"Wir haben uns einfach als Team gefunden": Drei Südbadener unter den Top 5 der Berufs-WM in Leipzig

Lena Trogus

Bei der Weltmeisterschaft der Berufe in Leipzig kamen drei Mitarbeiter der Waldkircher Sick AG unter die Top 5. Das beeindruckte sogar Kanzlerin Merkel, die die Teilnehmer in der vergangenen Woche kurzerhand bei sich empfing. Wie so eine Berufs-WM abläuft und wie sich die drei Jungs auf den Wettbewerb vorbereitet haben:



Von links nach rechts: Timo Späth, Silas Gschwender und Timo Späth

Wie funktioniert so eine Weltmeisterschaft der Berufe? In welchen Aufgaben misst man sich und wie wird man bewertet?

Silas Gschwender: In meinem Beruf hat man vier Teilaufgaben mit jeweils 25 von insgesamt 100 Punkten zu lösen. Es gibt zwar auch einen kleinen Theorieteil, aber hauptsächlich geht es um Kreativität und Schnelligkeit, weil die Zeit meistens das Problem ist. In der ersten Aufgabe ging es für mich darum, ein Schaltungskonzept zu entwickeln, ich musste das Layout entwickeln und fräsen, sodass am Ende eine zusammen funktionierende Baugruppe entsteht. Außerdem musste ich eine Software für einen Mikrocontroller designen und dann eine Fehlersuche durchführen.

Lukas Adler: Timo und ich waren als Team im Beruf Mechatronik mit dabei. Unser Hauptziel war es, eine kleine Produktionslinie aufzubauen, die es schafft, verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Gegliedert war dieses Ziel in sechs Teilaufgaben. Aus vielen Einzelteilen mussten wir unsere Produktionslinie aufbauen, die dann programmiert wurde. Zwischendurch stehen dann immer noch einige Wartungsaufgaben an.

Timo Späth: Bei vier von sechs Aufgaben gab es Zeitpunkte. Das heißt, wenn wir sicher waren, dass wir alles richtig gemacht haben, haben wir vor der vorgegebenen Zeit abgegeben und dafür Extrapunkte bekommen.

Und wie ist die Jury besetzt?

Lukas: Jedes Teilnehmerland stellt zusätzlich zu seinem Teilnehmer oder Teilnehmer-Team einen Experten. Bei uns waren das 32 Experten, die die einzelnen Aufgaben nach Punktzahl bewertet haben.

Wie bereitet man sich auf so eine Berufs-WM vor?

Silas: Um an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können, muss man sich qualifizieren. Nur der oder die Beste eines Landes darf daran teilnehmen. Im Bundeswettbewerb wird der Teilnehmer für Deutschland ermittelt – das war bei mir im Oktober letztes Jahr. Seit Anfang dieses Jahres habe ich dann mehr trainiert und mich gezielt vorbereitet.

Timo: Lukas und ich haben im September mit den Vorbereitungen angefangen. Allgemein war es so, dass das Training nicht nur während den Arbeitszeiten stattfand, sondern auch viel in unserer Freizeit. Wir haben uns jeden Samstag getroffen, zum Schluss dann aber auch noch unter der Woche.

Lukas: Bei uns stand auch erst ab Februar fest, dass wir uns für die Weltmeisterschaft qualifiziert hatten. Daher ging bei uns das begonnene Training für den Bundeswettbewerb direkt ins Training für die WM über.

Wie läuft denn ein normaler Tag so als Elektroniker oder Mechatroniker ab?

Timo: Auf jeden Fall nicht so wie bei der WM; es gibt nicht diesen Druck, den man beim Wettbewerb hat, und im Normalfall auch keine Zuschauer, die einen ständig beobachten. Als Mechatroniker lernt man zuerst mal alle Grundlagen und wird dann in verschiedenen Teilbereichen eingesetzt. Der Vorteil ist, dass es eine große Bandbreite gibt, wo man eingesetzt werden kann.

