Wie wars bei … Lola Marsh auf dem ZMF?

Laura Wolfert

Eine kleine Märchenwelt, die man niemals wieder verlassen möchte: Das israelische Duo Lola Marsh verzauberte das Publikum im Spiegelzelt auf dem ZMF. Unsere Autorin war dabei.

Der erste Eindruck

Mit ihren Reh-Augen schaut Yael Shoshana Cohe in Richtung der Diskokugel des Spiegelzelts. Sie wirkt verträumt – wenn nicht sogar etwas verliebt. Die Frontsängerin von "Lola Marsh" ist eine zierliche Persönlichkeit, mit einer Gitarre in den Händen, die fast so groß ist wie sie selbst. Doch durch den markanten Klang ihrer Stimme hat die Sängerin eine Aura, die sie alles andere als unscheinbar wirken lässt. Umhüllt in rosarotem Nebel an einem Mikrofonständer, der mit Kunstblumen bestückt ist, wirkt sie wie eine Märchenfigur aus dem Garten Eden. In durchlatschten Sneaker tänzelt sie um sich herum, zupft ihre Haarschleife zurecht – und zwinkert ihren Bandkollegen zu: alles etwas kitschig – doch trotzdem wunderschön.

Die Band

Das Problem von Kitsch und ruhigen Indie-Pop-Liedern: Die Grenze zwischen angenehmer Träumerei, Trance und Langeweile. "Lola Marsh" wirkt die ersten Lieder fast etwas unpersönlich, man verliert sich. Doch dann reißt Yaels Bandpartner Gil Landau eine Saite seiner Akustik-Gitarre. Er hüpft von der Bühne, lässt seine Kollegin, sowie Keyboarder, Drummer und Bassist alleine stehen. Yael schmunzelt "Hm, jetzt muss ich wohl improvisieren!", sagt sie. Die kleine perfekte Blase, die auf der Bühne erschaffen wurde, ist geplatzt – und das gefällt. Denn das Konzert gewinnt dadurch an Charme, die Band wirkt nicht mehr unnahbar schön – sondern vertraut.

"Ich habe damals Gils Geburtstagsparty gecrasht. Wir kannten uns nur nebensächlich aus Tel Aviv", sagt Yael und erzählt, wie sie damals Gil Landau kennengelernt hat. Dieser fummelt am Rand der Bühne mit den Saiten an einer Gitarre rum, schmunzelt und zwinkert Yael kurz zu. "Das ist jetzt knapp sieben Jahre her", sagt sie. Auf der Geburtstagsfeier von ihm, erzählte sie, dass sie Musik mache. Daraufhin sollte sie einen Song spielen. So zückte sie die alte Gitarre von Gils Vater und spielte "Jolene" von Dolly Parton.

"Jolene, Jolene, Jolene, Jolene. I'm begging of you, please don't take my man". Und das Publikum grinst, denn es steht an der gleichen Stelle wie Gil damals – und sie spüren, dass die Sängerin ihn vor sieben Jahren wohl ein wenig verzaubert haben muss.

Tracklist

Gil Landau ersetzt seine Akustik- durch seine E-Gitarre. Das weiße Leinenhemd hat er vier Knöpfe weit geöffnet. Die Ärmel sind hochgekrempelt, das gekräuseltes Brusthaar schaut heraus. Mit der E-Gitarre in der Hand und dem Mund zu einer Schnute verzogen wirkt er wie ein israelischer Rockstar. Von Track zu Track kommt er und Yael sich immer ein Stückchen näher. Die Stimmung wirkt lockerer, die Lieder werden lauter. So spielen sie Lieder aus ihrer ersten EP "You´re mine" von 2016, beginnend mit "Days to Come", sowie die die Top-Tracks aus ihrem ersten Album "Remember Roses" wie "Wishing Girl".

Nachdem Lola Marsh als Band von der Bühne verschwindet und sofort wieder auftaucht nimmt Yael das Mikro und sagt mit ihrem charmanten Akzent: "Wir nehmen uns bald etwas Pause und nehmen ein neues Album auf". Sie spielen drei Lieder, die laut der Setlist vor dem Bassisten "Roses, Boots und Home" heißen. Die Lieder wirken etwas melancholischer und sanfter als davor und erinnern an die US-amaerikanische Sängerin Lana del Rey. Den Zuschauern gefällt es.

Das Publikum

Ende 20 bis Anfang 30-Jährige schaukeln in ihren Sommer-Klamotten von links nach rechts, wirken glücklich und losgelassen. Ein Mädchen mit blondem Surfer-Haar und lockerem Jumpsuit tänzelt vor der Bühne barfuß auf dem Holzboden. "Ich kenne dich woher", sagt Yael – und schenkt der jungen Dame eine Banane. Das Publikum lacht, die Freude ist groß.

Fazit

Das Publikum verfällt erst der zarten Sängerin mit ihrer kräftigen Stimme, dann ihrem Bandpartner und Gitarristen, der aussieht wie ein israelischer Rockstar. Lola Marsh versprüht jede Menge Charme und versetzt das Publikum für 27 Euro tatsächlich in eine kleine Märchenwelt. Und diese möchte man nach nur knapp über einer Stunde gar nicht mehr verlassen.

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