Wie war’s beim … Club der Freunde-Abend beim Modelabel Max Lui?

Carla Bihl

Was ist eigentlich Mode? Wie funktionieren Kollektionen bei großen Modeketten. Das konnten fudder-Mitglieder am Donnerstag im Gespräch mit Markus Arenz und Marco Mesler vom Freiburger Modelabel Max Lui diskutieren.

Von wegen Modediktat: In den hellen Räumen vom Modelabel Max Lui in der Belfortstraße, die im Juni eröffnet wurden, philosophierten Markus Arenz und Marco Mesler darüber wie Mode sein sollte – oder eben nicht: Denn Individualität schreiben die beiden ganz groß. "Einige mögen die Kleidung eben weit" – erklärt Labelgründer Markus Arenz.


Kunden, die Sakkos bis zu den Knien tragen oder andere, die Freudensprüngen nach dem Verlassen des Geschäfts machen: Max Lui will für Individualität, Qualität und Nachhaltigkeit stehen.

Das Amen des Abends: Keinen Mode-Knigge geben. In eineinhalb Stunden konnten somit Fragen rund um die Wissenschaft der Mode geklärt werden. Einige blieben dennoch offen: Was ist Mode denn jetzt eigentlich? Schwierig.

Erst einmal ein Espresso

Espresso gab es an dem Abend zwar nicht. Dafür aber allerlei Köstlichkeiten von der Emma-kitchen aus Binzen: Ob Cracker mit Guacamolecreme, Miniburger, Gemüsecurry, Rindergulasch oder Crème Brûlée – das Feinschmeckerherz kam nicht zu kurz.

Für Espressogeschichten sorgten die modeaffinen Stilberater des Labels: "Wir setzen die Kunden dann erst einmal mit einem Espresso und einem Stapel mit Stoffproben hin", erklärt Markus Arenz.

Dann hören die Modeexperten dem Kunden zu. Denn das, sagen sie, sei generell ein Fehler, der oft gemacht werde: viel reden, aber nicht zuhören, so Mesler. Dann wird gefiltert: Welchen Anspruch hat der Kunde an die Kleidung.

In einem zweiten Schritt werde dann auf das Produkt eingegangen. "Wir haben den Vorteil, dass wir den Keller nicht voll Ware haben, die wir jetzt rausdrücken müssen und jemandem aufschwätzen", erklärt Arenz. Es sei ein Prozess, fügt er hinzu.

Von H&M, Zara und co.

Kann man Mode vorhersehen? Zara, H&M, Mango und co. hätten ganze Läden für Testkollektionen. Darin werde ausprobiert, was geht und was nicht: Die Ware, die läuft werde schnell nachproduziert, so Arenz. "Ein bisschen vorhersagen kann man es schon. Es gibt immer wiederkehrende Modestile", sagt Marco Mesler.

Trotzdem sei es schwierig, da man nie wisse, wann ein Trend einsetzt. Zudem komme Mode von den Top-Labels, die auf den großen Laufstegen präsentiert wird. Danach springen erst die Modeketten auf, berichten die beiden. Diese hätten eine schnelle Dynamik in der Produktion, mit denen kleine Läden nicht mithalten könnten. Das will Max Lui aber auch gar nicht: "Das ist für jemanden, der eine gewisse Qualität bieten will, mit einem gewissen Standard bei der Verarbeitung und beim Stoff nicht möglich", erklärt Mesler.

Weiß ist eine überschätzte Farbe

Dass der Kunde sich im Endeffekt wohlfühlen muss, wird auch hier noch mal geklärt. Aber wie frei ist Mode denn eigentlich? "Klar gibt es Do’s und Dont’s", erklärt Marco Mesler. Trotzdem sei es im Endeffekt eine Sache des eigenen Geschmacks.

"Weiß ist absolut überschätzt", sagt Markus Arenz. Bei der Nachfrage nach einem blauen oder weißen Hemd würde er am ehesten rosa vorschlagen. Neigt man zur Röte, sähe man noch viel röter aus, und bei Blässe noch blasser: "Ein guter Rosaton passt viel besser zur Hautfarbe", erklärt der Modeexperte. Wenn der Kunde dann trotzdem ein weißes Hemd wolle, würde er das aber auch bekommen.

Was ist Mode?

Auf eine Definition, was genau Mode denn ist, konnten sich weder Gäste noch die beiden Köpfe von Max Lui einigen. Eines ist am Ende des Abends allerdings klar geworden: Welches Credo die Modeexperten selbst haben. Ähnlich wie bei Gottfried Kellers Novelle "Kleider machen Leute" sagen sie: "Man sollte keine Kleider tragen, Kleider sollten einen tragen."

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