Lukas: Ich bin Auszubildender zum Fachinformatiker und absolviere aktuell noch meine Ausbildung. Daher durchlaufe ich verschiedene Abteilungen, bis nächstes Jahr meine Abschlussprüfung ansteht.

Wie kam es denn dann, dass ihr als Mechatroniker angetreten seid?

Lukas: Timo und ich haben uns einfach als Team gefunden. Wir ergänzen uns super beim Arbeiten und verstehen uns auch privat gut. Das ist wichtig, da wir ja Hand in Hand arbeiten mussten.

Jetzt, wo ihr quasi Stars in euren Berufen seid: Hat sich euer Leben verändert?

Timo: Im Moment ist es natürlich toll, Aufmerksamkeit von der Presse zu bekommen. Vergangene Woche waren wir sogar bei der Bundeskanzlerin in Berlin eingeladen, das war für uns eine große Ehre. Für das berufliche Weiterkommen war es eine schöne Erfahrung, und ich denke, wir können stolz auf das sein, was wir erreicht haben.

Silas: Langfristig nimmt man auf jeden Fall die Erfahrung mit. Das Wissen, das wir uns angeeignet haben, nimmt uns niemand mehr.

Würdet ihr das Ganze noch mal machen wollen?

Lukas: Es war auf jeden Fall spannend - mit den ganzen interkulturellen Erfahrungen, die man gemacht hat. Trotzdem war es anstrengend, und ich würde es mir gut überlegen, ob ich nochmal teilnehmen würde.

Timo: Man kann an den WorldSkills nur einmal teilnehmen, und ich denke, das hat auch seinen Grund. Wenn man mich aber fragen würde, wäre ich auf jeden Fall wieder dabei.

Silas: Das Fachwissen würde auf jeden Fall fehlen, denn was man bei den Weltmeisterschaften lernt, würde man in dieser Art während der Ausbildung nie lernen.

Würdet ihr euren Beruf als Elektroniker oder Mechatroniker denn anderen weiterempfehlen?

Timo: Der Beruf des Meachtronikers ist sehr vielseitig und man bekommt schon in der Ausbildung Einblicke in ganz verschiedene Thematiken. Die drei Bereich Elektrotechnik, Mechanik und Informationstechnik werden sozusagen in einem Beruf verschmolzen.

Silas: Definitiv! Es besteht ja zurzeit auch ein Fachkräftemangel, weshalb wir in den nächsten Jahren gefragt sein werden. Der Beruf ist spannend, abwechslungsreich und man kann sich in ganz verschiedene Richtungen entwickeln.

   

Zu den Personen

Silas Gschwender, 20, kommt aus Whyl und ist Elektroniker. Lukas Adler, 20, lebt in Bahlingen und ist Mechatroniker. Auch Timo Späth, 20, ist Mechatroniker; er lebt in Whyl. Alle drei arbeiten bei der Sick AG in Waldkirch, einem der weltweit führenden Hersteller von Sensoren und Sensorlösungen für industrielle Anwendungen. 

 

Über WorldSkills

Vom 2. bis 7. Juli 2013 traten bei den WorldSkills Leipzig die besten Fachkräfte weltweit an, um Champion zu werden. Alle zwei Jahre kämpfen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis zum Alter von 22 Jahren bei der WM der Berufe um die Titel. Mit dabei sind sowohl traditionelle Berufe als auch junge Disziplinen, sowohl Köche und Mechatroniker als auch Webdesigner.

Bei dem gigantischen Event treffen sich internationale Fachleute aus Berufsbildung, Wirtschaft und Politik. Ihr Ziel: die Standards beruflicher Bildung immer weiter zu verbessern. Dafür setzen sie sich ein und tauschen ihre Erfahrungen aus. Hinter der WM der Berufe steht die Weltorganisation WorldSkills International mit inzwischen 65 Mitgliedsländern und Regionen.

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Zur Autorin

Lena Trogus ist 16 Jahre alt und besucht die 10. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Waldkirch. Mitte Juli 2013 absolvierte sie ein BOGY-Praktikum bei fudder.

[Bild: Sick AG]