Immersiv

Wie war’s beim… Theaterstück "Das Jubiläum" von Arts Liberated?

Carla Bihl

Das Stück "Das Jubiläum" der 2016 gegründeten, studentischen Theatergruppe Arts Liberated der Studierenden der Fachrichtung Liberal Arts & Sciences feierte Premiere. Es war ein immersives Theater zum Mitmachen – mit Überraschungen.

Am Ende treibt ein Denkmal auf dem Merzhausener Schönberg in Form einer Vogeltränke eine Kluft zwischen die Gruppe "Freiburger Freunde". Sie keifen sich an, wollen aufeinander einprügeln, können nicht fassen, was gerade passiert ist. Bevor sie getrennte Wege gehen, noch einmal die Bedingung: "Wer nicht unterschreibt, kann auch nicht mit uns ins Tal runter fahren." Dabei hat der Abend doch so friedlich begonnen. Was ist passiert?


Das Publikum ist Teil des Theaterstücks

Zu Beginn wird das Publikum des Theaterstück "Das Jubiläum" der studentischen Theatergruppe Arts Liberated an unterschiedlichen Orten im Stadtteil Stühlinger eingesammelt und in die Heimliche Kneipe in der Klarastraße gebracht. Die Regeln bedingen die Illusion des Spiels: Es darf nicht über das Stück gesprochen werden, sollte man Schauspieler persönlich kennen, dürfen diese nicht mit ihren reellen Namen angesprochen werden, Foto- und Filmaufnahmen sind verboten. Wer sich unwohl fühlt, solle das sagen, sei dann aber vom Spiel ausgeschlossen. Ab dann ist man Teil des Schauspiels.

Gleichgesinnte treffen sich am Stammtisch

Die Ausgangssituation der Handlung ist Folgende: An einem warmen Donnerstagabend jubilieren die "Freiburger Freunde" in der Heimlichen Kneipe in der Klarastraße. In einer Zeit der Zuwanderung und der kulturellen Vermischung, wie sie das nennen, verstehen sie sich als Freunde Freiburgs – für den Erhalt von Freiburg, für Bürgerhilfe – und sie wollen was machen – "man muss doch einfach was machen" hört man immer wieder. Ein eingetragener Verein sind sie nicht, eher zusammengefundene Gleichgesinnte, Menschen, die das Gleiche bewegt und die die gleichen Interessen und Werte vertreten, die sie an ihrem Stammtisch austauschen können, zu dem sie heute herzlich einladen.

In der Kneipe erzählen die Mitglieder von ihren Ansichten

Angekommen in der Kneipe knallt man auf ein lautes Durcheinander an Menschen. Wer Schauspieler ist und wer nicht, bleibt unerwähnt. Immer mal wieder kommt jemand der "Freunde" an den Tisch, fragt die Gäste, was sie denn so machen und beantwortet Fragen rund um sich selbst oder die Gruppe – dabei lassen sich immer wieder konservative Ansichten am rechten Rand im Mantel vorgegebener Besorgnis und Fürsorge erkennen.

Eine Feministin und eine konservative Christin

Fünf Jahre gibt es die "Freiburger Freunde" jetzt also – und da sind alle mächtig stolz drauf. Da machen die kleinen Differenzen, die zwischen manchen Mitgliedern herrschen, nichts aus – "eine Feministin" flüstert die christliche Yvonne unter vorgehaltener Hand und mit verachtendem Ton und stellt eine großgewachsene Frau mit schwarzem Business-Jumpsuit und blondem Bob vor. Diese wiederum erklärt sich als Frauenärztin und echauffiert sich über das durch Zuwanderung hinzugekommene Problem chauvinistischer Männer und die exponierte Rolle der Frau in dieser Gesellschaft. Acht Mitglieder zählt die Gruppe. Im Gespräch erfährt man, dass zwei der Gründungsmitglieder nicht mehr dabei sind: Die fanden sich besser in der Neo-Nazi-Szene wieder.

"Freiburg den Freiburgern" – ein Denkmal wird gesetzt

Michi, eines der Gründungsmitglieder hat eine Überraschung geplant. Mit drei Autos werden alle auf den Schönberg in Merzhausen kutschiert. Überschwänglich erfreut sich das Mitglied an der Gruppe und paroliert "Freiburg den Freiburgern". Er will der Gruppe ein Denkmal setzen und alle sollen unterschreiben. Das geht einigen aber zu weit. Es folgen Zwischenrufe, empörte Stimmen, drei Unterschriften zählt das Denkmal zum Ende. Einige sind sich unsicher: "Du musst das nicht machen, Manu" rufen die Teilnehmer dem jüngsten Mitglied der Runde zu. "Wer nicht auf der Scheibe unterschreibt, kann auch nicht mit uns ins Tal runter fahren". Bequemlichkeit oder Idealismus? Das ist die Frage, die am Ende bleibt. Dann sind sie weg und der Rest muss selbst schauen, wie er zurück nach Freiburg kommt.

Subtiler Sexismus und Rassismus

Unter dem Deckmantel einer friedlichen, kleinen Gruppe lassen die "Freiburger Freunde" ihrem konservativen Gedankengut freien Lauf. Subtiler Sexismus und Rassismus schwingen ständig mit. Und dabei bleiben die Schauspieler immer in ihrer Rolle. Das große Thema Rechtsruck in Deutschland wird auf den Mikrokosmos Freiburg herunter gebrochen.

Die Gruppe deckt auf, was unter der Oberfläche schlummert

Was will das studentische Theater am Ende zeigen? "Suche den Feind im Schatten deiner Hütte"? Oder wie Adorno sagte: "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen"? Am Ende wird die Antwort einfacher und weniger philosophischer sein: kritischem Denken.

  • Was: Das Jubiläum von Ars Liberated
  • Wann: Freitag, 5. Juli, 18.30 Uhr, Sonntag, 7. Juli, 15 Uhr
  • Wo: Heimliche Kneipe, Klarastraße 53

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