Konzert

Wie war’s bei… Kontra K in der Sick Arena?

Jannik Grimmbacher

Kontra K, der Anti-Rapper, bringt seine positive Message mit ordentlich Feuer in die Freiburger Sick Arena. Und hat dort Großes zu verkünden. fudder war dabei.

Das Vorurteil

Es fällt leicht, Kontra K als Motivationstrainer oder Kalenderspruchrapper abzutun, dessen Texte eins zu eins auf Küchenwänden junger Familien stehen könnten. Binsenweisheiten wie "Erfolg ist kein Glück. Sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen", haben ihm diesen Ruf eingebrockt. Doch gerade diese plakative, pathetische Art zu texten machen Kontra Ks Songs auch für Menschen zugänglich, die sonst nicht viel mit deutschem Rap anzufangen wissen.

Das Publikum

Die Menschen, die da am Sonntagabend in die Sick-Arena strömen, gleichen auch nicht dem sonst üblichen Hip-Hop-Publikum. Man sieht viele Pärchen, die wirken, als hätten sie sich einen kinderfreien Abend hierfür genommen. Erstaunlich viele Eltern begleiten ihre Kinder in die Halle. Hip-Hop für die ganze Familie sozusagen.

Die Show

Plötzlich gibt es einen lauten Knall, der Vorhang fällt. Weggesprengt, zumindest scheinbar. Die Menge schreckt auf und fängt sogleich an zu jubeln, als der Mann des Abends dahinter erscheint. Vor düsteren postapokalyptischen Szenarien steht Kontra K auf einer Treppe. Rechts und links von ihm fletschen zwei riesige Wölfe ihre Zähne, als würden nur die Ketten um ihre Hälse sie davon abhalten, augenblicklich in die Menge zu stürmen. Pathos ist also das treibende Element des Abends. Dazu passt Kontras rasselnde Stimme, die nicht nur dem Rap, sondern vor allem den vielen gesungenen Parts den nötigen Nachdruck verleiht.

Der kleine Moment des Abends

Um nochmal ein paar Unterstriche zu setzen, schießen die Bühnentechniker zu jedem "Benzin" aus Kontras Mund Gasflammen aus dem Boden. Woraufhin er sich "fühlt wie ein Dönerspieß". "Dann zieh dich aus!" rufen zwei Frauen hinter mir. Keine drei Songs später: Kontra wirft sein Hemd weg, die Flammen toben wieder. Die beiden Frauen sind außer Rand und Band.

Die Tanzbarkeit

Zu Beginn der Show sieht man die Bühne kaum noch, nur noch ein Meer aus Smartphone-Displays. "Nicht so cool", denke ich mir. Das Publikum bleibt anfangs auch sonst eher ruhig. Es wird sogar im Takt geklatscht, was einem auf Hip-Hop-Konzerten sonst eher schiefe Blicke einbringt. Kontra treibt die Menge aber ordentlich an. Die Begleiter auf der Rollstuhltribüne wippen erst langsam im Takt und wiegen ihre Arme von links nach rechts, um schließlich bei der Kampfsport-Hymne "Kampfgeist 2" ausgelassen zu tanzen.

Der große Moment des Abends

Als Kontra zur Zugabe wieder auf der Bühne steht, hält er zwischen zwei Songs kurz inne. Er erzählt, wie das Leben einen gerne mal einholt. Gestern sei sein Sohn zur Welt gekommen. Die Menge ist kaum zu halten. Deswegen werde er nach dem nächsten Song in den Flieger steigen. Dann singt er: "Und er geht, der Sonne entgegen". Das Pathos scheint endgültig am richtigen Fleck angekommen.