"Wir verkaufen Emotionen, Erlebnis und Musik": Interview mit Sea-You-Veranstalter Robin Ebinger

Bernhard Amelung

Die Sea You ist um, sie war ein gelungenes Techno-Festival mit großartigen Acts wie Nina Kraviz und Dominik Eulberg. Veranstalter Robin Ebinger zieht im fudder-Interview Bilanz. Er lobt die wunderbare Location am Tunisee, rechtfertigt das verwirrende Token-System und die schmutzigen Klos und erklärt, warum die Sea You 2014 eine Investition in die Zukunft war:



Herr Ebinger, wie geht es Ihnen nach der ersten „Sea You“: Euphorie oder Katerstimmung?

Auf keinen Fall Katerstimmung. Die Vorbereitungszeit und das Festival-Wochenende waren allerdings sehr anstrengend für uns. Wir standen vor allen Herausforderungen, die man als Veranstalter erleben kann. Marco Carola und Luciano mussten ihren Gig kurzfristig absagen, wir mussten schnell für Ersatz sorgen. An zwei Tagen herrschte große Hitze, für den dritten Festivaltag waren mögliche Unwetter vorhergesagt und beim Abbau regnete es stark. Das hat Kraft gekostet.

Trotz einer rund 20-jähriger Erfahrung im Veranstaltungsbereich?

Langjährige Erfahrung bedeutet nicht, dass einem alles leicht von der Hand geht. Die Planung auf dem Reißbrett ist das eine. Die Realität sieht aber oft anders aus. Das Gelände am Tunisee ist zwar wunderschön, aber doch recht schwer zu bespielen. Die Laufwege sind zum Beispiel sehr lang. Es gibt nicht überall Strom, nicht überall können Wasser- und Abwasserleitungen gelegt werden. Da war unsere Lernkurve sehr steil. Letzten Endes ist aber jedes Großevent ein Kraftakt.

Manche Gäste beschwerten sich auf Facebook über die Duschen und die Toilettenanlage. „Zu wenig und zu schmutzig“, lautete die Kritik. Auch der Weg von den Parkplätzen zur Campingwiese sei zu weit gewesen. Wie gehen Sie damit um?

Wir nehmen Kritik sehr ernst. Wir gehen nach Möglichkeit auch immer sofort darauf ein. Wir sind schließlich nicht vom Fehlermachen befreit. Der Weg von den Parkplätzen zum Campingplatz war vergleichsweise weit. Das sind allerdings die Voraussetzungen am Tunisee, daran lässt sich nichts ändern. Dafür war der Campingplatz unmittelbar an das Festivalgelände angeschlossen. Das gibt es auch nicht überall. Toiletten und Duschen sind zwar ein Dauerthema, Dixi-Klos sind aber Standard. Die gibt es auch auf anderen Festivals wie dem Melt oder Rock am Ring.

Kritisiert wurde auch das Token-System. So kursierte das Gerücht, dass man übrige Bons nicht einzeln eintauschen konnte.

Das stimmt nicht. Man konnte auch nur einen einzelnen Bon wieder gegen Bargeld eintauschen. Wir haben jedoch per Aushang darauf hingewiesen, dass wir die Bons nur bis zu einem Maximalwert zurücknehmen. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um zu verhindern, dass jemand mit einer ganzen Tüte voll geklauter Bons an die Kasse kommt und sich unrechtmäßig bereichert.

So ein Token-System ist übrigens internationaler Standard. In den Niederlande gibt es kein Festival, auf dem man mit Bargeld bezahlen kann. Weltweit arbeiten Veranstalter mit einem Token-System. Und bei den meisten kann man sogar seine Bons nicht mehr zurückgeben. Im übrigen gilt das auch auf vielen deutschen Stadtfesten. Insofern ist der Rücktausch-Service, im Gegensatz zum Token-System, keinesfalls Standard.

Nach dem Festival ist vor dem Festival. Wie verfahren Sie mit dem Projekt „Sea You“ in den kommenden Wochen?

Unsere Produktionsleitung vor Ort ist erst heute wieder aus Freiburg zurückgekehrt. Wir werden das Festival in den kommenden Tagen und Wochen aus organisatorischer und betriebswirtschaftlicher Sicht aufarbeiten. Wir werden uns anschauen, ob die Catering-Stände optimal auf dem Gelände verteilt waren. Wir untersuchen, welche Bars sich bewährt haben und welche wir ergänzen müssten. Das erste Mal ist immer eine kostenintensive Produktion, eine Investition in die Zukunft ohne finanziellen Return.

Das klingt sehr nüchtern.

Wir verkaufen Emotionen, Erlebnis und Musik. Und das mit viel Leidenschaft. Das fußt allerdings dennoch auf betriebswirtschaftlichen Grundsätzen. Daher ist aus Veranstaltersicht eine solche Nachbetrachtung unerlässlich. Schließlich hat Cosmopop zwanzig festangestellte Mitarbeiter, die mit dieser Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dass wir während der drei Tage mit unseren Künstlern, dem Publikum und der Stimmung sehr zufrieden waren, bleibt davon unberührt. Was das betrifft, haben wir viele schöne Erfahrungen gemacht.

Was bleibt besonders in Erinnerung?

Die wunderschöne Location. Ich habe den Tunisee am Freitag zum ersten Mal im Sommer gesehen, und der erste Impuls war direkt Wasserski fahren zu gehen. Obwohl ich das gar nicht kann. Und dass soviel Menschen am Sonntag trotz Regen geblieben sind und eine unglaubliche Atmosphäre geschaffen haben bei den Sets von Dominik Eulberg und Joseph Capriati, die kurzfristig für die ausgefallenen Luciano und Marco Carola eingesprungen sind.

Wie wird es bis zu einer „Sea You“ 2015 weiter gehen?

Für uns geht es zunächst einmal nach Kroatien. Dort richten wir das Sonus-Festival aus. Danach organisieren wir ein Event zum 50. Geburtstag von Sven Väth. Weiter geht es mit der Time Warp in den Niederlanden und dem Stuttgart Electronic Music Festival. Das sind vier große Produktionen, die uns gut beschäftigt halten werden.