ist in Japan ein Vorbote des Glücks. Die digitale Aubergine wird dagegen häufig als Phallussymbol verwendet – sodass man bei Instagram sogar eine Zeit lang nicht danach suchen konnte.



Hmm, lecker! Nach einem frechen Kommentar wird dieses Gesichtchen hinterhergeschoben: Wer kann diesem Grinsen böse sein? Eigentlich streckt dieser Emoji aber nicht aus lauter Frechheit die Zunge heraus, sondern, weil er ein leckeres Essen genießt.



Hallooo! Besonders zur Begrüßung oder zum Abschied eignet sich dieses debile Winken mit zwei Händen besonders gut.Hallooo, ich bin’s! Tatsächlich winkt dieses Gesichtchen aber nicht, sondern es bietet eine Umarmung an. Na ja, nicht allzu weit gefehlt!



How may I help you? Ist sie eine Kellnerin, die ihr Tablett vergessen hat? Rückt sie sich die Haare zurecht? Tatsächlich stellt dieses Emoji eine Person an einem Infoschalter dar, die Auskünfte gibt. Nur wozu braucht sie dafür ihre Hand?



Lieber Gott! Flehentliche Bitten bekommen bei uns häufig die betenden Hände dazu, oder aber dieses Emoji wird als ein "High-five" gedeutet. In Japan sind die aneinandergelegten Handflächen jedoch nichts anderes als ein "Bitte" oder ein "Danke".