Wie war's bei ... "Generation Beziehungsunfähig"-Autor Michael Nast im Paulussaal?

Laura Wolfert

Donnerstagabend: Heidi Klum gegen Michael Nast. Germanys next Topmodel oder der Bachelor? Der Berliner Buchautor und Frauenschwarm Michael Nast war am Donnerstagabend im Paulussaal. Er hat aus seinen Büchern "Generation Beziehungsunfähig" und "Ist das Liebe oder kann das weg" vorgelesen, Bier getrunken und erzählt, dass es eine Tinder-App für Hässliche gibt:



Faul auf der Couch oder fein im Foyer?

Sollte man sich am Donnerstagend für Germanys next Topmodel entschieden haben, so sitzt man in einer zerlöcherten Jogginghose auf der Couch. Man sieht Mädchen, die trotz ihres 90-60-90-Traumkörpers Sport treiben, während man im selben Moment in die Chipstüte greift - die ebenfalls 90-60-90-Maße hat.

Bei der Lesung im Paulussaal ist das etwas anders. Man schlürft an seinem 0,1 Sektglas von Geldermann, zieht den Bauch ein, der durch die Schummelhosen von Triumph in Form gebracht wird. Frauen – sie sind überall. Ein rosiger Coco-Chanel-Parfümduft macht sich im Foyer breit. Ob 16-jährige Teenagergirls, oder etwas reifere, Mitte-Vierziger-Damen: Sie alle schnattern über das gleiche Thema: Michael Nast, der blonde Berliner, der Bachelor mit dem Buch. Heute Abend hat er definitv eine größere Auswahl als Leonard in der RTL-Serie.

Publikum

Es sind deutlich mehr High-Heels als Männer im Saal. 90 Prozent der Besucher sind Damen, rund 500 haben es sich bequem gemacht. Die restlichen Sitze werden von ihren männlichen Mitbringseln besetzt.  
"Immernoch besser als die Heidi", haben sich die Männer wohl gedacht.

Nicht nur das Alter des Publikums ist weit gefächert, auch die Stiltypen unterscheiden sich deutlich. Von Dutt bis Dreads, Kapuzenpulli bis Kleid: Alle sind sie da, um ihn live zu sehen - den Nast.

Atmosphäre

"Men Bruder kommt aus Freiburg. Ik bin immer hier hin jekommen, wenn ik Stress mit mener Freundin hatte", berlinert Michael Nast, der seit einem Jahr wieder Single ist. Nach 14 Minuten Lesung hat er immer noch nicht begonnen, vorzulesen. Die Frauen rutschen auf ihren Sesseln ungeduldig hin und her. Die Triumph-Hose zwickt, das Sektglas ist leer – langsam könnte der Nast beginnen. Das Bier, das neben der Volvicflasche auf seinem Tisch steht, müsste mittlerweile Zimmertemperatur haben.

Die Stimmung erinnert an das wöchentliche Treffen von Freundinnen beim Brunch. Auch hier fallen Wörter wie "Zara", "H&M", "Shopping" und "Sex and the City". Nicht umsonst wird Michael Nast im Netz als männliche Carrie Bradshaw betitelt.

Das Vorlesen

Der erste seiner fünf Texte ist nur wenige Tage zuvor unter der Rubrik "Liebe - Männer verstehen" auf der Onlineseite von Freundin.de erschienen – gleich neben "Psychotests". Nast nippt an seinem Bier, räuspert sich, fängt an zu erzählen: "Philipp bewegt sich auf Dating-Apps wie sich Magda auf den Online-Shops von Mango, Zara oder H&M bewegt, wenn sie einkauft. Beide konsumieren! Magda Kleidung und Philipp eben Menschen". Philipp habe dank Tinder bereits mit mehr als 127 Frauen geschlafen. Philipp, sagt Nast außerdem, sei ein Freund von ihm. Schon klar.

Tinder: Eines der Hauptthemen des Abends, aber leider schon ziemlich abgedroschen. Interessant wird es erst, als Nast von weiteren Datingsapps spricht – gerade für diejenigen, die sich bereits durch ganz Freiburg "durchgewischt" haben. "Philipp nutzt drei Datingapps: Tinder, OkCupid und eine App namens Jaumo. Jaumo, das ist Tinder für Hässliche."

Nast sieht aus wie immer: Schwarzes Shirt mit leichtem V-Ausschnitt, schwarzes Jacket, schwarze Hose – klassisch, aber nicht aufregend, wie die Vorlesung selbst. Er sitzt da, nippt an seinem Bier, liest aus Texten vor, die man bereits kennt, oder unentgeltich im Internet findet. Dafür knapp 15 Euro zu verlangen und nicht mal mehr eine Fragerunde zu eröffnen: naja.

Fazit

Nicht nur seine Freunde Christoph und Philipp, auch Nast selbst scheint ein Casanova zu sein. Immer wieder erzählt er von seinen nächtlichen Geschichten. Gute, witzige Geschichten – nur leider fehlt die Pointe, da man die bereits aus seinen Büchern und Kolumnen kennt.

Dass Nast ein Macho ist, hat er bereits im vergangenen fudder-Interview abgestritten. Vielleicht ist Michael Nast genauso wenig Macho, wie Carrie Bradshaw - sondern viel mehr Samantha Jones.


Hier lest ihr nochmal unser Interview mit Michael Nast:

Mehr dazu:

[Foto: Bernhard Amelung]