Wie war’s bei… Niels Frevert im Jazzhaus?

Carolin Buchheim

Am Montag startete Niels Frevert im Jazzhaus in die Akustik-Tour zum neuen Album "Putzlicht": Es war ein fulminantes Konzert mit geradezu absurden Mengen an Applaus. Und jede Minute davon hatte der Singer-Songwriter so richtig verdient.

Der erste Eindruck:

2012 war Frevert zuletzt im Jazzhaus, und da war es peinlich leer. An diesem Montagabend (!) ist das anders, man kann es kaum glauben: Das Jazzhaus ist sehr gut gefüllt, rund 130 Leute sind gekommen, um dem Hamburger Songwriter beim ersten Gig der Akustisch-Tour zum im September erschienenen Album "Putzlicht" zuzuhören.

Wer war da:

Auf der Bühne stand Frevert nicht ganz allein, sondern mit Pianist Martin Hornung und Gitarrist Christoph Bernewitz. Eine ganz wunderbare Kombination: gelassen, ausgefeilt, einfach. "Wir sind natürlich wegen des neuen Albums gekommen", sagt Niels Frevert. "Und wegen der alten Songs." "Wir auch", sagt ein Typ im Publikum. "Na, dann passt das ja." Vor der Bühne stehen Menschen mittleren Alters, die möglicherweise schon in den 90ern Freverts Musik gekauft haben. Und es sind etwas mehr Männer als Frauen, huch. Das Publikum feiert Frevert vom ersten Song an: Zwischen den Songs wird so ausführlich geklatscht, dass der Sänger gar nicht zu wissen scheint, was er tun soll, also greift er wieder zur Gitarre und beginnt den nächsten Song. Es ist so schön, er hat das Gejohle und das Klatschen und die Freude und alles so verdient.

Die Set-List:

Zwei Drittel des neuen Albums, vier Songs vom Knaller "Du kannst mich an der Ecke rauslassen" und natürlich auch die Fan-Favourites "Ich würde Dir helfen eine Leiche zu verscharren, wenn’s nicht meine ist" (mit Klatschen), "Niendorfer Gehege" (mit Publikum-als-Kiss-Gesang) und "Wann kommst Du vorbei" (mit Tränchen in den Augen).

Die Musik:

Eine absolute Freude. Niels Frevert ist lange alleine aufgetreten, er braucht eigentlich keine Band und keine Begleitung, aber sie tut ihm so gut und gibt ihm Halt, während er für die Songs von der Akustik-Gitarre zur Telecaster und wieder zurück wechselt. Virtuos gelingt es Bernewitz und Hornung, die Band auf den Alben zu ersetzen. Bei "Putzlicht" übernimmt Hornung die Bläser. Und bei "Seltsam Öffne Mich" spielen Frevert und Bernewitz so richtig schön heavy Gitarre, dass man eine Rhythmus-Gruppe nicht vermisst.

Nettester Bühnen-Small-Talk:

"Wenn ich irgendwann mal wieder eine Band gründe, dann nenne ich sie "Thanks for coming on a monday night", sagt Niels Frevert, und sinniert dann darüber, welche Musik diese Band wohl spielen würde. "Schlager", sagt jemand im Publikum. "Vielleicht wollt ihr da noch mal in Euch gehen?" fragt Frevert zurück.

Was in Erinnerung bleibt:

Die Geschichte über den Song "1m2 Regenwald", nach der dann endlich dessen Kurt-Weillsche-Melodie einen Sinn macht.

Was wir gerne noch gewusst hätten:

Warum war dieses hervorragende Konzert nicht ausverkauft? Und: Wann kommst Du wieder vorbei, Niels?



Note: 1