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Wie war’s bei ... Leila Lowfires Einzug ins Dschungelcamp?

Andreas Meinzer

Einst ging sie aufs Deutsch-Französische Gymnasium in Freiburg, heute ist sie Sex-Podcasterin: Leila Lowfire. Jetzt zog sie ins RTL-Dschungelcamp ein.

Vorurteile

"WTF" von DJ Hugel haben die Macher des "Dschungelcamps" als Titelsong der diesjährigen, mittlerweile 13. Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" ("IBES") ausgewählt. "WTF" wie "What The Fuck" (Wer zum Teufel?). Äußerst passend, denn auch 2019 fragt sich das Publikum, wer all diese vermeintlich prominenten Menschen sind, die bis zu 14 Tage im australischen Dschungel ausharren, rund um die Uhr gefilmt werden und für temporäre Publicity – und dieses Jahr erstmals eine Siegerprämie von 100 000 Euro – allerlei strapaziöse und eklige Dschungelprüfungen über sich ergehen lassen müssen.

Doch die Semi-Prominenz ist nicht der Not geschuldet, keine wirklichen Stars von einer Teilnahme überzeugt zu haben, sondern vielmehr Programm und tragender Running Gag des Formats. "Eine Hammertruppe" und "Top-Stars, die sicherlich eine Schweinekohle gekostet haben", nennt Moderator Daniel Hartwig ironisch die "12 Menschen mit Inselbegabung" (Co- Moderatorin Sonja Zietlow"). Einer von vielen Kritikpunkten an der Sendung ist, dass die Teilnehmer bloßgestellt würden, das Publikum seinen Sadismus befriedige und sich in Schadenfreude ergehe, wenn es via Telefon- Voting abgehalfterte Ex-Stars und D-Promis dazu bestimme, Känguru-Hoden zu verspeisen oder in einen Bottich aus Fischabfällen zu tauchen, um für die gesamte Truppe Essensrationen zu erspielen. Diese Zuschauer mag es sicher geben, doch erklärt das nicht den langjährigen Erfolg des oft als "Ekel-TV" bezeichneten Formats. Vielmehr sind es die dramatisch inszenierten Konflikte der Camp-Teilnehmer untereinander und mit sich selbst, die Schicksalsschläge, von denen sie in als intim imaginierten Momenten einem Millionenpublikum erzählen. "IBES" ist nicht nur Reality-TV und Boulevard-Klatsch, sondern auch eine zweiwöchige Daily Soap Opera.

Konflikt- und Flirtpotential

Bei der Besetzung fallen in der aktuellen Staffel zwei Paar-Konstellationen besonders auf. Das eine Duo mit Konfliktpotential bilden Bastian Yotta (42), der selbsternannte Selfmade-Millionär und einstiger Teilnehmer der RTL-Sendung "Adam sucht Eva", sowie Chris Töpperwien (44), USA-Auswanderer und Gründer einer Currywurst-Franchise-Kette. Beide machen sich über Social Media ihren Erfolg gegenseitig madig. Der Kampf zwischen den beiden, so Moderator Hartwig, sei wohl nur noch "mit Kernwaffen" zu lösen.

Beim anderen Paar ist Eifersucht anderer Art im Spiel. Evelyn Burdecki (30) ist RTL-Fans bekannt aus der Dating-Show "Take me out", ihrem kurzen Auftritt bei "Der Bachelor" 2017 und "Bachelor in Paradise", wo sie 2018 Domenico de Cicco (35) kennen- und zeitweise lieben lernte. Die Beziehung hielt nur drei Monate: Er hatte ihr verschwiegen, eine Freundin zu haben, die zu diesem Zeitpunkt von ihm schwanger war – im 7. Monat. Nun treffen beide im Dschungel wieder aufeinander. Schon am ersten Tag spürt der Zuschauer die Spannung zwischen ihnen. "Das wird rischtisch schlimm", seufzt die Düsseldorferin im unausweichlichen Zwiegespräch mit ihrem Ex. "Meine Angst ist, dass ich mit dir wieder so weit komme", befürchtet Domenico.

