Drei Fragen an

Wieso sich die Messe "Veggienale & Fairgoods" in Freiburg nicht nur an Veganer richtet

Holger Schindler

Am Wochenende gastiert die Messe "Veggienale & Fairgoods" in Freiburg. Daniel Sechert, der Chef des Veranstalters, will die Menschen für den alltäglichen Konsum sensibilisieren, wie er betont.

Am kommenden Wochenende feiert die Messe "Veggienale & Fairgoods" Premiere in Freiburg. Veranstalter ist die Berliner Agentur Ecoventa, welche die Schau in den vergangenen drei Jahren schon in rund einem Dutzend anderer Städte etabliert hat. Holger Schindler hat mit Ecoventa-Chef Daniel Sechert gesprochen.


BZ: Ihre Messe wolle "die Vielseitigkeit des grünen Lebens zeigen" und sei für "Veganer und Ökos" gedacht, schreiben Sie in der Ankündigung – aber nicht nur. Warum sollte auch Otto Normalverbraucher dort vorbeischauen?

Daniel Sechert: Wir wollen zeigen, dass ein nachhaltiger Lebensstil heute nicht zwingend ein Kompromiss sein muss und auch nicht den Verlust von Lebensqualität bedeutet. Dieses Vorurteil hält sich immer noch hartnäckig. Dabei gibt es heute in fast allen Lebensbereichen nachhaltigere Alternativen – ob beim Essen, auf Reisen, bei der Auswahl an Kleidung oder beim Thema Geld. Da wollen wir sensibilisieren für mehr Bewusstsein beim alltäglichen Konsum. Umwelt- und Klimaschutz gehen schließlich uns alle an.

"Bis zum Mainstream ist es noch ein weiter Weg." Daniel Sechert
BZ: Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind heute quasi gesellschaftlicher Mainstream. Inwiefern hat da eine Spezialschau wie die Ihre noch einen Platz?

Sechert: Die Zahlen und Fakten sprechen hier leider eine andere Sprache. Zwar sind Nachhaltigkeit und Veganismus regelmäßig in den Medien als Thema präsent, ganz praktisch gesehen sind das aber immer noch gesellschaftliche und wirtschaftliche Nischenbereiche. So geben wir Deutsche aktuell im Schnitt gerade mal 130 Euro für Biolebensmittel aus – pro Jahr! Beim fairen Handel sind es nur zwölf Euro jährlich pro Kopf. Auch in anderen Bereichen ist der Marktanteil verschwindend gering, etwa bei Ökotextilien und nachhaltigen Finanzanlagen. Die von der Bundesregierung prognostizierten eine Million Elektroautos gibt es 2020 ebenso wenig auf deutschen Straßen. Zwar stellen immer mehr Menschen ihre Ernährung auf pflanzenbasierte Lebensmittel um oder reduzieren ihren Fleischkonsum. Trotzdem stagniert seit Jahren der Fleischverzehr pro Kopf bei jährlich rund 60 Kilo. Bis zum Mainstream ist es noch ein weiter Weg.

"Spannend wird es sicher immer dann, wenn man auf Angebote stößt, wo man nicht per se einen Nachhaltigkeitsanspruch erwartet." Daniel Sechert
BZ: Was sind Ihre persönlichen Lieblingsangebote bei der Veranstaltung in Freiburg?

Sechert: Da würde ich jetzt niemanden herausheben wollen, ganz einfach weil wir als Veranstalter vor allem darauf schauen, eine abwechslungsreiche Vielfalt zu bieten. Spannend wird es sicher immer dann, wenn man auf Angebote stößt, wo man nicht per se einen Nachhaltigkeitsanspruch erwartet. Das Freiburger Unternehmen "Wetell" zum Beispiel wirbt aktuell im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne um finanzielle Mittel, um mit einem grünen Mobilfunk-Angebot zu starten. Spannend ist auch Quinoa aus Deutschland vom Hof Drerup aus dem Münsterland, um ein weiteres einzigartiges Beispiel zu nennen. Neben dem Marktplatz mit Ausstellern ist dann auch das Rahmenprogramm zu nennen. Björn Moschinski ist zu Gast, wohl einer der in der Szene bekanntesten Köche und Tierrechtler. Für Kinder gibt es Puppentheater an beiden Messetagen. Insgesamt gibt es 30 verschiedene Programmpunkte an dem Wochenende, die alle im Eintritt enthalten sind.
Daniel Sechert (44) ist geschäftsführender Gesellschafter der Ecoventa GmbH, Berlin.

Die Messe "Veggienale & Fairgoods" findet am Samstag und Sonntag, 23. und 24. März, in der Messehalle 3 statt. Geöffnet ist jeweils von 11 bis 18 Uhr. Mehr als 50 Aussteller sind angemeldet. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 6 Euro). Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt.

Mehr Infos unter www.veggienale.de