Wo rockt's? Shift-Festival in Basel

Bernhard Amelung

An diesem Wochenende wird auf dem Dreispitzareal in Basel das Shift-Festival der elektronischen Künste zelebriert. Bernhard hat Empfehlungen aus dem reichhaltigen Festivalprogramm herausgepickt.

Basel. Dreispitzareal. Drehscheibe für Industrie und Gewerbe auf der einen, derzeitig städtischer Freiraum auf der andren Seite. Dieser noch unbesetzte öffentliche Raum befindet sich gegenwärtig in einem umfassenden Umstrukturierungsprozess, der sich im Spannungsfeld zwischen „Standortförderung“ und „Industrieromantik“ bewegt. Hier soll ein neuer Stadtteil entstehen, ein Wohn- und Gewerbecampus gleichermassen. Und obendrein eine hochwertige Adresse für Kunst und Kultur, denn die Hochschule für Gestaltung und Kunst soll dort ihren zentralen Standort finden, wo heute schon Ideen ausprobiert und umgesetzt werden.


Ein Ort mit Fernwirkung. Zu seiner auch überregionalen Ausstrahlungskraft trägt das von der Christoph Merian Stiftung mitgetragene, vom Institut für Medienwissenschaften der Universität Basel kuratierte „Shift Festival – Festival der elektronischen Künste“ bei, das einmal im Jahr dazu einlädt, einen farbenfrohen Genrecocktail zu geniessen. Bewusst gewählt ist die Mehrzahlform „Künste“, denn den Veranstaltern geht es darum, an drei Tagen die Bildende Kunst, Fotografie, Malerei, Medienkunst, Design, Film und Musik zusammen zu führen.

In Ausstellungen, Filmvorführungen, Konzerten und DJ-Sets sollen deren Schnittstellen, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede aufgedeckt, sichtbar genauso wie hör- oder spürbar gemacht werden. In Ergänzung dazu finden Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen statt.

In diesem Jahr steht das Shift Festival unter dem Leitgedanken „Lost & Found – wieder entdecken und neu interpretieren.“ Verallgemeinernd und zusammenfassend ausgedrückt geht es den Veranstaltern um die Darbietung von Werken der Bild- und Sprachkunst sowie der Musik als Teil eines immerwährenden Rezeptionskreislaufs – von der Einspeisung bis zu einem möglichen Herausfallen.

Das liest sich abschreckend intellektuell, oberflächlich und völlig unbefriedigend. Daher bietet sich an, das Shift Festival mit einem Besuch der „Retro Game Lounge“ zu eröffnen. Hier haben die Festivalbesucher die Möglichkeit, alte Spielkonsolen genauso wie alte Computerspiele – von Atari, Commodore oder Nintendo - (wieder) zu entdecken sowie deren Neufassungen der Jetztzeit zu zocken. Zu den Ausstellungshighlights zählt mit Sicherheit die Installation „Prepared Gameboys“ des Niederländers Gijs Geskes. Er nimmt dabei Bezug auf die „prepared pianos“ des US-amerikanischen Komponisten und Musikers John Cage und überträgt dessen kompositorische Strukturen auf die 8-Bit-Musik.

Wem dies immer noch zu abgefahren nerdig ist, sei an den Auftritt des Briten Matthew Herbert verwiesen. Ende September 2009 hat der DJ und Produzent den Offenbacher Club Robert Johnson mit Mikrofonen ausgestattet, sämtliche Geräusche mitgeschnitten und aus den Samples ein Album, „One Club“, produziert. Diese Sampling-Kunst wird er, der seit Anfang der Neunziger Jahre auch als House-, Big Band- und Filmmusik-Produzent unterwegs ist, in einer Performance zum besten geben.



Abfahrtsorientierte Musikliebhaber werden vor allem am Samstag auf ihre Kosten kommen. Neben dem Basler Chris Air, unter anderem bekannt geworden durch seine Sets im Presswerk, begrüsst das Shift Festival mit Juan Atkins(Bild oben) ein Mitglied der „Belleville Three“. Er zählt neben Derrick May und Kevin Saunderson zu den Göttervätern des Detroit Techno und hat mit Platten wie „Techno City“ oder „No Ufo“ wesentliche Blaupausen dieser Musikrichtung geschaffen. Zukunftsgewandte Soundscapes, die bis heute bewahrt, übernommen und weiterverarbeitet werden.

Seinen Auftritt vorbereiten wird das Moritz von Oswald Trio (Bild unten), dessen Namensgeber in den frühen Neunzigern die Techno-Achse Berlin-Detroit mitbegründet hat und – wenn man so will – zum Synonym für das Genre Dub Techno geworden ist. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Sasu Ripatti alias Vladislav Delay und Max Loderbauer leitet er die Nacht mit endlos wiederkehrenden hypnotisierenden Grooves ein.

Die Performances von Dorian Concept und Jimmy Edgar, der in diesem Jahr mit eigenwilligen Electro-Funk-Kompositionen in seinem Album “XXX”, veröffentlicht auf K7! Records, erheblich Aufmerksamkeit erregt hat – ein Sahnehäubchen.



Mehr dazu:

Was: Shift Festival 2010
Wann: Donnerstag, 28. bis Sonntag, 31. Oktober 2010
Wo: Dreispitzareal, Basel-Münchenstein
Tickets: Festivalpass 55 CHF (35 Euro), Tagespass Freitag oder Samstag 30 CHF (20 Euro), Tagespass Sonntag 15 CHF (10 Euro)