Konzertreview

Wie war’s beim … Nino aus Wien in der Mensa Bar?

Andreas Meinzer

Schon mehrmals trat der Nino aus Wien mit seiner Band in Freiburg auf. Am Dienstagabend zum ersten Mal in der Mensa Bar. Die Band war gut drauf, das Publikum eher verhalten.

Ist das "Österreichischer Brit-Pop", wie das die Musikjournaille angesichts von Bands wie "Wanda" zu klassifizieren versuchte? Ist das "Alternative", jene nichtssagende Kategorie, in welcher "Der Nino aus Wien", alias Nino Mandl (31), mehrfach verdientermaßen den bedeutendsten Musikpreis Österreichs "Amadeus" gewann? Wenn ja: Alternativ zu was?


Vielmehr als die Unterscheidungen und Abgrenzungen sind die Kontinuitätslinien des Poeten aus der Donaustadt hervorzuheben: Die Beatles, die Kinks und natürlich die Granden des Austropop – besonders Wolfgang Ambros. Auch Bob Dylan sollte nicht vergessen werden, nennt er ihn doch aus naheliegendem Grund selbst als Referenzpunkt: "I hob am sölb’n Dog Geburtsdog wie da Bob Dylan. Fast." (Nino: 22.5, Dylan: 24.5.)

Auch hierzulande wächst die Prominenz des unprätentiösen Künstlers rapide. Er und seine Band traten schon mehrfach in Freiburg auf. Einst im Swamp und im Great Räng Teng Teng. Doch da sich ihre Musik zunehmender Beliebtheit erfreut, sind diese Lokalitäten mittlerweile zu klein geworden und das Konzert fand, obwohl vom Swamp organisiert, in der Mensa Bar statt.

Track check

Der kleine, schüchtern wirkende Mann an der Gitarre, den Blick meist nach unten gesenkt, oft beide Ellbogen auf die umgehängte Gitarre gestützt und die Hände an Hals und Kinn gepresst, sorgt mit genuschelten Ansagen für Lacher im sonst leider recht verhaltenen Studi- und Thirtysomething-Publikum, das nicht zum Tanzen, gar Pogen neigt. "Wir feiern unser neunjähriges Bandjubiläum. (…) Willkommen auf unserer "Simply having a wonderful christmas time"-Tour. Die dauert schon das ganze Jahr."

Wollte man den Konzertabend unter ein Leitmotiv stellen, taugen dazu die folgenden Zeilen aus dem Song "Unterwegs":

"Oh nur mit mir allein
Vergess' ich, was das heißt,
Zu leben ohne einen Weg.
Ich muss ja schließlich immer weg
Und schau'n wohin es geht."

Es sind Lieder über Ziellosigkeit, die vergebliche Suche nach Orientierung oder die Unfähigkeit, sich über Gefühle klar zu werden und sie zu versprachlichen. So im Song "Sandy Simmons", in dem Einflüsse der Kings ("Too much on my mind") deutlich hervortreten:

"Oh, kennst du denn dieses Lied von den Kinks,
Wo er singt, es ist zuviel in meinem Hirn drin.
Denkst du, du weißt, was er meint, wenn er singt,
Dass irgendwas in seinem Hirn nicht stimmt."

Doch wenn nicht gerade Lieblingsverein Rapid Wien "Unentschieden gegen Ried" spielt und seinen Fans einen "Eierkick" zumutet, gibt es sie doch auch, die schönen Momente, in denen man versucht, zu vergessen und Lebensfreude zu genießen – insbesondere auf Reisen, am Strand, wie in "Coco Bello":

"Sonnenliegen durch die Zeit,
Bis ich nicht mehr weiter weiß.
Zigaretten, nasser Sand,
Sonnenbrille, Sonnenbrand."

Die Location

Die Mensa Bar erweist sich als denkbar schlechte Lokalität für ein solches Konzert. Zum Interieur ist nicht viel zu sagen, da wohl den meisten Lesern nur allzu gut bekannt: 70er-Jahre-Spritzbeton und Trottoir-Boden. Halb gefüllt ist sie nur, bis zur Tagesessen-Treppe. Rauchen verboten. Rauch gibt es nur aus der Nebelmaschine. Ansage Nino: "Oh ja, mehr Nebel, mehr Rauch! Aber Rauchen darf man hier nicht, oder? Hab eh g’nuag g’raucht …". Spricht’s und nippt an seinem Bier, das er hin und wieder von der Bühne aus an der Bar nachordern muss.

In Österreich gibt es kein Rauchverbot mehr. Auch wenn die Freiburger Winter meist wohl milder sind, wünscht man sich, wie im Song "Jukebox", in das leidenschaftlich und heiter-melancholisch besungene "Caféhaus mit Gratis-Jukebox … mit den größten Hits von Elvis bis Gigi D’Agostino", in dem man, Stunde um Stunde, Titel um Titel, rauchend und saufend versackt, auch wenn die Musikauswahl mal zu wünschen übrig lässt. Weil man hier, wenn sie Ambros oder Danzer spielt, einfach die Zeit vergisst, die Beschädigungen der Vergangenheit und die Zumutungen des morgigen Alltags:

"Wei wos is Morgen und wos woa Gestern,
Monchmoi fühlt sich des Herz so verletzt an. (…)
Wei wos is morgen und wos woa gestern
Won ma Schutzengel hod die so nervös san."

Zwar geht es, wie es in einem der schönsten und klügsten Songs von Nino heißt, "immer ums Vollenden". Doch weil das nicht immer, oder nur höchst selten gelingt, wird dieser Text hier nicht vollendet – sondern einfach beendet.

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