Konzertkritik

Wie war’s bei... Prezident im Kiez 57?

David Baldysiak

Sein letztes Album "Du hast mich schon verstanden" löste im Jahr 2018 eine Kontroverse aus – wie verlief das Konzert von Prezident im Kiez 57? fudder-Autor David Baldysiak war dabei.

Der Künstler

Viktor Bertermann alias Prezident kommt aus Wuppertal und hat vor kurzem seine neue EP "Interesseloses Missfallen" veröffentlicht. Seine mittlerweile 16 Releases sind geprägt von atmosphärisch düsteren Beats und raffinierten Texten, die gespickt sind mit literarischen und philosophischen Referenzen. Sein letztes Album "Du hast mich schon verstanden" ist eine große Abrechnung mit linken und feministischen Diskursen und löste im letzten Jahr eine Kontroverse aus.

Das Publikum

Vor allem junge Leute zwischen 20 und 30, viele lassen sich dem alternativen oder studentischen Milieu zuordnen. Viele tragen Fan-Shirts, es entstehen spontane "Prezi"-Sprechchöre. Man hat den Eindruck, dass sich hier eine eingeschworene Fanbase formiert hat. Das bestätigt sich dann während dem Konzert: Das Publikum ist textsicher, kann auch die kürzlich erschienene EP einwandfrei mitrappen, jede Ansage wird mit Gelächter und Applaus quittiert.

Das Kiez ist nicht komplett voll, sodass für jeden genug Bewegungsfreiheit vorhanden ist. Beim Tanzen wird das ausgenutzt, gegen Ende pogen einige sogar kurz. Was die Getränke angeht tut man es dem Künstler gleich, getrunken wird fast ausschließlich Bier.

Die Stage

Die Bühne ist klein und sieht ein wenig improvisiert aus. Prezident und DJ KB haben bequem Platz, als später die Rapper Hinz und Kunz dazu stoßen und ein Fan die Bühne entert, wird es allerdings doch eng, so dass Prezident kurz in die Menge abtauchen muss. Passend zur Musik ist es heiß und verraucht im Kiez, den Kontrast dazu liefert die bunte Bühnenbeleuchtung.

Die Show

Mit den obligatorischen Accessoires ausgestattet – Handtuch und Bierflasche – legt Prezident los. Die Tracks der neuen EP rahmen den Auftritt ein, ansonsten ist die Setlist ein Querschnitt durch sein Œuvre. Klassiker wie "Menschenpyramiden", "Schneeengel" oder "Es heißt dass sie heiß ist" grölt das Publikum teilweise mit. Ein kleines Highlight ist ein Texthänger während "Ausm Funkloch", den er, ganz alte Schule, mit einem Freestyle überspielt.

Auch an den Songs aus dem letzten Album, das so hohe Wellen geschlagen hat und das Prezident selbst während des Auftritts nur als "das böse Album" bezeichnet, stört sich keiner. Bevor er seinen politisch offensivsten Song "Ist das ein Superfood?" anstimmt, schickt er spaßeshalber voraus: "Das haltet ihr gar nicht aus, ihr Studenten!" Insgesamt merkt man ihm die gute Laune an. Es sei ein Auftritt, bei dem er sich wünsche, mit den Füßen rappen zu können, um den Mund zum Trinken frei zu haben.
Auch mit den Freiburger Gepflogenheit ist er vertraut, nach anderthalb Stunden, um kurz nach zehn ist Schluss, "wir müssen ja auf die Nachbarn Rücksicht nehmen."

Fazit

Ein routinierter und souveräner Auftritt. Man merkt zu jedem Augenblick, dass Prezident mit Leidenschaft bei der Sache ist. Aber wie könnte das auch anders sein, bei einem Künstler, der inzwischen seit über zehn Jahren rappt, ohne je einen Plattenvertrag unterschrieben zu haben?

So dunkel und nihilistisch wie seine Texte mitunter daherkommen, so locker und sympathisch gestaltet er den Abend. Ohne Backup-Rapper und Spezialeffekte kommen Fans und Rap-Puristen auf ihre Kosten.



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