Wie wird man eigentlich professionelle Bühnentänzerin?

Kerstin Ernst

Mary-Ann Bohnhof lebt fürs Tanzen. In Freiburg absolviert die 21-Jährige eine Ausbildung zur Tanzpädagogin und Bühnentänzerin. Wie wird man überhaupt Bühnentänzerin?

Tanzen als Leidenschaft

Seit sie 13 Jahre alt ist, tanzt Mary-Ann Bohnhof schon. Sie hat lange Kunstturnen gemacht und wurde durch ihre Schwester und eine Freundin zum Tanzen gebracht. Seitdem tanzt die mittlerweile 21-Jährige und hat in ihrer Heimat Baden-Baden auch schon bei mehreren Wettbewerben mitgemacht. Es war ihre Trainerin, die sie auf die Idee brachte, an der Freiburger Akademie für Tanz eine Ausbildung zur Tanzpädagogin zu machen. Nach einer Aufführung und dem Besuch der Schule war für sie klar, dass sie ihre Ausbildung in Freiburg machen möchte. "Und seitdem lebe ich für das Tanzen", erzählt Mary-Ann.

Arbeitsalltag

Der Tag an der Akademie in der Humboldstraße fängt früh an: Die Schülerinnen und Schüler kommen um acht Uhr in die Schule und beginnen mit einem kleinen Warm-Up. Um 8.30 Uhr beginnen 90 Minuten Ballett-Training an der Stange. Danach gibt es ein Training in zeitgenössischem Tanz, für den man die Ballett-Technik als Basis hat, man aber die einzelnen Teile individuell zusammenbauen kann. Jazz hingegen übernimmt viele Ballett-Techniken und wird oft auf moderne Musik getanzt. Jazz-Stunden stehen nach dem modernen, zeitgenössischen Tanz auf dem Stundenplan. Meistens üben die Tänzerinnen und Tänzer auch schon das Programm für die Prüfungen, die in jedem Semester anstehen. Nach diesem Programm gibt es dann noch sogenannte Repertoire-Stunden, in denen verschiedene Choreographien geübt und erarbeitet werden. Außerdem gibt es Technik-Training. Im Schnitt trainieren die Tänzerinnen und Tänzer der Akademie 30 Stunden pro Woche. "Mein Körper ist mein Kapital, den muss ich fit halten", sagt Mary-Ann.

Meistens wird bis 15 Uhr wird getanzt, Schluss ist aber noch lange nicht. Nachmittags muss Mary-Ann noch Tanztraining geben, manchmal geht das bis 22 Uhr abends.

Wie wird man professionelle Bühnentänzerin?

Den Beruf kann man durch eine drei-jährige Berufsausbildung auf einer Berufsfachschule für Bühnentanz erlernen, wie zum Beispiel an der Akademie für Tanz in Freiburg. Dort kann man eine Ausbildung zum professionellen Bühnentänzer oder zum Tanzpädagogen absolvieren. Dabei handelt es sich um eine überwiegend praxisbezogene Ausbildung, bei der es aber auch theoretische Unterrichtsfächer wie zum Beispiel "Tanzgeschichte", "Anatomie" oder "Tanzpädagogik" gibt. Über das Tanzen hinaus haben die Schülerinnen und Schüler auch Unterricht in Gesang und Schauspiel. Bei der Freiburger Akademie für Tanz handelt es sich um eine seit 2003 bestehende staatlich anerkannte Ausbildungsschule mit den Schwerpunkten Jazztanz, Moderner Tanz und Klassisches Ballett. Seit 2004 ist die Ausbildung BaföG-berechtigt. Für die Ausbildung zur Bühnentänzerin zahlt man im ersten Jahr pro Monat 386 Euro, im zweiten Jahr 406 Euro und im dritten Jahr 426 Euro.

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Voraussetzungen

Um auf der Freiburger Akademie einen Ausbildungsplatz zu bekommen, braucht man mindestens einen Realschulabschluss, außerdem müssen alle Bewerber eine Aufnahmeprüfung durchlaufen. "Die Aufnahmeprüfung ist wie ein klassischer Tag an der Akademie", erzählt Mary-Ann. Man bekommt in den drei Tanzstilen eine Übungsstunde und tanzt nach, was man gezeigt bekommt. Anhand des Gezeigten wird dann entschieden, wer aufgenommen wird und wer nicht. Professionelles Tanzen ist ein körperlich sehr anstrengender Beruf: "Nach einer Aufführung liegen wir vor dem Verbeugen erst mal auf dem Boden. Das fühlt sich an wie nach einem Marathon", sagt Mary-Ann. Deshalb müssen die Bewerber auch eine bestimmte körperliche Eignung haben. Dazu müssen sie bei der Bewerbung ein kardiologisches und ein sportorthopädisches Attest vorlegen.

Jobperspektiven

Die Aussichten nach der Ausbildung sind vielseitig. Ausgebildete Bühnentänzer können Jobs im Theater, Fernsehen oder in Musicalproduktionen finden. Man kann aber auch als Vermittler für Tänzer und Choreographen arbeiten oder aber man wird selbst Choreograph. Nach der Ausbildung gibt es aber auch viele Absolventen, die sich breiter aufstellen wollen und zum Beispiel noch ein Studium beginnen, um Sportlehrer zu werden. Die Möglichkeit, Tanz zu studieren, steht einem auch noch offen.

Trotz der vielen Möglichkeiten ist es allerdings schwer, als professionelle Bühnentänzerin irgendwo reinzukommen. Es braucht dazu einen starken Willen: "Es kommt ganz darauf an, wie gut und wie stark du bist", sagt Mary-Ann. Denn die Aussichten auf Jobs sind nicht besonders sicher und es gibt viele Bewerber auf wenige Stellen. Die Job-Aussichten für die Tanzpädagogen sind sicherer.

Die Konkurrenz

Wenn es im späteren Berufsleben schwierig ist, als Bühnentänzerin ein Engagement zu bekommen, macht sich dieser Druck auch schon in der Ausbildung bemerkbar? "So einen typischen Zickenkrieg wie es gerne in Tanzfilmen gezeigt wird, habe ich selbst jetzt noch nicht erlebt. Es ist eher eine Art gesunder Konkurrenzkampf, der dazu motiviert, etwas können zu wollen", meint Mary-Ann, die neben der Arbeit als Tanzlehrerin an der Schule auch in einer NeoDanceCompany tanzt, die in diesem Jahr an der Akademie entstanden ist.

Pro Jahrgang ist die Anzahl der Schülerinnen und Schüler unterschiedlich groß: Mit Mary-Ann fingen 15 andere Leute an – jetzt sind es nur noch fünf. "Man unterschätzt einfach, wie hart das ist", sagt Mary-Ann. Gründe für das Abbrechen der Ausbildung gibt es verschiedene: Manch einer verliert vielleicht die Lust am Tanzen und andere wiederum müssen gehen, weil sie zu schlecht sind. Man braucht auf jeden Fall Durchhaltevermögen, wenn man professionelle Bühnentänzerin werden möchte. Mehr zum Thema: