Wie werde ich Stewardess?

Friederike

Kerstin Matlanga, 28, ist Chefin der Kabinencrew bei der Schweizer Fluggesellschaft Hello. Sie erzählt von ihrem oft anstrengenden Berufsalltag und verrät, wie man am besten einen Ausbildungsplatz für ihren Beruf bekommt. Ready for boarding!



Zur Person

Kerstin Matlanga ist 28 Jahre alt, arbeitet für die Schweizer Fluggesellschaft Hello und wohnt in Freiburg. Seitdem sie 19 Jahre alt ist, arbeitet sie als Flugbegleiterin. Schon als kleines Mädchen war sie vom Fliegen fasziniert.

Ausbildung

Flugbegleiter ist in der Schweiz und in Deutschland kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf: die Grundausbildung ist nicht anerkannt, man kann jedoch in der Schweiz das Berufsexamen für Cabin Crews machen, das anerkannt ist.

Grundsätzlich muss man 18 Jahre alt sein, um bei einer Airline anzufangen. Manche Fluggesellschaften haben eine Größenbeschränkung von mindestens 1,70 Metern, damit man überhaupt an die Notfall-Ausrüstung drankommt. Bei „Hello“ gibt es eine solche Beschränkung nicht, da das ganze Equipment für die Kabinen-Crew jeder Größe zugänglich ist.

Die betriebsinterne Ausbildung dauert zwischen vier und acht Wochen. In den ersten vier Wochen bekommt man eine theoretische Grundausbildung zum Flugbegleiter auf dem Boden, anschließend ist man zwei bis vier Wochen an Bord. Beim sogenannten Check-Flug muss man das ganze Procedere selbstständig bewerkstelligen. Je nach Fluggesellschaft können die Ausbildungszeiten variieren.

Einmal im Jahr gibt es einen Auffrischungskurs, in dem Notfallsituationen wie Evakuierung, Brand oder sogar Flugzeugentführungen durchgespielt werden. Flugbegleiter sind in erster Linie aus Sicherheitsgründen an Bord, der Service ist bloß Zusatzleistung.

Mein Weg in die Luft

Nach der Hochschulreife bewarb ich mich bei Crossair, einer Schweizer Fluggesellschaft. Ich hatte Glück und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Die Vorstellungsgespräche bei Airlines laufen sehr speziell ab: Man macht Rollenspiele und wird in verschiedene Passagiersituationen verwickelt. Ich bekam rasch die Zusage für eine Ausbildungsstelle und nach kurzer Zeit stand ich als cabin crew member an Bord. Als ich 22 Jahre alt war, fusionierte Crossair mit Swissair und 3500 Menschen verloren ihre Arbeit, darunter auch ich.

Glücklicherweise fand ich schnell eine neue Anstellung am Züricher Flughafen. Dort ließ ich mich in drei Wochen zur Luftverkehrsansgestellten ausbilden. Um Geld zu verdienen, war das natürlich gut, aber ich vermisste das Fliegen und die Atmosphäre an Bord. 2004 wurde die Fluggesellschaft Hello gegründet: Von Anfang an gehörte ich zur Crew und war wieder zu 100% in der Luft.

„Hello“ ist eine relativ kleine Charterfluggesellschaft, die Kunden sind vor allem Urlauber und Privatflieger. Nach einem Jahr stieg ich zum senior cabin crew member auf: Ich führe die ganze Flugkabine und muss auch schon mal den Kopf hinhalten, wenn etwas schief läuft. Man hat als „senior“ darauf zu achten, dass sich die Passagiere anschnallen und ihre elektronischen Geräte ausschalten.

Mit 25 absolvierte ich eine Weiterbildung zum „ground instructor". So bekam ich die Gelegenheit, Staaten wie Island und Thailand zu sehen. Dort unterrichtete ich andere Flugbegleiter. Seit anderthalb Jahren arbeite ich nun als „chief cabin crew“ und habe das gesamte Flugbegleiterpersonal der Firma unter meinen Fittichen. Einerseits macht mir diese Position viel Spaß, weil ich Verantwortung trage; andererseits muss man auch unangenehme Dinge übernehmen, Leute kündigen zum Beispiel. Aufstiegschancen gibt es für mich nun nicht mehr, außer die, das Department zu wechseln.

Dass ich schon mit 28 Jahren so weit gekommen bin im Job, liegt an der überschaubaren Größe der Airline. Und ganz unengagiert war ich nicht in den vergangenen Jahren. Momentan arbeite ich zu 50 Prozent im Büro am Basler Flughafen und zu 50 Prozent an Bord. Ganz ohne Fliegen geht’s für mich nicht.



Arbeitsalltag

Ein typischer Arbeitstag beginnt um drei Uhr morgens. Nach dem Aufstehen steige ich ins Auto. Wenn mein Flug ab Zürich geplant ist, treffe ich die anderen Crewmitglieder in Basel und wir fahren mit einem Firmen- oder Mietauto nach Zürich. Um sechs Uhr ist dann Check-In. Ich bespreche mich mit der kompletten Crew, anschließend muss das Flugpersonal durch die Sicherheitskontrolle.

