Konzerte

Wie war’s... beim Freiburger Ahoii-Festival 2019?

Gina Kutkat & Anika Maldacker

Wasserpistolen, eine Live-Einlage vor der Bühne und eine im Publikum herumgereichte Wodka-Flasche: Das war das Ahoii-Festival 2019. Fudder war bei den Konzerten von Impala Ray, Say Yes Dog und Frittenbude dabei.

Die Bands

Impala Ray & Say Yes Dog

So zieht man die Aufmerksamkeit auf sich: die Münchener Band Impala Ray beginnt ihr Konzert am Freitag im Jazzhaus nicht auf der Bühne, sondern im Zuschauerraum. Die vier bilden einen kleinen Kreis, Sänger Rainer "Ray" Gärtner zählt ein und los geht’s mit einer akustischen Version ihrer neuen Single "New Shoes". Möglich macht diese kleine Einlage, dass das Jazzhaus am Freitagabend etwas mau besucht ist: Rund 150 Besucherinnen und Besucher zählt Veranstalter Alexander Hässler. So ergibt sich Dank Einsatz von Impala Ray eine intime Atmosphäre, die sich später aber noch entlädt: Die Gute-Laune-Songs, die Ray Gärtner mit bayrischem Akzent ankündigt, bringen die Leute zum Tanzen und Hüpfen. Zurückhaltender beginnt der Auftritt von Say Yes Dog. Die Berliner um Sänger Aaron Ahrends sind unaufgeregt, was ihre Performance angeht. "Aber wir haben heute Abend richtig Bock, ihr hoffentlich auch", sagt Aaron Ahrends. Die Coolness der Musiker wird jedoch durch die Tanzbarkeit ihrer Songs wieder aufgefangen: besonders die Songs des Debütalbums "Plastic" kommen gut an, aber auch zu den Stücken des neuen Albums "Voyage" wird getanzt.

Frittenbude

Für die Berliner Band Frittenbude ist der Sonntagabend im Waldsee ein emotionaler Abend. Es ist das letzte Konzert ihrer Rote-Sonne-Tour Teil 1. Nachdem das Elektropop-Duo Ant Antic das Publikum eingestimmt hat, geben die drei Frittenbude-Jungs und ihre Live-Musiker alles auf der Bühne, sind von der ersten Sekunde an präsent. Frontsänger Johannes Rögner schreit seinen typischen deutschen Rapgesang ins Mikrofon: "Du, du, du rennst einfach weg, vor allen Problemen, bis sie dich einholen". Der Beat galoppiert schnell vor sich hin. Jakob Häglsperger am Bass und Synthesizer und Martin Steer an der Gitarre verstärken seine Worten mit Echos – und das Publikum singt und tanzt mit. Sänger Rögner triumphiert zu Beginn: "Gestern war ein guter Tag für den Antifaschismus", sagt er und spielt auf die Enthüllungen um den österreichischen Rechtspopulisten Heinz-Christian Strache an.

Das Publikum

Impala Ray & Say Yes Dog

Viele Pärchen, Freundinnen-Gruppen und Konzerteinzelgänger, die aufgrund einer bestimmten Band gekommen sind. Der Altersdurchschnitt liegt unter 30, die Stimmung ist solide. In den Umbaupausen zwischen den Konzerten sammelt sich das Publikum draußen auf den Jazzhaus-Treppen, sodass es im Raum selber etwas ungemütlich wird. Dank der schnellen Techniker und Roadies sind die Pausen aber kurz. Schade allerdings, dass nur so wenig Leute am Freitag dabei waren.

Frittenbude

Antifa-Rucksack-Träger und Pogo-williges Publikum war ins Waldsee gekommen. Die meisten sicher unter 30. Es dauerte nur wenige Songs, bis die etwas mehr als 200 Zuschauerinnen und Zuschauer in Fahrt gekommen waren. "No border, no nation" solche Songzeilen ziehen beim Freiburger Publikum. Die Wodka-Flasche geht nach wenigen Minuten wieder leer an Rögner zurück. Und der Moshpit vor der Bühne schafft seinen Radius fast bis an die Wände.

Die Stage

Frittenbude

Um auf die Bühne im Freiburger Club Waldsee zu gelangen, musste die Berliner Band Frittenbude durch das Publikum waten. Das machte den drei energiegeladenen Schreihälsen nichts aus, nur dass sie nach dem angeblich letzten Song nicht das bekannte Spiel mit der Zugabe durchziehen konnten. "Wir bleiben einfach auf der Bühne", sagte Frontsänger Johannes Rögner. Da hielt es ihn allerdings nicht den ganzen Abend. "Kommt mal alle nach vorne, ich will gleich auf euch draufspringen", lockte er die Konzertgäste gegen Ende des Auftritts nach vorne.

Die Shows

Impala Ray & Say Yes Dog

Sympathisch-ungezwungen und mit kleinen Spielchen, die man auch von großen Open-Air-Festivals kennt: Impala Ray wissen, wie sie ein Publikum in Fahrt bringen. Von der Mitsing-Aktion bis hin zum Sitzexperiment darf kein Späßle fehlen. Sänger Rainer "Ray" Gärtner tut sein Bestes, um den klamaukigen Frontmann zu geben. Das lenkt leider manchmal von der ungewöhnlichen Instrumentierung inklusive Hackbrett und Tuba und dem unheimlich schönen Gesang von Carmen Unterhofer ab. Der Auftritt von Say Yes Dog treibt das Publikum dann schon mehr in Richtung Party, die im Anschluss in Form des Ahoii Clubs stattfinden wird. Elektro, der mit Synthesizern und Beats straff nach vorne geht, lässt das Jazzhaus eher an einen Club erinnern. Sänger Aaron Ahrends hat die Augen zwar geschlossen; dass er seine Musik aber fühlt, ist nicht zu übersehen: Im Rhythmus hüpfen seine Schultern in dem farbigen Blumenhemd und von Stück zu Stück fällt auch die anfängliche Unterkühltheit ab.

Frittenbude

Frontsänger Rögner weiß, wie man eine Menge unterhält. Zunächst reicht er seinem Publikum noch väterlich Wasser, später eine Flasche Wodka herum. Danach packt er seine knallbunte Plastikwasserpistole und macht alle nass. Das macht Bock. "Ihr seid süß" sagt Rögner auch ans Freiburger Publikum gewandt. Und ein paar Spiele gab es auch: Umarme einen Fremden. Jeder soll einen ihm oder ihr unbekannten Menschen umarmen. Getreu dem Motto: "Jeder Freund war einst ein Fremder." Danach fühlt man sich wirklich besser. Oder: Das Publikum teilt sich auf zwei Seiten. Irgendwann rennen alle aufeinander zu und jede und jeder umarmt einen anderen Gast. Es funktioniert sogar ohne Knochenbrüche. Ein energiegeladener Konzertabend!

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