Premiere

Wie war’s beim … Tanztheater "The Quiet" im Theater Freiburg?

Gina Kutkat

Fünf Frauen bewegen sich im Gleichschritt zu Musik und Soundfetzen über die Bühne und suchen nach der Wahrheit: Das Tanztheater "The Quiet" von Jefta Van Dinther hatte am Freitagabend Premiere im Kleinen Haus.

Der erste Eindruck

Wann beginnt ein Stück? Wenn alle Zuschauer sitzen, wenn das Licht ausgeht? Im Kleinen Haus des Theater Freiburg stehen die fünf Tänzerinnen von "The Quiet" schon im Dunkeln auf der Bühne, als sich der Raum füllt. Fast sind sie gar nicht auszumachen, man kann nur Schemen ihrer Körper erkennen – und ihre helle Kleidung, die sich von der Dunkelheit der Bühne abhebt.

Die Bühne und das Bühnengebaren

"Is this where it starts? We’re going to tell you some things." Zu dem Sound aus den Lautsprechern beginnen sich die Tänzerinnen mit gebeugtem Rücken und krummen Beinen zu bewegen. Das Licht ist gedimmt und ermöglicht es trotzdem, die Unterschiede der fünf Frauen zu erkennen. Sie sind zwar in eine Art Uniform gekleidet, die aus ähnlichen weißen Turnschuhen, Steppwesten und knielangen Röcken besteht. Trotz der angestrebten Uniformität stellen sie fünf verschiedene Generationen dar, die sich um eine Stahlkonstruktion bewegen, die das Skelett eines Haus sein könnte. Dieses ist ausgelegt mit grauen Teppichstücken, die sich beliebig aneinandersetzen lassen.

Die Performerinnen

Laufen, laufen, laufen. Immer in Bewegung, immer in Aktion. Die fünf Tänzerinnen halten in den 60 Minuten nicht eine Sekunde still. Als müssten sie sich den Zustand, der mit dem Titel "The Quiet" versprochen wird, erst erarbeiten. Ihre Körper erinnern an Marionetten oder roboterähnliche Wesen, wenn sie sich in Slow Motion ihren Weg bahnen und die Arme kraftlos hängen lassen. Dieser Eindruck wird durch die Stimme aus den Lautsprechern noch verstärkt. "You’re walking and walking and walking." Wer spricht dort? Jemand aus der Zukunft? Jemand aus der Vergangenheit? Spricht er mit mir oder mit den Tänzerinnen? Die eigenen Gedanken werden mit der Körperarbeit auf der Bühne verknüpft.

Licht & Sound

Der Choreograf Jefta Van Dinther arbeitet bei seinen Stücken eng mit der Lichtdesignerin Minna Tiikkainen und dem Sounddesigner David Kiers zusammen. Zusammen schaffen die drei Künstler eine Atmosphäre, die aus mehreren Schichten besteht. Die modernen englischen Phrasen aus den Lautsprechern – "You worry too much. You are ambitious" – werden beispielsweise mit einer Szene kombiniert, in der die Tänzerinnen um eine Art Feuer stehen und einen altertümlichen Gesang anstimmen. Gegen Ende des Stückes wird die Musik wieder moderner und steigert sich zu einem Klangteppich, der sich wohlig über den Zuschauern ausbreitet.

Was in Erinnerung bleibt

Die Stimmen aus dem Off, der minutenlange Gleichschritt der Tänzerinnen, der Moment, in dem die sie mühsam ein Zelt aufbauen. Am Ende strecken die Fünf ihre Arme gen Himmel, nur um Sekunden später den Boden aufzureißen, um nach irgendeiner Wahrheit zu suchen.

Pauschalurteil

Ein Tanzstück, das seine Zuschauer nicht laut sondern ganz leise begeistert. Wer eine durchgestylte Choreografie erwartet und nicht offen für Neues ist, ist hier eher Fehl am Platz.
  • Was: The Quiet
  • Wann: Samstag, 6. April, 20 Uhr
  • Wo: Theater Freiburg, Kleines Haus
  • Tickets: 19 bzw. 23 Euro