Wie war's... bei Wellness im Great Räng Teng Teng?

Nicolas Bettinger

Als würden sie direkt vom Strand kommen: Die Kölner Band Wellness war am Freitag in Freiburg zu Gast und spülte echte Urlaubsgefühle ans Ufer des Räng Teng Teng. Die vier sympathischen Jungs präsentierten dabei Songs aus ihrem Debütalbum "Immer Immer". Ein altbekannter Special-Guest war auch dabei:



Wer sich am Freitagabend fürs Räng Teng Teng entschieden hatte, der durfte Tabak, Papes und Filter nicht vergessen. Deutlich mehr Raucher als Nichtraucher sorgten im Club für eine kernige, leicht neblige Atmosphäre. Idealer Schauplatz für den Surf-Sound der 60er-Jahre. Viel Gitarre macht daraus den unvergleichlichen Klang: "Tarantino-Pop“, wie es die Jungs von Wellness selbst nennen.   


Eine Stunde vor Beginn der Live-Show herrscht absolute Gelassenheit. Die Barhocker sind belegt, die Bandmitglieder tummeln sich unter den Gästen zwischen Bar und Sitzecke und begrüßen den ein oder anderen Bekannten, der die Treppe runter kommt. "Ach, man darf hier rauchen? Cool!“, sagt Drummer Florian Bonn und erntet ein Lächeln der Barkeeperin.

Nach und nach treffen die Besucher ein. Voll ist es nicht. Platz genug, um sich gemütlich mit seinen Freunden zu unterhalten. Das Publikum erfüllt Klischees: Viele Frauen schlürfen an Strohhalmen, die in Colaflaschen stecken - fast alle Männer trinken Bier vom Fass.

Das Publikum

Man hat nicht den Eindruck, als müsse heute noch jemand zu einem Vorstellungsgespräch. Gelassene Stimmung, lockere Outfits. Blaue Jeans, bequeme Bluse, legere Cardigans. Die Hemdärmel sind hochgekrempelt, Sakkos selten zu sehen. Frauen und Männer halten sich die Waage. Zwischen 25 und 35 Jahre ist der Großteil des jungen Publikums alt.

Darunter sind vereinzelte Pärchen, Mädels-Gruppen und Männer, die mit ihrer Kippenschachtel gekommen sind. Die rund 60 Musikfreunde füllen zwar nicht den ganzen Raum, haben so aber mehr Platz zum tanzen.

Die Atmosphäre

Die Stimmung ähnelt ein bisschen der einer Studierendenparty. Viele Besucher kennen sich. Als die Band um zehn zu spielen beginnt, dauert es ein paar Minuten, bis die ersten Hüften wackeln.

"Lars hat heute extra sein Hawaii-Hemd angezogen“, witzelt Frontsänger Matthias Albert über seinen Gitarristen. Als ihn ein Zuschauer lautstark auffordert, den obersten Knopf zu öffnen, kontert dieser in Kölsch: "Dat mach isch als Belohnung wenn ihr rischd abjeit“.  

Die Show

Die vier Jungs aus Köln machen einen herrlich unaufgeregten Eindruck. Zwischen den Liedern kommt Meeresrauschen aus den Boxen. Songs wie "Exit Exit“ oder "Was du denkst“ lassen die Köpfe nicken und keinen Fuß still stehen.

Als die Band bei "Calamari“ Resident Torpedo Tom von der Bar auf die Bühne bittet, ist der Dancefloor endgültig eröffnet. Von dessen Orgel-Solo auf dem Keyboard sind nämlich nicht nur die Surf-Rocker begeistert. Die deutschen Texte sind eingängig und würden mit dem Gitarrensound die perfekte Filmmusik für "Django Unchained“ oder "Pulp Fiction“ bieten.

"Habt ihr Bock noch bisschen zu surfen“, brüllt Lars Germann nach einer Dreiviertelstunde ins Mikrofon und kassiert einen mächtigen Applaus vom Publikum, das gerade noch eine Zugabe gefordert hatte. Nach genau einer Stunde ist der Auftritt vorbei.

Fazit

Die Jungs von Wellness verstehen es, Musik zu machen und sind dabei, ihren eigenen Sound zu etablieren. Dass das nicht ganz so viele Freiburger interessiert hat, ist wahrscheinlich auf die noch junge Karriere der Musiker zu schieben. In dem leider recht kurzen Konzert haben die Kölner jedenfalls alles gegeben und dürfen gerne mit neuen Alben wiederkommen.

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[Foto & Video: Nicolas Bettinger]