Europa-Park

Wie war’s beim... Festival "Rolling Stone Park" in Rust?

Jannis Jäger

Rock, Pop und Folk im Freizeitpark: Die zweite Auflage des "Rolling Stone"-Festivals im Europa-Park bot den Zuschauern mal eine ganz andere Konzertatmosphäre.

Der erste Eindruck

Es klingt völlig einleuchtend: Man hat einen preisgekrönten Freizeitpark und beschließt ihn für Konzertevents zu nutzen. Gute Idee. Was sich einem dann aber bietet, ist eine etwas skurrile Szene, die man so von keinem anderen Konzert-, Festival-, oder Europa-Park-Besuch kennt. Es herrscht gediegene Atmosphäre. In den Räumlichkeiten rund um die Europa-Park-Arena sind noch drei weitere Bühnen und ein großer Pavillon mit Verköstigungen aufgebaut. Ein Whiskey-Tasting findet statt, an weiß bespannten Stehtischen essen Leute frische Crêpes und dann beginnen die Konzerte.

Die Stages

Das Ambiente des Europa-Parks leistet seinen Teil. Die Bühnen sind abwechslungsreich und besonders. Neben der Arena, einer Halle, wie man sie kennt, finden sich die Besucher auch im Ballsaal Berlin ein. Unter vier großen Kristallleuchtern und auf rotem Teppichboden wird hier musiziert und getanzt. Im Traumpalast lauscht man der Musik, inmitten eines 20er-Jahre-Zirkuszelts. Das Festival bleibt hier dem Stil des Freizeitparks treu. Alles ist schön und extrem detailverliebt geschmückt.

Das Publikum

Es wird schnell klar, dass die Zielgruppe des ganzen nicht unbedingt die Generation U30 ist. 69 Euro Tagesticket oder 189 Euro Kombi-Ticket, inklusive Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel und Frühstücksbuffet. Man erspäht einiges an grauem und lichter werdendem Haar. Die Stimmung ist angenehm, kein Pogo, sondern mal mehr mal weniger verhaltenes Tanzen, kein Exzess, sondern einfach Freude an einem schönen Abend.

Das Line-Up

Nicht von schlechten Eltern. Mark Lanegan eröffnet den Samstagabend mit seiner Lagerfeuerstimme und surrenden Gitarrenriffs. Es sind Lieder wie der "Snake Song", die in einem die tiefe Sehnsucht nach kalifornischen Highways und Roadtrips wecken. So schon mal ziemlich aufgewärmt, heizt Nick Waterhouse etwas später mit seinem poppigen Rhythm’n’Blues weiter ein, unterstützt von zwei grandiosen Saxophonen. Der Saal wartet natürlich auf den einen Hit, "Katchi", und als sie ihn endlich spielen, schafft es die Band den Schwung weiter zu tragen. Die Leute drehen sich, twisten und lachen. Es verwundert nicht.

Andere Akzente setzen die beiden Schweizerinnen von Steiner und Madlaina, überspannt von einem künstlichen Sternenhimmel. Mal Deutsch, mal Englisch oder Schweizerdeutsch. Mit ihrem poppigen Indie-Rock und eingängigen Texten animieren sie nicht wenige zum Mitsingen. Den Abschluss bildet niemand geringeres als Elbow. Die Jungs aus Manchester holen mit Pauken und Trompeten und wunderschönen Geigen noch einmal alles aus ihrem Publikum raus. Mit dem melancholisch anklingenden Song "One Day Like This" schickt er die Leute ins Bett.

Der größte Aufreger

Den erlebte man wohl beim Konzert von Steiner und Madlaina. Ihr Auftritt scheint zunächst unter keinem guten Stern zu stehen. Nach den ersten Songs kündigen sie gerade ihren Hit "Das schöne Leben" an, da macht sich lautstark der Feueralarm bemerkbar. Der Sicherheitsdienst räumt den Saal und verschließt die Türen. Nach einer Viertelstunde ist der ganze Spuk aber schon wieder vorbei und die Band kann ihre Instrumente wieder aufnehmen. Jedoch nicht ohne zu bemerken, dass ihnen das auf der letzten Tour schon einmal passiert ist. Es ist ihnen zu wünschen, dass ihre Konzerte in Zukunft von derlei Aufregungen verschont bleiben.

Fazit

Wer weiß, was ihn erwartet, kann beim Rolling-Stone-Park-Festival eine richtig gute Zeit haben. Die Atmosphäre unterscheidet sich stark von dem, was der Festivalgänger sonst so gewohnt ist und das soll auch so sein. Es ist etwas Neues und Einzigartiges, ohne Schlangen an Dixie-Klos und Matsch an den Schuhen. Dafür haben einige Fahrgeschäfte den Tag über geöffnet und statt im Zelt gastiert man im Hotel. Das beste Fazit lieferte Guy Garvey von Elbow: "Amusing but surreal."