Im Flugzeug überprüfe ich, ob die Ausrüstung an Ort und Stelle ist. Nachdem der Speisenzulieferer das Flugzeug mit Essen und Getränken beladen hat, müssen wir nochmal eine Sicherheitskontrolle machen, um sicherzustellen, dass niemand eine Bombe oder anderweitige illegale Utensilien im Flugzeug deponiert hat. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 sind die Sicherheitsvorschriften viel strenger geworden. Wir sind verpflichtet, in jede Sitztasche zu gucken, bevor die Fluggäste an Bord kommen.

Dann geht’s zum Beispiel in drei Stunden Flugzeit auf die griechische Insel Rhodos. Wenn man wie ich Kurz- und Mittelstrecken fliegt, kann man sich in der Regel von der Illusion eines mehrtägigen Aufenhalts unter der griechischen Sonne verabschieden. Denn nach etwa 50 Minuten fliegen wir schon wieder zurück in die Schweiz.

Gegen 18 Uhr bin ich dann zu Hause in Freiburg. Manchmal gehe ich dann noch weg und treffe Freunde, allerdings bin ich von der körperlichen Anstrengung oft so erschöpft, dass ich keinen Fuß mehr vor die Haustüre setze. Zwischen den Flügen muss man mindestens zwölf Stunden pausieren und man darf maximal sieben Tage am Stück arbeiten; das ist Vorschrift.



Besonderheiten

Auch wenn der Beruf der Flugbegleiterin seit der Billigfliegerära erheblich an Exklusivität eingebüßt hat, unterscheidet sich meine Arbeit immer noch von der in einem Büro. So bin ich schon auf allen Kontinenten außer Australien gewesen, habe einige Wochen in Bangkok gelebt und Länder wie den Kongo gesehen. Manchmal kommt es vor, dass Prominente wie die Spieler von Real Madrid mit uns fliegen. Das ist schon etwas Besonderes.

Dann gibt es noch die weniger glamourösen Ausschaffungsflüge: Man wird von der Regierung angemietet, um Gefangene in ihre Heimatländer zurückzubringen. In diesem Fall sind wir nur aus Legalitätsgründen an Bord und es geht komplett anders zu als auf einem normalen Charterflug.



Talente

Als Flugbegleiterin darf man nicht auf den Mund gefallen sein. Aufgeschlossenheit, Höflichkeit und Spontaneität sind ein Muss in unserem Beruf. Man sollte mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen; Englisch und Französisch sind im Dreiländereck unerlässlich. Außerdem sollte man körperlich belastbar und fit sein, weil man den ganzen Tag auf den Beinen ist und sich mit dem Team auf kleinstem Raum bewegt.

Ein ansprechendes Äußeres ist zwar nicht mehr so wichtig wie früher, wird aber immer noch erwartet, weil man die Fluggesellschaft nach außen hin präsentiert. Geeignet für den Beruf ist man am ehesten dann, wenn man gerne Gastgeber ist und flexibel auf die Fluggäste mitsamt ihrer Sorgen und Wünsche eingehen kann. Ein Lächeln auf den Lippen und ein dickes Fell erleichtern mir persönlich den anstrengenden Job.

Schattenseiten

Mein Beruf wird von vielen bewundert, weil immer noch das Klischee vorherrscht, dass man ständig zwischen Paris und New York rumjettet und sich in der Karibik einen faulen Lenz macht. Andere wiederum betrachten den Beruf abwertend, weil er kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf ist. Außerdem arbeitet man sehr viel und vor allem dann, wenn andere frei haben.

Mein letztes freies Wochenende war im Mai. Man ist ständig unterwegs und hat nicht so viel Zeit für Privatleben wie bei einem Bürojob. Bei Paniksituationen im Flugzeug muss man einen klaren Kopf bewahren und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Bei Turbulenzen kommt es schon mal vor, dass man verängstigte Gäste beruhigen muss oder das Essen von den Fenstern abkratzt.



Perspektiven

Interessierte sollten sich überlegen, wie wichtig es ihnen ist, abends die freie Zeit mit dem Freund oder der Freundin zu verbringen. Als flexibler Weltenbummler sollte man sich nach Fluggesellschaften umsehen, die Langstrecken fliegen. Denn da bekommt man mehr zu sehen, als wenn man Kurz- und Mittelstrecke fliegt und abends wieder zu Hause ist. In jeder Firma hat man die Möglichkeit, aufzusteigen und allmählich mehr Geld zu verdienen. Das geht bei kleinen Fluggesellschaften leichter bei großen. Wenn man sich engagiert und Spaß am Beruf hat, kann man viel erreichen.

Tipps für Interessierte

Am besten ist es, sich im Winter zu bewerben, weil die Anfrage im Sommer am größten ist. Die meisten Fluggesellschaften schreiben freie Stellen und Ausbildungsplätze auf ihrer Webite aus. Initiativbewerbungen sind ebenso möglich; die größten Chancen bestehen allerdings bei ausgeschriebenen Stellen. In der Bewerbungsphase sollte man sich überlegen, mit welcher Airline man sich am besten identifizieren kann. Momentan suchen viele Airlines Flugbegleiter, unter anderem Hello.

Mehr dazu: