"Wir können nix dafür": Interview mit Moritz Krämer

Janna Breitfeld

Moritz Krämer verpackt Momentaufnahmen einzelner, ganz bestimmter Gefühle in detailverliebte Gitarrenlieder. Gerade hat der Singer-Songwriter sein Debütalbum "Wir können nix dafür" herausgebracht. Am Samstag, 16. April, kommt er für das Goldene Zeiten-Festival nach Lörrach in den Burghof. Janna hat vorab mit ihm gesprochen - über Freiburg, Berlin und das Schöne am Fahrradfahren.

Moritz, du hast am Goethe-Gymnasium in Freiburg dein Abitur gemacht. Inwieweit hat unser Städtle jetzt noch einen Platz in deinen Liedern?


 
Irgendwie schon noch. Es gibt ein Lied das heißt „90 Minuten“, das ist über jemanden, mit dem ich dort aufgewachsen bin, und „Klaus“, das handelt auch von 'nem Jungen, der in Freiburg wohnt.

Deine Lieder wirken wie Momentaufnahmen von Gefühlen. Wie würdest du das Freiburg-Gefühl in ein Lied verpacken?

 
Da ich Freiburg mit einer bestimmten Zeit verbinde, hätte das Lied mit dieser Zeit und dem Freundeskreis zu tun. Die Stadt selbst wäre dann von dieser Zeit geprägt. Ich hab aber jetzt ein ganz anderes Gefühl, wenn ich in Freiburg bin, als damals, und es ist gar nicht so ein einziges Gefühl zu der Stadt, es ist immer etwas anderes.

Das verknüpft sich dann immer mit: Heute besuche ich meine Mutter, oder: Heute ziehe ich von zu Hause aus, mit meinem Freund in 'ne WG und mach das Abitur in Freiburg. Das sind dann unterschiedliche Lebensgefühle. Ein Detail für das Gefühl von damals wäre zum Beispiel Klaus, der kleine Junge auf dem Balkon.

Und wie würdest du das Berliner Gefühl einfangen?

 
Berlin hat ja so viele unterschiedliche Ecken. Wenn ich zum Prenzlauer Berg fahre, dann ist es dort anders, als in der Ecke, wo ich wohne.

Es ist kalt, man hat sich eingemummt und fährt auf'm Fahrrad und denkt an irgendwas - so etwas verbinde ich zum Beispiel mit dem Winter in Berlin. Zu der Ecke, in der ich wohne, habe ich ein sehr warmes Gefühl. Sommer in Berlin verbinde ich damit, auf der Admirals-Brücke Straßenmusikern zuzuhören.

Inwieweit hat Berlin deinen Musikstil beeinflusst?

 
Das kann man schwer sagen, weil man das ja nicht richtig mitkriegt, wie einen so etwas beeinflusst. Als ich in Freiburg war, hab ich natürlich nicht die gleichen Sachen gemacht wie jetzt in Berlin. Da war ich ja noch zehn Jahre jünger und mich hat wahrscheinlich noch anderes interessiert. Ich weiß es nicht, weil ich keinen Vergleich habe. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich groß anders wäre, wenn ich zehn Jahre in Hamburg gewohnt hätte.

Wo stehst du in deinen Texten? Bist du eher der Beobachter, jemand, der von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, oder ein Geschichtenerzähler?

 
Meine Texte handeln von Sachen, die mich interessieren, weil ich mit Freunden gesprochen habe oder weil ich mir darüber Gedanken gemacht hab. Dadurch dass ich Eigenschaften von mehreren Leuten in meinen Texten vermische, werden daraus vielleicht fiktive Figuren. Aber ich würde mir selber nicht das Label eines Geschichtenerzählers aufdrücken.

Manche Texte sind vielleicht konfus oder abstrakt, aber es ist gar nicht meine Absicht, irgendwas zu verschlüsseln. Eigentlich sind die für mich immer ganz konkret und haben einen klaren Bezug zu etwas.

In deinem Lied „Mitbewohnerin“ singst du „Ich denk an dich und grinse, immer wenn ich Fahrrad fahr“. Darin findet sich so mancher Freiburger Student natürlich wieder …

 
Da seh ich immer die Skalitzer Straße. Ich weiß nicht warum, aber da seh ich immer so Höhe Görlitzer Park, zwischen Görlitzer Bahnhof und Schlesischem Tor, die Skalitzer Straße.

Ja, und ich find den Moment so schön, dass man an was denkt und ohne es zu merken und ohne, dass man damit einen Zweck verbindet, geht das nach außen. Normalerweise ist das ja so, dass man, wenn man lächelt oder ernst guckt, sich darüber bewusst ist, damit etwas auszusenden. Aber manchmal merkt man das erst im Nachhinein, dass man etwas unbewusst ausgesendet hat. Und beim Fahrrad fahren finde ich so schön, dass es da keiner sieht. Es ist einem nicht bewusst und man sendet was nach außen, ohne dass es Sinn macht, weil man alleine auf’m Fahrrad sitzt.

Mehr dazu:

Was: Moritz Krämer & Band beim Goldene Zeiten-Festival
Wann: Samstag, 16. April 2011, 20 Uhr
Wo: Burghof Lörrach
Eintritt: 19 Euro