Sex-Podcasterin Leila Lowfire (25) erfüllt ihre Rolle und spricht Sätze, wie Regie und Publikum sie von einer "Sex-Expertin" hören wollen, beispielsweise: "Püriert mir irgendwelche Hoden – ich schluck!" Bei ihrer Vorstellung erzählt die Ex-Freiburgerin, dass sie bekanntermaßen auf ältere und intelligente Männer stehe; sie sei ein "Charakterficker". "Mein Typ ist Goethe. Wenn Goethe heute noch leben würde, dann in meiner Vagina". Das Stichwort für die Kamera, immer wieder auf Schauspieler Tommi Piper zu schwenken, die einstige Stimme von ALF, mittlerweile 76 Jahre alt. Der schwärmt auch vielfach kräftig von Leila: "Eine Erscheinung! Ich kann nichts lowfire-iges entdecken." Er lobt die Vielzahl schöner Frauen mit "ausgeprägt weiblichen Rundungen" im Camp, fügt aber hinzu, es sei noch besser, "wenn sie was in der Birne haben". Da wäre der Sexist alter Schule bei Leila an der richtigen Adresse.

Prüfungen

In dieser ersten Sendung gibt es gleich drei Dschungelprüfungen zu bestehen. Eine davon – Premiere – vor Einzug ins Camp. Die Kandidaten müssen auf einem schmalen Steg mit Wackelelementen, der von einem Hochhaus absteht, bis zu einem Buzzer am Ende der Planke balancieren. Die Chose zieht sich über 20 Minuten hin und ist weder spannend noch lustig. Im Camp angekommen müssen mit dem Mund Bälle aus einem Behälter, der mit Kakerlaken, Maden und Melasse gefüllt ist, gefischt, die Bälle dann mit einer Armbrust auf Zielscheiben geschossen werden. Ebenfalls sehr lahm.

Den größten Unterhaltungswert hat die finale Dschungelprüfung, bei der alle zwölf Teilnehmer antreten müssen. In der "Betriebskantine" gibt es in Dreiergruppen vier Gänge zu vertilgen, zum Beispiel eine "Salamipizza", die aus (teils noch lebenden) Mehlwürmern besteht und mit Stierpenis- Scheiben belegt ist, oder "Frikadellen mit Senf und Kartoffelsalat", in der Dschungelversion Schweinehoden, mit Kotzfruchtscheiben und pürierten Kakerlaken. Nicht alle Kandidaten schaffen ihre Portion. Nur Leila Lowfire vertilgt ihr ganzes Pizza-Stück und lässt verlauten: "Das war der härteste Penis, den ich je im Mund hatte!"

Peinliche und lustige Momente

Die als "Heulsuse" aus der "Germany's Next Topmodel"-Staffel 2008 bekannte Giselle Oppermann (31) versagt erwartungsgemäß auf ganzer Linie. Schon vor der Abreise ins Camp, im Hotel noch, bekommt sie einen Weinanfall. Zur Balancier-Challenge tritt sie gar nicht erst an und spricht, schon angeseilt, den rettenden Satz "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!", bevor sie sich heulend auf eine Treppe zurückzieht. Auch ihren Teller isst sie in der "Kantine" nicht leer. Aber genau dafür wurde sie ja verpflichtet. Bastian Yotta versucht sie mit Autosuggestion zu beruhigen. Sie solle einfach ihre Arme verschränken und den Satz "Ich fühle mich sicher und geborgen" so oft vor sich hin sagen, bis die schlechte innere Stimme in ihr verstumme. Giselle: "Der hat echt was drauf!" Im Camp dehnt der Selfmade-Millionär seinen Motivationstrainerkitsch auf die gesamte Truppe aus, die er zum "Miracle Morning" versammelt. Wie ein Mantra wiederholend, die Arme im Wechsel hebend und in die Hände klatschend, sagen seine Mitstreiter peinliche "Power-Sätze" auf: "I am strong. I am healthy. I am full of energy. I am a money magnet. I am a love magnet."

Lustiger ist nur Evelyn mit ihrer verpeilten Art und radebrechenden Englischversuchen wie "Can I have a Regenschirm … äh … Sunschirm" oder "Its very eng" (über ihren Helm). Sicherlich eine der Favoritinnen auf den Thron der Dschungelkönigin 2019. Insbesondere für sie und Leila Lowfire dürfte das diesjährige Camp zu einem Karrieresprungbrett werden. Letztere sagt durchaus zurecht: "Wenn ich da nicht als erfolgreiche junge Frau rauskomme, dann weiß ich auch nicht." Darauf ein Glas Buschschweinsperma! Prost!